Nacktmull Nagetier

Der Nacktmull: Hütet dieser Nager das Geheimnis ewiger Jugend?

Die faszinierenden Nager altern fast nicht. Forschende aus der ganzen Welt wollen hinter dieses und andere spektakuläre Geheimnisse der Mulle kommen.

Das Wichtigste zum Thema Nacktmulle

  • Nacktmulle sind in Ostafrika zu Hause. Dort leben sie in unterirdischen Kolonien mit bis zu 300 Tieren.

  • Die Nagetiere sind nahezu blind und taub. Sie spüren fast keinen Schmerz, erkranken nicht an Krebs - und ihre Zellen altern viel langsamer.

  • Eine Königin führt den Staat an. Außerdem gibt es Arbeiterinnen, Soldaten oder Bruthelfer. Nacktmulle haben ein ausgeklügeltes Sozialsystem und fiepsen in ihrer Kolonie sogar im eigenen Dialekt.

  • Bis auf Tasthaare sind die Tiere nackt. Mit ihren Falten schieben sie sich unter der Erde durch Gänge und an spitzen Wurzeln vorbei. Dort herrschen rund 30 Grad. Sie können 18 Minuten ohne Sauerstoff auskommen.

  • Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen das Leben der Mulle. Welche Erkenntnisse dem Menschen nutzen können, erfährst du weiter unten.

Quelle: u.a. Tierpark Berlin/ Max Delbrück Centrum - Berlin

Fakten zum Nacktmull

Quelle: u.a. Tierpark Berlin/IUCN Red List

Der Nacktmull - ein Leben ohne Alter

Wird ein Mensch 30 Jahre alt, verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit zu sterben, alle 8 -10 Jahre. Beim Nacktmull ist das anders. Die Sterbe-Wahrscheinlichkeit ist bei erwachsenen Tieren an jedem Tag gleich.

Angesichts ihrer Körpergröße und -struktur müssten sie so alt wie Mäuse werden. Doch sie werden fast 30 Jahre, also gut 10mal so alt. Das Geheimnis könnten spezielle körpereigene Proteine und ein besonders "reparaturfreudiges" Erbgut.

Auch die Fähigkeit, den Stoffwechsel ständig auf Sparflamme zu halten, unterstützt wohl die ewige Jugend der Zellen. Diese altern langsamer und bleiben länger funktionsfähig.

Einem ausgewachsenen Nacktmull sieht man das Alter nur an den Zähnen an. Häufigste Todesursache der Nager scheint der Kampf gegen Feinde oder Artgenossen zu sein.

Forschende wollen durch das Untersuchen der Nacktmulle auch dem Geheimnis des menschlichen Alterns auf die Spur kommen. Welchen Anteil haben Gene und Umwelt am Alterungsprozess?

Tierschützer protestieren gegen die Laborhaltung der Nager. Die Wissenschaft argumentiert mit dem Nutzen, den diese Forschung dem Menschen bringe. Welche Geheimnisse des Mulls für die Schmerz- oder Krebstherapie hilfreich sein könnten, erfährst du in der Emoji-Liste.

Calico Life Siences, Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung

5 Geheimnisse, die bereits gelüftet wurden

  • 👨‍👩‍👧‍👦

    Sozialleben: Nacktmulle gehören zu den wenigen Säugetieren, die "eusozial" leben. Das ist eher von staatenbildenden Insekten bekannt. Sie kümmern sich unter anderem gemeinsam um die Jungtierpflege, Nahrungsbeschaffung und -aufteilung. Verschiedene "Berufsgruppen" erledigen spezielle Aufgaben. Nur die Königin pflanzt sich fort.

  • 🎵

    Wortschatz: Er umfasst mindestens 17 unterschiedliche Quietschlaute. Jede Kolonie fiepst diese in ihrem Dialekt, der in Tonhöhe und Schallwellenmuster variiert. Damit unterscheiden sie Mitglieder aus dem Bau von Fremden. Jungtiere lernen den Dialekt in gut 6 Monaten.

  • 🩺

    Krebs: Ihre Zellen überwachen die Nachbarzellen so gut, dass es fast nie zu Krebs kommt. Sie unterbinden die Tumor-Bildung durch verbesserte körpereigene Abwehr. Dabei hilft ein Zuckermolekül, das den Kontakt zwischen den Zellen intensiviert. Es ist 5mal so groß wie beim Menschen. Darauf konzentriert sich nun die Krebsforschung.

  • 🩹

    Schmerz: Sie sind fast schmerzunempfindlich. Das Weiterleiten bestimmter Schmerzreize von den Nervenzellen an das Gehirn ist unterbunden. Außerdem ist der Rezeptor verändert, der die Überempfindlichkeit auf Hitze signalisiert. Und es fehlt ein Peptid, das Nervenzellen generell reizbarer macht. Die Schmerztherapie erforscht, wie das Menschen zum Beispiel gegen Rheuma helfen kann.

  • 💨

    Kohlendioxid: In den stickigen Gängen herrschen höhere CO2-Werte als bei uns an der Erdoberfläche. Andere Säuger würden da unten ersticken. Dank einer Gen-Mutation verträgt der Mull die hohe Dosis viel besser. Kommt er jedoch nach oben, bekommt er bei der normalen CO2-Konzentration Krampfanfälle. Nun wird untersucht, ob veränderte CO2-Mengen Menschen mit Fieberkrämpfen helfen.

Quelle: u.a. City University of New York, University of Rochester, Max-Delbrück-Centrum Berlin

Gewusel in vewinkelten Gängen

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Veröffentlicht: 25.03.2021 / Autor: Sven Hasselberg