Themenseiten-Hintergrund

Wir lieben Vanille! Warum die Schote so teuer ist und was in Vanillin steckt

2019 war Vanille teurer als Silber. Jetzt ist der Preis gesunken. Wieso Vanille-Schoten so rar sind und wie künstliche Vanille hergestellt wird, erfährst du hier. Spoiler: Man braucht Holz, Reis oder eine Substanz aus der Rohstoff-Industrie.

Das Wichtigste zum Thema Vanille

  • 15.000 Tonnen Vanille landen jedes Jahr in Eis und Co. Aus echten Vanille-Schoten kann dieser Bedarf nur zum Buchteil gedeckt werden. Die günstige Alternative: synthetisches Vanillin.

  • Seit 2014 ist der Vanille-Preis von rund 60 Euro pro Kilo stetig gestiegen. 2019 erreichte er seinen Höchstwert. Gehandelt wurde die Schote für 600 Euro oder mehr pro Kilo. Vanille war damit teurer als Silber.

  • Jetzt ist der Preis rapide gesunken. Grund dafür ist offenbar ein verändertes Käuferverhalten. Viele Hersteller mischen sie aus Kostengründen mit synthetischer Vanille. Der Referenzpreis für den Export lag im Februar 2020 bei 320 Euro pro Kilogramm - 2019 waren es 500 Euro.

  • Echte Vanille ist rar. Die Zucht und Ernte erfordern Geduld und Handarbeit. Zusätzlich sorgten in den letzten Jahren Missernten und Kriminalität für Engpässe.

  • Besonders wohl fühlt sich die Vanille auf Madagaskar - rund 80 Prozent stammt von der Insel. Für die Einheimischen ist die Vanille Fluch und Segen zugleich. Sie ist ein Exportschlager, verstärkt aber auch die Kluft zwischen arm und reich.

Die Vanille-Orchidee - mexikanische Diva auf Reisen

  • 💃

    Vanilleschoten wachsen an der Vanille-Orchidee. Sie ist die einzige Orchidee, die Früchte trägt, und eine wahre Diva. Zu heiß, zu kalt, zu trocken - die Vanilleschote kann sogar Sonnenbrand kriegen.

  • 🐝

    Schon die Azteken schätzten die Vanille, denn ursprünglich stammt die Pflanze aus Mexiko. Das ist auch der einzige Ort, an dem sie auf natürliche Weise bestäubt wird - nämlich von der Melipona Biene. Die ist nur in Mittelamerika heimisch.

  • 😏

    Die spanischen Eroberer kultivierten die exotische Vanille im 16. Jahrhundert - mit enttäuschendem Ergebnis: Die meisten Pflanzen gingen ein. Wenn sie doch überlebten, trugen sie ohne die Melipona Bienen keine Schoten.

  • 🌴

    Bis zur Entdeckung der Handbestäubung vergingen rund 300 Jahre, in denen die Vanille von Mexiko nach Europa und in alle Welt verschifft wurde. Später entwickelte sich Madagaskar zum größten Vanille-Exporteur.

  • Die typisch gelben Blumen blühen nur für einen Tag. Für die Handbestäubung haben die Vanille-Bauern also nur 12 Stunden Zeit. Danach verwelken die Blüten und es vergeht ein Jahr bis zur nächsten Chance.

Erstaunliches Vanille-Wissen

Was hat es mit der Bourbon-Vanille auf sich?

Viele Produkte wie Vanilleeis locken mit dem Versprechen feiner Bourbon-Vanille. Aber was bedeutet das eigentlich?

"Bourbon-Inseln" ist der Name einer Inselgruppe im indischen Ozean. Sie besteht aus Madagaskar, den Komoren, Mauritius, Réunion und den Seychellen. Da der Großteil der Vanille von diesen Inseln kommt, taucht der Name im Zusammenhang mit Vanille am häufigsten auf.

Vanille ist nicht gleich Vanille - das steckt hinter den Produkten

  • 🏵️

    Vanilleschoten: Die perfekte Schote sieht aus, als wäre sie leicht mit Zucker bestreut. Tipp für mehr Aroma: 30 Sekunden in der Mikrowelle erwärmen.

  • 🏵️

    Gemahlene Vanilleschoten: Braunes Pulver aus echter Vanille. Eignet sich gut zum Backen. Preislich ist es fast genauso teuer wie ganze Schoten.

  • 🏵️

    Natürliches Vanille-Aroma: Produkte mit dieser Bezeichnung müssen zu 95 Prozent aus echter Vanille gewonnen sein.

  • 🏵️

    Vanille-Extrakt: Hier gibt es gute Qualität aus echter Vanille (preislich deutlich teurer) und mindere Qualität, in der viel Zucker, Glucose oder Ethyalkohol steckt - Inhaltsstoffe checken!

  • 🏵️

    Vanille-Aroma: Künstliches Aroma aus synthetischer Herstellung, in dem keine echte Vanille steckt.

Vanillin aus der Fabrik

Es gibt verschiedene Wege Vanillin künstlich herzustellen:

  • Natürliches Vanillin kann man aus Vanilleschoten oder aber Ferulasäure herstellen. Letztere wird vor allem aus Reiskleie gewonnen und durch Mikroorganismen in Vanillin umgewandelt.
  • Synthetisches Vanillin macht den Großteil des Vanillins aus. Es wird aus Guajacol hergestellt. Das stammt aus der petrochemischen Industrie. Andere Verfahren basieren auf Lignin, einem Holz-Bestandteil.
  • Forscher der Johannes Gutenberg-Universität haben ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sie Vanillin aus Lignin, das bei der Papier-Herstellung anfällt, herstellen können. Da deutlich weniger Energie nötig ist, hat diese neue Methode Potenzial.

TOP 5: Das sind die teuersten Gewürze der Welt

Wie gut kennst du dich mit Gewürzen aus? Im Quiz findest du es heraus!

Veröffentlicht: 04.09.2020 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau