Galileo WM CopyCreated with Sketch.
  1. Galileo WM CopyCreated with Sketch.Galileo
  2. Life
Strompreisbremse

Strompreisbremse: Wie funktioniert der Deckel und was bringt er mir?

Die Bundesregierung will ab Januar 2023 eine Strompreisbremse einführen. Sie soll helfen, die aktuell hohen Energie-Kosten zu bewältigen. Wie sehr das den Strompreis drücken wird und welche Kritik es an dem Vorhaben gibt, erfährst du auf dieser Seite. Im Clip: Tipps zum effizienten Stromsparen.
Strompreisbremse: Wie funktioniert der Deckel und was bringt er mir?
12

Das Wichtigste zur Strompreisbremse

  • Die zurzeit enormen Kosten für Strom und fürs Heizen stellen viele Menschen vor große Herausforderungen. Daher plant die Bundesregierung unter anderem eine Strompreisbremse ab Januar 2023. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, ist allerdings fraglich.

  • Der Preis-Deckel für Strom soll zusätzlich zur Gas-Soforthilfe und zur Gaspreisbremse für Entlastung sorgen.

  • Für Menschen, denen die Preis-Bremsen nicht ausreichend helfen, sowie Einrichtungen wie Kliniken, die kaum sparen können, soll es darüber hinaus weitere Unterstützungen aus einem Härtefall-Fonds geben.

So hoch ist die Strompreisbremse

Zur Bewältigung der gestiegenen Energie-Kosten möchte die Bundesregierung ab Januar 2023 eine Strompreisbremse einführen. Das bedeutet, die Kosten für elektrische Energie werden - ähnlich wie beim Gas durch die Gaspreisbremse - auf einen Höchstbetrag gedeckelt.

Konkret müssen private Verbraucher:innen pro Kilowattstunde (kWh) maximal 40 Cent bezahlen. Für kleine und mittlere Unternehmen wird der Höchstpreis auf 13 Cent festgesetzt. Was über diesen Preis-Deckel hinausgeht, übernimmt der Staat und wird von den Versorgern mit der Abschlagszahlung verrechnet.

Die Strompreisbremse gilt jedoch nur für einen Basis-Bedarf: Bei Privat-Kund:innen entspricht dieser 80 Prozent des Verbrauchs im Vorjahr, bei industriellen Kund:innen sind dies 70 Prozent des früheren Verbrauchs. Übersteigt der Verbrauch den Basis-Bedarf, gilt der dann aktuelle Marktpreis.

Die passenden Gesetze zur Strompreisbremse müssen noch von Bundestag und Bundesrat beschlossen werden. Dies soll bis Mitte Dezember passieren.

Bundeskanzler Olaf Scholz


Über Twitter versicherte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hinsichtlich der geplanten Strompreisbremse nochmals: "Wir lassen niemanden mit den hohen Energiepreisen alleine."
© picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Wie viel Geld bringt die Strompreisbremse konkret?

  • 👫

    Zur Orientierung hilft eine Beispielrechnung. Laut Statistischem Bundesamt lag der durchschnittliche Stromverbrauch eines Zwei-Personen-Haushalts pro Jahr zuletzt bei 3.196 Kilowattstunden (kWh).

  • 💶

    Dafür wurden im letzten Jahr - bei einem durchschnittlichen Strompreis von 32,87 Cent pro kWh Ende 2021 - rund 1.050 Euro fällig.

  • 🤔

    Da die Strompreisbremse für 80 Prozent des Vorjahres-Verbrauchs gilt, bedeutet das für einen Zwei-Personen-Haushalt mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch: Der Preis-Deckel für Strom greift bis zu einem Verbrauch von 2.557 kWh.

  • 💰

    Dafür fallen pro kWh höchstens 40 Cent an, was umgerechnet insgesamt rund 1.023 Euro an Stromkosten entspricht.

  • 📉

    Ähnliche Rechnungsbeträge wie im Vorjahr sind demnach lediglich bei einem wesentlich geringeren Verbrauch möglich. Ansonsten musst du dich trotz Strompreisbremse auf höhere Kosten einstellen.

Der Stromverbrauch der Deutschen

Stromverbrauch in Deutschland im Durchschnitt nach Haushaltsgröße

So wird dein Zuhause energieeffizient

So wird dein Zuhause energieeffizient

Energiekosten steigen und verursachen immer höhere Nebenkosten. Beim Rundgang durch eine Wohnung verrät ein Energie-Effizienzberater, mit welchen Tricks du Strom sparst.

