
Lust auf Angst? Darum ist True Crime so ein Hype
Grusel, Gewalt und Verbrechen faszinieren den Mensch seit jeher. Derzeit boomt dieses Phänomen in Form von True Crime. Warum wir Spaß am Gruseln haben, erfährst du im Clip. Außerdem: 2 True Crime-Podcasterinnen im Interview.
Das Wichtigste zum Thema True Crime
True Crime - also die Nacherzählung echter Verbrechen ist in den letzten Jahren ein echter Unterhaltungs-Trend geworden. Das Genre boomt in Form von Zeitschriften, Podcasts und Serien.
Den Startschuss gab 2014 der Podcast "Serial", in dem der Mord an der Schülerin Hae Min Lee an der Woodlawn High School aufgeklärt werden sollte. Danach gab es einen regelrechten Hype um True Crime.
Schauen wir Horrorfilme oder Gewaltverbrechen, empfinden wir dabei oft eine Angstlust. Wir sind einerseits fasziniert, andererseits haben wir Angst.
Was ist True Crime?
True Crime ist zu einem eigenen Unterhaltungsgenre geworden. Es geht um wahre Fälle von Morden, Vergewaltigungen, Serienkillern und alles rund um das Thema Gewalt und Verbrechen.
Bekannte Formate sind zum Beispiel die Serie "Making a Murderer", der Podcast "Zeit Verbrechen" oder die Zeitschrift "Stern Crime". Die Lust an der Angst boomt in allen Medien.
Das steckt hinter der Lust an der Angst
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Die Angstlust ist kein neues Phänomen und reicht weit in die Vergangenheit zurück, auch wenn sie gerade durch True Crime sehr populär ist.
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Angstlust ist die Verbindung der eher konträren Gefühle Angst und Lust. Siehst du einen Horrorfilm, gruselst du dich dabei zwar, aber du weißt, dass du jederzeit in Sicherheit bist.
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Unser Hirn kann nicht zwischen realer Angst und der Vorstellung davon unterscheiden. Wenn wir etwa einen Krimi lesen, der mit vielen grausamen Details geschmückt ist, bekommen wir Angst. Realisieren wir aber, dass uns nichts passieren kann, werden Endorphine, also Glückshormone ausgeschüttet.
Wusstest du, dass …
… es früher schon ähnliche Formate wie True Crime gab? Allerdings viel heftiger. Denn im Mittelalter schauten Menschen zum Beispiel öffentlich bei Hinrichtungen zu.
… Angstlust gut für die Gesundheit sein kann? In einer Studie fanden Forscher mehr weiße Blutkörperchen im Blut von Menschen, die zuvor einen Horrorfilm gesehen hatten.
… offenbar mehr Frauen als Männer von True Crime fasziniert sind? In einer Online-Umfrage der University South Carolina kam heraus, dass 73 Prozent der Nutzer von True-Crime-Podcasts weiblich sind.
Wie funktioniert unser Gehirn überhaupt?
Wie funktioniert unser Gehirn überhaupt?
Matthias Fiedler und Christoph Karrasch stellen sich der ultimativen Brain-Challenge. Mit Hilfe einfacher Experimente wollen die beiden herausfinden, wie unser Gehirn funktioniert.
Was passiert im Körper, wenn wir uns Gruseln?

Die Amygdala (rot eingezeichnet) ist Teil des limbischen Systems in Gehirn.
© imago images/Science Photo Library
Eine zentrale Rolle spielt die Amygdala im Gehirn. Sie wird auch Mandelkern genannt. Offenbar ist sie besonders aktiv, wenn wir typische Angst-Symptome wie Angstschweiß an den Händen spüren, die Atmung schneller wird und der Puls steigt.
Zudem wird bei Angst Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol ausgeschüttet. Es läuft ein Notprogramm ab. Wenn du schließlich realisierst, dass du nicht in Gefahr ist, werden hingegen Endorphine ausgeschüttet, die dir ein beruhigendes Gefühl geben.
