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Unwetter Sommergewitter

Gewitter über Deutschland: Profi-Tipps für stürmische Zeiten

Nach der Hitze, kommt das Unwetter. Aktuell sind in Deutschland immer wieder Wärmegewitter angesagt. Hier erfährst du, wie du dich bei Blitz und Donner am besten verhältst. Im Clip: Wir haben einen Sturmjäger begleitet.
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Das Wichtigste zum Thema Stürme

  • Von einem Sturm spricht man, wenn Winde von mindestens 74 Kilometern pro Stunde auftreten. Die Windstärke wird mit Hilfe der Beaufort-Skala bestimmt. Die reicht von 1 bis 12. Ein Sturm hat die Stärke 9, ein Orkan 12.

  • Im Sommer sind wir vor allem von Wärmegewittern betroffen. Die Luft am Boden wird erwärmt, während sie in höheren Schichten konstant bleibt. Viel Wasser verdunstet. Bei einer bestimmten Temperatur steigt die warme Luft auf und es entstehen Wärmegewitter. Die treffen uns meist am Nachmittag oder Abend.

  • Die Sommergewitter sind nichts im Vergleich zu Orkanen. Das sind immer Tiefdruckgebiete mit Winden über 117 km/h. Nicht zu verwechseln mit tropischen Wirbelstürmen, wie [Hurrikans] (https://www.galileo.tv/natur/hurrikan-dorian-steuert-auf-uns-zu-bereite-dich-vor/), Taifunen oder Zyklonen. Die haben deutlich mehr Power (Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h) und entstehen über warmen Meeresgebieten.

  • Die starken Stürme treten vor allem im Herbst und Winter über Mittel- und Nordeuropa auf. Der Temperaturunterschied zwischen der Polarregion und den südlichen Breitengebieten sind dann besonders groß. Treffen die Luftmassen aufeinander, entsteht ein Orkan.

  • Tornados gibt es vor allem in Nordamerika, wenn sich Gewitterwolken über aufgeheizter Luft bilden. Die kalte Luft fällt schnell ab, die warme wird nach oben gezogen. Die Folge: Ein Wirbel, der eine Geschwindigkeit von mehr als 400 Kilometer pro Stunde erreichen kann.

In Deckung! Profi-Tipps für stürmische Zeiten

  • 🌳

    Meide Alleen und Parks. Bäume können knicken und dich erschlagen. Auch "fliegende" Äste sind gefährlich.

  • 🔦

    Nimm Taschenlampe und Handy mit als Lichtquelle bei Stromausfall.

  • 🏡

    Bleib im Haus. Bist du etwa in der Stadt, flüchte in einen Laden, um dich vor herabstürzenden Dachziegeln zu schützen.

  • Droht Hagel und du bist im Auto unterwegs, steuerst du am besten die nächste Tankstelle an. Dort gibt es Möglichkeiten zum Unterstellen.

  • Wenn du im Freien bist, gehe auf alle Viere, so bietest du weniger Angriffsfläche. Bei Gewitter kannst du dich in eine Mulde ducken.

3 überlebenswichtige Fragen an einen Sturmjäger

Andere flüchten, er fährt zum (Wirbel)sturm. Marco Kaschuba dokumentiert hauptberuflich Extremwetter. Er war auch in Florida, um "Dorian" zu filmen, der dort im Spätsommer 2019 wütete. Wir haben den Reutlinger interviewt:

Wie gefährlich ist der Job als Sturmjäger?

Als ich Fallwinde in Kroatien filmte, musste ich mich an einer Leitplanke festhalten. Danach hatte ich Blutergüsse an den Händen. Der Sturm war mit 250 km/h unterwegs. "Dorian" in Florida war dagegen harmlos. Es gab einfachen Sturm und hohe Wellen. Auf den Bahamas, nur 150 Kilometer Luftlinie von mir entfernt, richtete der Hurrikan katastrophale Zerstörung an. Ein Hurrikan bewegt sich langsam und lässt sich gut berechnen. Daher lief das Filmen ziemlich relaxt. Brenzlig ist oft das Autofahren zum Sturm. Vor 4 Wochen hatte ich einen Unfall.

© Marco Kaschuba

 

Wie schützt du dich im Unwetter - trägst du spezielle Ausrüstung?

Manchmal habe ich einen Helm auf und trage eine Taucherbrille als Augenschutz. Selbst kleine Gegenstände können zu gefährlichen Geschossen werden, wenn sie mit über 200 km/h durch die Luft wirbeln. Wetterfeste Kleidung und Schutzanzüge bei Kälte sind ein Muss. Und es ist wichtig, meine Kameras zu schützen. Manchmal geht aber auch eine flöten.

© Marco Kaschuba

 

Hast du deinen "Arbeitsplatz" für dich allein? Oder sind zig Sturmjäger unterwegs?

Vor 20 Jahren habe ich fast nie jemanden getroffen. Das hat sich geändert. Zieht in den USA ein Tornado auf, sehe ich hunderte Stormchaser. Manche bieten sogar Tornado-Touren für Touristen an. Auch in Deutschland gibt es immer mehr Unwetter-Fans, die Fotos machen. Das Interesse am Extrem wächst.

Veröffentlicht: 24.06.2021 / Autor: Alena Brandt