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US-Wahl: Wieso dauerte die Auszählung so lange?

Die Ergebnisse der Stimmauszählung der US-Präsidentschaftswahl untermauern Joe Bidens Sieg. US-Präsident Trump weigert sich weiterhin, seine Wahlniederlage einzugestehen. Wieso zog sich die Auszählung in manchen Bundesstaaten so lange hin?
Teaserbild: US-Wahl: Wieso dauerte die Auszählung so lange?

Das Wichtigste zum Thema US-Wahl 2020

  • Schon vor einer Woche verkündeten die Prognosen der großen US-Fernsehsender: Joe Biden wird der nächste US-Präsident.

  • In den USA ist es üblich, dass die Wahl auf Basis von Prognosen großer Medienhäuser als entschieden gilt - normalerweise noch in der Wahlnacht.

  • Doch erst 10 Tage nach der Wahl am 3. November stand laut TV-Sendern in allen US-Bundesstaaten ein Ergebnis fest, nachdem auch in Georgia und North Carolina eine Entscheidung gefallen war.

  • Den Berechnungen von CNN, NBC, ABC und CBS zufolge kommt Biden bei der US-Wahl nun auf 306 Wahlleute - deutlich mehr als die für einen Sieg erforderlichen 270.

  • Wieso zog sich die Stimmenauszählung so lange hin? Das erfährst du auf dieser Seite.

Ergebnisse der Stimmauszählung

Donald Trump

(232)

Joe Biden

(306)

Ohio (18) Colorado (9)
West Virginia (5) New York (29)
Indiana (11) Rhode Island (4)
Kentucky (8) Conneticut (7)
Tennessee (11) Vermont (3)
South Carolina (9) Virginia (13)
Florida (29) Delaware (3)
Alabama (9) Maryland (10)
Mississippi (6) Massachusetts (11)
Louisiana (8) District of Columbia (3)
Arkansas (6) Illinois (20)
Missouri (10) New Jersey (14)
Iowa (6) New Hampshire (4)
North Dakota (3) New Mexico (5)
South Dakota (3) Kalifornien (55)
Nebraska (5) Oregon (7)
Kansas (6) Washington (12)
Oklahoma (7) Minnesota (10)
Wyoming (3) Maine (4)
Montana (3) Hawaii (4)
Idaho (4) Wisconsin (10)
Utah (6) Michigan (16)
Texas (38) Pennsylvania (20)
North Carolina (15) Georgia (16)
Alaska (3) Nevada (6)
  Arizona (11)

 

Der Gewinner benötigt 270 Wahlstimmen. Hier findest du die Live-Ergebnisse der CNN für die Präsidentschaftswahl 2020.

Quelle: CNN, Stand 14.11. um 20 Uhr

Biden vs. Trump

Erst 10 Tage nach der US-Präsidentschaftswahl am 3. November stand laut TV-Sendern in allen US-Bundesstaaten ein Ergebnis fest, nachdem auch in Georgia und North Carolina eine Entscheidung gefallen war. Ersterer Bundesstaat geht an den Demokrat Joe Biden, Donald Trump sicherte sich die Wahlleute in North Carolina.

Damit käme Biden auf 306 Wahlleute - ein unaufholbarer Vorsprung gegenüber Trump, der auf 232 Stimmen kommt. Im Electoral College wird am 14. Dezember über den künftigen Präsidenten der USA abgestimmt.

Übrigens: Bei der Wahl vor 4 Jahren hatte Trump 306 Wahlleute hinter sich gebracht, seine Herausfordererin Hillary Clinton kam auf 232.

Neuauszählung in Georgia

In Georgia zählen Wahlhelfer in den 159 Landkreisen des Bundesstaats die Stimmzettel per Hand nach. Damit soll überprüft werden, ob die Zählmaschinen akkurat gearbeitet haben.

Anlass für die Neuauszählung: Der Abstand zwischen Trump und Biden, der weniger als 0,5 Prozentpunkte beträgt. Biden liegt in Georgia etwa 14.000 Stimmen beziehungsweise 0,28 Punkte vor Trump.

Bis Mittwoch, 17. November, soll die Aktion abgeschlossen sein. Bis zum 20. November muss das Wahlergebnis in Georgia beglaubigt werden.

Auch wenn beim Nachzählen in Georgia andere Zahlen herauskommen sollten als beim 1. Mal, würde die Veränderung laut dem Regierungsbeamten Gabriel Sterling, der 2019 im Innenministerium für die Einführung eines neuen Abstimmungs-Systems zuständig war, sehr gering sein.