Mord auf Ex: ein Interview mit den True-Crime-Podcasterinnen
Linn Schütze und Leonie Bartsch arbeiten beide als Fernsehjournalisten bei ProSieben. Was sie noch verbindet? Ihre große Liebe zu True Crime, die sie auch in ihrem eigenen Podcast ausleben: Mord auf Ex. Das Besondere? Sie thematisieren internationale Verbrechen, die die Welt und Gesellschaft verändert haben.
Wir haben den beiden ein paar Fragen gestellt und werfen einen Blick hinter die Kulissen der True-Crime-Szene.

© Mord auf Ex
Du findest Linn und Leonie auch auf Instagram.
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In eurer ersten Episode sagt ihr, dass ihr selbst eigentlich Schisser seid. Wieso macht ihr dann trotzdem einen True Crime Podcast?
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Linn: Gute Frage. Uns interessieren einfach die dunkelsten Abgründe der menschlichen Psyche - der richtig harte Stoff. Das sind Geschichten, die sich kein schwedischer Krimiautor ausdenken könnte. Genau das verpasst einem dann noch mehr Gänsehaut: die Tatsache, dass es eben kein fiktiver Thriller ist.
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Wie geht ihr bei euren Recherchen vor?
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Leo: Das ist bei jeder Podcast-Folge unterschiedlich. Unser Ziel ist es, erstmal so viel wie möglich über den Fall herauszufinden. Dafür ziehen wir uns wochenlang - 40, 50 Stunden - Dokus, Bücher, Artikel und bestenfalls originale Transkripte und Protokolle rein. Im nächsten Schritt setzen wir einen Fokus. Mal ist das ein psychologischer Hintergrund, mal ein geschichtlicher Kontext.
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Was glaubt ihr: Wieso ist True Crime so ein Trend?
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Linn: Das überrascht uns auch immer wieder. Wir können es uns nur so erklären, dass es eben mehr Menschen wie uns gibt, die genauso wie wir ticken und diese Art von Faszination haben. Speziell in einem Land, in dem sich Millionen von Menschen jeden Sonntag Tatort anschauen. Krimi ist hier schon längst Kult.
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Wer sind denn eure Hörer?
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Leo: Tatsächlich können wir immer noch nicht glauben, wie groß unsere Community, die "Exis", in nur einem Jahr geworden ist. Vom Abiturienten bis zur 70-Jährigen Exi-Oma. Die meisten Hörer sind weiblich, vor allem aber Menschen, die sich für eher makabre, psychologisch eigentlich belastende Dinge interessieren.
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Welche Story hat euch die krasseste Gänsehaut verpasst?
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Linn: Ein Serienmörder namens Dennis Rader, der aufgrund seiner Hadlungsweise "Bind Torture Kill" (engl. für Fesseln, Foltern, Töten) den Namen "BTK" erhalten hat. Er erfüllt wirklich jedes Kriterium auf der Psychopathen-Checkliste: von puppenartigen Masken, Leichenherrichtung in der Kirche bis hin zu mysteriösen Briefen an die Polizei. Horror. Seitdem checken wir abends beide regelmäßig unseren Kleiderschrank (da hat er sich nämlich am liebsten drin versteckt).
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Stumpft man bei so viel Mord und Totschlag nicht vollkommen ab? Und hat man überhaupt noch Hoffnung in die Menschheit?
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Leo: Ganz ehrlich: Ja, das tut man. Man wird auch ein bisschen paranoider und hält gerade in der Dämmerung jeden entgegenkommenden Passanten für einen potenziellen Serienmörder. Aber man muss im Hinterkopf behalten, dass dies Einzelschicksale sind: Es ist wahrscheinlicher, dass man von einem Blitz getroffen wird, als dass man ermordet wird. Uns ist es wichtig keine Angst zu schüren. Und je nach dem was bei den nächsten US-Wahlen herauskommt, haben wir die Hoffnung an die Menschheit definitiv noch nicht verloren!
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