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BLitzeinschlag auf der Startrampe

Raketenstart: Warum Astronaut:innen nur bei gutem Wetter abheben

Matthias Maurer musste 2 Wochen auf optimales Wetter für seinen Start ins All warten. Hier erfährst du, bei welchen Bedingungen die NASA nicht startet - und was schief gehen kann, falls das Wetter nicht mitspielt. Im Clip: Ein Zeit-Experiment, um die größte Raumfahrt-Katastrophe aller Zeiten zu verhindern.
Raketenstart: Warum Astronaut:innen nur bei gutem Wetter abheben
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Das Wichtigste zum Thema Wetterbedingungen für Raketenstarts

  • Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer dürfte in den Wochen vor seinem Trip zur ISS ziemlich häufig in den Himmel geschaut haben: Wegen schlechten Wetters hatte sich sein Start gleich mehrmals verschoben.

  • So minutiös die NASA ihre Raketenstarts sonst plant (hier findest du den NASA-Countdown vor dem Start): Das Wetter lässt sich häufig nicht genau vorhersagen. Ein Ärgernis für die Ingenieur:innen, eine Geduldsprobe für die Astronaut:innen.

  • Die NASA setzt sich harte Regeln, um zur ISS zu starten (siehe unten). Zu gefährlich sind Blitze, Frost und Höhenwinde für sensible Raumschiffe wie den Crew Dragon.

  • Die Angst vor schlechtem Wetter hat einen tödlichen Hintergrund: Wegen widriger Witterung sind schon Astronaut:innen gestorben, andere Missionen beinahe gescheitert.

Unüberwindlich: die Wolkengebirge von Florida

Wolkengebirge in Florida

Der mächtigste Gegner der NASA in Florida: Wolkengebirge, die sich im Sommer fast täglich in der Umgebung des tropischen Startplatzes auftürmen. Das gleiche Problem hat die ESA auch an ihrem äquatorialen Weltraumbahnhof Kourou.

Das sind die NASA-Wetter-Regeln für Raketenstarts

Gewitterstürme sind am gefährlichsten für Raketenstarts. Das gilt vor allem für das tropische Florida, wo solche Stürme im Sommer fast täglich wüten. Daher holt sich die NASA  ihre Wettervorhersage für die Tage und Stunden vor dem Start von der US-Luftwaffe, der "45th Weather Squadron".

Laut offiziellen NASA-Regeln startet die Falcon 9 nicht, ...

  • falls der Wind in 50 Metern Höhe stärker als 15 Meter in der Sekunde weht.
  • in großer Höhe Scherwinde auftreten, welche die Lagekontrolle der Rakete gefährden.
  • falls 30 Minuten vor dem Start innerhalb eines Radius von 18 Kilometern oder innerhalb der Aufstiegsroute Blitze zu beobachten waren.
  • falls innerhalb eines Radius von 18 Kilometern eine Gewitterwolke auftritt.
  • falls 15 Minuten vor dem Start innerhalb eines Radius von 9 Kilometern eine elektrische Ladung von mehr als 1500 Volt gemessen wird.
  • falls die Rakete in eine mehr als 1400 Meter dicke Wolkendecke mit Temperaturen um den Gefrierpunkt starten müsste.
  • falls sich innerhalb eines Radius von 18 Kilometern Haufenwolken befinden, deren obere Schichten Temperaturen um den Gefrierpunkt aufweisen.

Schutz am Boden: Blitzableiter

Startende Falcon 9-Rakete vor Blitzableitern.

Damit Blitze nicht in Raketen einschlagen, wenn sie auf der Startplattform stehen, sind sie von riesigen Blitzableitern umgeben, wie hier eine Falcon 9 im Juli 2014. Gefährlich wird es, wenn sie im Laufe des Starts den Schutz der Blitzableiter verlassen und in Gewitterwolken fliegen.

Tödlicher Frost in Florida: Der Start von Spaceshuttle Challenger

Es ist eine Katastrophe mit Ansage: Als in der Nacht vor dem geplanten Start des Spaceshuttles Challenger am 4. April 1983 die Temperatur unter Null Grad sinkt, schlägt Roger Boisjoly Alarm. Der Ingenieur weiß, dass ein Dichtungsring im Wasserstofftank bei niedrigen Temperaturen nicht dichthält.

Doch seine Chefs melden der NASA wider besseren Wissens grünes Licht. Kurz nach dem Start bahnen sich heiße Raketenabgase den Weg durch die fehlerhafte Dichtung und treffen auf den Hunderttausende Liter puren Wasserstoff.

Nach 73 Sekunden explodiert Challenger in 15 Kilometer Höhe. Die 7-köpfige Crew wird zerschmettert, als ihre unzerstörte Kabine aus 15 Kilometer Höhe in den Atlantik stürzt.

Der Absturz der Challenger

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Apollo 12: Auf dem Weg zum Mond geblitzt

Start von Apollo 12

Eine der dramatischsten Momente erlebt das Apollo-Mondprogramm 1969, als nach dem Start ein Blitz in die riesige Saturn-V einschlägt und alle elektrischen Systeme lahmlegt. Eiskalt rebooten die Apollo12-Astronauten die Rechner der Rakete - und fliegen weiter zum Mond.

FAQs für Raketenstarts

  • ⁉️

    Warum startet die NASA keine Raketen bei schlechtem Wetter?

    Die NASA startet nicht bei schlechtem Wetter, weil Blitze die empfindlichen Geräte an Bord beschädigen könnte. Außerdem bringen starke Winde die Raketen vom Kurs ab.

  • ⁉️

    Was sind die gefährlichsten Wetterbedingungen für Raketen?

    Gewitterstürme sind für Raketen am gefährlichsten, denn sie enthalten elektrische Ladungen, die die empfindlichen Geräte an Bord beschädigen könnte. Dazu kommen starke Winde, die die Raketen vom Kurs abbringen und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Sie können die Festigkeit der Raketenteile vermindern.

  • ⁉️

    Ab welche Windstärke startet die NASA nicht mehr?

    Die NASA startet keine Raketen, wenn der Wind stärker als 15 Meter in der Sekunde weht.

  • ⁉️

    Hat schlechtes Wetter schon zu einem Unfall beim Start geführt.

    Ja, 1986 stürzte das Spaceshuttle Challenger ab, weil bei tiefen Temperaturen Tankdichtungen spröde wurden. Die Mondrakete von Apollo 12 traf ein Blitz, konnte ihren Weg aber fortsetzen.

Veröffentlicht: 08.11.2021 / Autor: Peter Schneider