So wird die Strompreisbremse finanziert

Die Strompreisbremse wird die Staatskasse schätzungsweise mit zwischen 50 und 70 Milliarden Euro belasten. Der genaue Betrag hängt von der weiteren Preis-Entwicklung ab.

Die Finanzierung erfolgt - wie auch bei der Gaspreisbremse und der Gas-Soforthilfe im Dezember - grundsätzlich aus dem "Abwehrschirm", einem Wirtschaftsstabilisierungs-Fonds bestehend aus 200 Milliarden Euro.

Außerdem sollen zur Bezahlung sogenannte Zufallsgewinne rückwirkend von Anfang September an abgeschöpft werden.

Unter Zufallsgewinnen werden die Erträge von denjenigen Strom-Erzeugern verstanden, die aktuell unerwartet hohe Gewinne erzielen. Dazu zählen etwa Anbieter von Strom aus Wind- und Solarkraft, die durch eine derzeit günstigere Produktion vom hohen Strompreis profitieren, den teurere Gaskraftwerke aufgrund des Merit-Order-Prinzips vorgeben.

Kritik an der Strompreisbremse

  • 📆

    Die Energie-Branche sieht nicht zuletzt Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Bis zum Jahreswechsel verbleibt wenig Zeit, um die Koordination der über 40 Millionen Haushalte in Deutschland anzupassen. Daher wird schon jetzt gefordert, den Start der Strompreisbremse auf März 2023 zu verschieben.

  • 🤑

    Ebenfalls eine Befürchtung: Die Abschöpfung der überraschenden Gewinne von Anbietern erneuerbarer Energien könnte - als ungünstiger Nebeneffekt - die Bereitschaft zu Investitionen in deren Ausbau hemmen.

  • 🙏

    Sozialverbände fordern zudem weitere Entlastungen wie - im Gegensatz zur 300-Euro-Energie-Pauschale - gezielte Direkt-Auszahlungen. Für Menschen mit geringen und mittleren Einkommen reiche die Strompreisbremse nicht aus.

Woher kommt der Strom in Deutschland

Gas macht als Energieträger lediglich rund ein Neuntel der Stromerzeugung in Deutschland aus. Trotzdem richtet sich der Strompreis aufgrund des Merit-Order-Prinzips nach dem Gaspreis.

Wesentlich größer ist aktuell noch der Anteil an Strom aus Kohlekraftwerken. Ungefähr die Hälfte vom Strom-Mix entstammt erneuerbaren Energiequellen.

Stromeinspeisung Deutschland


Während fast die Hälfte des in der ersten Jahreshälfte 2022 eingespeisten Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energien stammt, macht auch Kohle nach wie vor rund ein Drittel der Stromeinspeisung aus.
© Galileo

FAQ zum Thema Strompreisbremse

  • ⁉️

    Was ist die Strompreisbremse?

    Die Strompreisbremse ist ein staatlich festgelegter Preis-Deckel für einen Grundbedarf an Strom, der bei privaten Kund:innen 80 Prozent und bei industriellen Kund:innen 70 Prozent des Verbrauchs im Vorjahr entspricht.

  • ⁉️

    Wie teuer wird Strom 2023?

    Die Strompreisbremse deckelt den Strompreis für den Grundbedarf von privaten Haushalten auf 40 Cent pro Kilowattstunde (kWh) sowie für kleine und mittlere Unternehmen auf 13 Cent. Übersteigt der Verbrauch den Grundbedarf, wird der dann aktuelle Marktpreis fällig.

  • ⁉️

    Wann kommt die Strompreisbremse?

    Nach der Zustimmung von Bundestag und Bundesrat will die Bundesregierung die Strompreisbremse ab Anfang Januar 2023 einführen. Die Kosten, die über diesen Preis-Deckel hinausgehen, übernimmt für den Grundbedarf der Staat.

  • ⁉️

    Wie wird die Strompreisbremse bezahlt?

    Die Finanzierung erfolgt grundsätzlich aus dem 200 Milliarden Euro schweren Wirtschaftsstabilisierungs-Fonds. Darüber hinaus sollen zur Bezahlung Zufallsgewinne von Strom-Erzeugern mit aktuell unerwartet hohen Gewinnen rückwirkend von Anfang September an abgeschöpft werden.

Veröffentlicht: 21.11.2022 / Autor: Alexander Duebbert