Themenseiten-Hintergrund

Mammut reloaded: Kann man ausgestorbene Tierarten wiederbeleben?

Forscher arbeiten daran, ausgestorbene Tierarten wieder zum Leben zu erwecken. Mit der "Rückzucht" konnten sie bereits alte Rassen imitieren. Dank Klon-Technik entstehen vielleicht sogar Kopien von Fossilien - doch das Verfahren ist kompliziert.
Mammut

Das Wichtigste zum Thema ausgestorbene Tierarten wiederbeleben

  • Durch gezielte Züchtung 'erschaffen' Menschen seit Jahrtausenden Tiere mit besonderen Eigenschaften und Aussehen. So entstanden zum Beispiel die heutigen Rassen an Hochleistungs-Nutztieren und Hunden.

  • Versucht man eine ausgestorbene Rasse aus lebenden Tieren zu züchten, spricht man von Rückzucht. Voraussetzung dafür ist, dass die Tiere von heute noch charakteristische Eigenschaften des Ur-Tiers haben.

  • 1920 starteten Biologen mit der Rückzucht des ausgestorbenen Auerochsen. Seit den 80ern grasen wieder mehrere Tausend "Ur-Rinder" in Europa.

  • Moderne Techniken ermöglichen es seit 1996, Klone zu schaffen. Das Genom aus einer Zelle wird dabei in eine fremde Eizelle eingebracht und diese in eine Leihmutter verpflanzt.

  • Auch aus intakten gefrorenen Zellen kann man DNA gewinnen. Eine Chance für vom Aussterben bedrohte Tiere. Mammuts so wiederzubeleben, wäre die Königsdisziplin. Wie gut dafür die Chancen stehen, erfährst du unten.

Er ist wieder da: der Auerochs

Heute gibt es über 100 Rinder-Rassen. Alle stammen von ihm ab: dem Auerochsen, auch Ur genannt. Er lebte in Nordafrika, Asien und Europa. Im 17. Jahrhundert starb die Rasse aus.

Typische Charakteristika des Auerochsen finden sich bis heute in einigen Rinderrassen: stattliche Größe, nach vorn gebogene Hörner, Robustheit, dunkelbraune Fellfarbe.

1920 startete das erste Rückzucht-Programm. Die Tiere wurden jedoch im 2. Weltkrieg getötet. In den 80er Jahren kam es zum Comeback der "Auerochsen". Die Forscher hatten dafür Rinder mit charakteristischen Ur-Eigenschaften immer wieder gekreuzt. Solange, bis die Nachkommen dem Auerochsen ähnelten.

Auerochse, Ur-Rind


Heute grasen mehrere Tausend Tiere als Landschaftspfleger in europäischen Naturschutzgebieten. Hier auf Wiesen des Volkswagen-Beweidungsprojekts bei Wolfsburg.
© picture alliance /image BROKER

 

Neuere Projekte setzen bei der Auswahl der Rückzucht-Rassen auf die Genom-Sequenzierung. Sie vergleichen die DNA der Rinder mit dem Genom eines 7.000 Jahren alten Auerochsen, das sie aus fossilen Zellen rekonstruieren konnten. 300 Gene scheinen besonders wichtig für die typischen Auerochsen-Merkmale zu sein.

Dolly war eine Revolution

Beim Klonen gehen Biologen noch einen Schritt weiter: Denn damit erzeugen sie nicht nur ein ähnliches Tier, sondern das genetische Abbild eines bestimmten Tiers oder einer ausgestorbenen Art.

Schaf Dolly


Dieses Schaf schrieb Wissenschafts-Geschichte: Dolly.
© picture alliance / empics

 

Der erste erfolgreiche Klon-Versuch war Schaf Dolly. 1996 entnahmen ihm Forscher den Kern einer Körperzelle und pflanzten ihn in die Eizelle eines anderen Schafs ein. So entstand ein Klon der Ur-Dolly.

Schafe, Schweine, Rinder, Mäuse, Hunde und Affen wurden auf diese Weise bereits geklont.

Das wär's: ausgestorbene Tiere klonen

Für spätere Klon-Versuche entnehmen Forscher heute Gewebeproben von Arten, die kurz vor dem Aussterben stehen. Damit die DNA intakt bleibt, wird sie bei tiefen Minus-Graden in flüssigem Stickstoff gelagert.

So klonten Biologen einen Pyrenäen-Steinbock, kurz nachdem die Art ausgestorben war. Das Tier starb allerdings direkt nach der Geburt - und die Art verschwand ein zweites Mal von der Erde.

Pyrenäen-Steinbock


Einer der letzten lebenden Pyrenäen-Steinböcke 1999 in Spanien.
© picture alliance/blickwinkel

Wird es auch wieder Mammuts geben?

Das Problem: Für die Klon-Technik benötigt man möglichst intakte Zellen beziehungsweise ein vollständiges Genom der ausgestorbenen Tierart.

Fossile Tiere aus dem Eis bieten dafür noch die besten Voraussetzungen, doch auch dort zerfällt die DNA mit der Zeit. Außerdem braucht man eine geeignete Leihmutter, die das Tier austragen kann.

Wird heute ein Mammut aus dem Permafrostboden Sibiriens geborgen, liegt es dort schon seit mehreren Tausend Jahren. Hier intakte Zellen zu finden, wäre ein Glücksfall. Doch moderne Methoden könnten das Problem lösen. Mithilfe der Genom-Rekonstruktion versuchen Forscher, aus DNA-Schnipseln wieder ein komplettes Genom zu bauen.

Baby-Wollmammut Untersuchung


Dieses Baby-Wollmammut namens Lyuba wurde 2007 auf der russischen Halbinsel Yamal in Sibirien in gefrorenem Lehm und Schlamm entdeckt. Es wurde nur einen Monat alt und starb vor etwa 42.000 Jahren.
© picture alliance/AP Photo

 

Und es kann funktionieren: Der Großteil des Mammut-Genoms ist heute bekannt. Nun wollen es Forscher mit dem lebender Elefanten abgleichen. Ziel ist es, die Gene zu identifizieren, die hinter den charakteristischen Mammut-Merkmalen stecken.

Die könnte man dann mit der Gen-Schere herausschneiden und in die Zelle eines Elefanten integrieren. Da allerdings mehrere hunderttausend Gen-Abschnitte ausgetauscht werden müssten, wird das noch eine Weile dauern.

Teste dein Wissen zu ausgestorbenen Tieren im Quiz!

Veröffentlicht: 12.09.2020 / Autor: Larissa Melville