Wieso dauerte die Auszählung so lange?

  • 🗳

    Der Anteil der Briefwähler ist bei der US-Wahl 2020 so hoch wie nie zuvor. 102 Millionen Amerikaner hatten ihre Stimme schon abgegeben, bevor überhaupt das erste Wahllokal an der Ostküste öffnete.

  • Damit waren schon vor dem 3. November über 70 Prozent der Wahlbeteiligung von 2016 erreicht.

  • 😷

    Speziell Anhänger der Demokraten neigten inmitten der Corona-Pandemie eher dazu, ihre Stimmzettel per Post zu verschicken als die Republikaner.

  • Der Grund für Verzögerungen bei der Auszählung: Jeder Bundesstaat hat eigene Regeln, wann mit der Auszählung der Stimmen begonnen werden darf.

  • 📅

    Mancherorts konnten die Wahlhelfer schon Wochen vor dem 3. November damit anfangen, die Stimmzettel auszuwerten.

  • 🙅

    In einigen der heiß umkämpften Swing States aber verbieten die Gesetze die vorzeitige Auswertung der Stimmzettel.

  • 📅

    Das heißt, Beamte dürfen dort erst am Wahltag mit der Auswertung der Briefwahl-Stimmen beginnen.

  • 🖋

    Teils ist auch der Abgleich von Unterschriften mit Wählerverzeichnissen vorgeschrieben.

  • 📮

    In manchen Staaten werden außerdem auch noch Stimmen ausgezählt, die einige Tage nach der Wahl eingehen. Hier zählt der Poststempel, der spätestens vom Wahltag stammen muss. Pennsylvania, North Carolina und Nevada lassen Stimmzettel gelten, die per Post binnen jeweils 3, 9 und 7 Tage eingehen.

  • Die Wahlleiter mehrerer Staaten im Mittleren Westen hatten im Vorfeld angekündigt, dass die korrekte Auszählung einige Tage dauern könnte.

Trump spricht von Wahlbetrug

Angesichts der Verzögerungen sprach Trump mehrere Male von "Betrug" an den Wählern ohne Beweise zu liefern. Er kündigte an, vor das Oberste Gericht (Supreme Court) zu ziehen, um eine weitere Auszählung der Stimmen stoppen zu lassen.
Trump hatte schon im Wahlkampf Stimmung gegen die Briefwahl gemacht und Zweifel an der Rechtmäßigkeit geschürt - obwohl die Abstimmung per Post eine etablierte Form der Stimmabgabe ist.
Von der US-Agentur für Cybersicherheit heißt es jetzt: Wahlzettel seien weder gelöscht noch verloren gegangen.
Twitter, Facebook und Instagram versehen voreilige Posts zur US-Wahl mit einem Warn-Hinweis wegen "möglicherweise irreführender" Aussagen. Die Plattformen beziehen sich damit vor allem auf Donald Trump, der sich bereits an die Öffentlichkeit gewandt und zum Sieger erklärt hat.

Trump-Anhänger wollen demonstrieren

Trump hofft jetzt auf verstärkte Unterstützung seiner Anhänger. Vor geplanten Demonstrationen am Samstag (14. November) in der Hauptstadt Washington gegen vermeintlichen Wahlbetrug kündigte Trump auf Twitter an, er überlege, ob er "vorbeikommt und Hallo sagt". Er wiederholte seinen Vorwurf, die Wahl sei manipuliert gewesen, doch Belege dafür konnte er auch diesmal nicht liefern.

Bereits letzte Woche kam es im Bezirk Maricopa vor einem Behörden-Gebäude zu Protesten einer großen Gruppe von Trump-Anhängern. Mehrere unter ihnen hätten Waffen wie Automatik-Gewehre gehabt, berichtete eine Korrespondentin des Nachrichtensenders CNN.

Vor einem Behördengebäude in Arizona, in dem Stimmen der US-Präsidentenwahl ausgezählt werden, hat sich in der Nacht zum Donnerstag eine große Gruppe von Anhängern des Präsidenten Donald Trump versammelt. Mehrere unter ihnen hätten Waffen wie Automatik-Gewehre gehabt, berichtete eine Korrespondentin des Nachrichtensenders CNN in einer Live-Schaltung.


Trump-Anhänger versammelten sich vor einem Behördengebäude in Arizona, in dem Stimmen der US-Präsidentenwahl ausgezählt werden.
© Matt York/AP/dpa

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Veröffentlicht: 15.11.2020 / Autor: Viviane Osswald