So habt ihr euch den kleinsten Staat der Welt bestimmt nicht vorgestellt
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So habt ihr euch den kleinsten Staat der Welt bestimmt nicht vorgestellt

vor 3 Monaten

Mitten im Meer, circa zehn Kilometer von der englischen Küste entfernt, liegt der Mikrostaat Sealand. Wir reden hier aber nicht von einer gewöhnlichen Insel, sondern von einer rostigen kleinen Plattform aus Stahl, die auf zwei dicken Betonpfeilern in der Nordsee steht. Wenn die Vereinten Nationen Sealand anerkennen würden, wäre es das kleinste Land der Welt.

Die ehemalige Marine-Plattform aus dem Zweiten Weltkrieg ist rund 50 Meter lang und 13 Meter breit. Eigentlich wurde sie vor über 70 Jahren von der britischen Regierung gebaut, um sich gegen Angriffe der Deutschen zu verteidigen. 200 Soldaten sollten von der Plattform aus ihr Königreich bewachen.

Nach Kriegsende stand das Teil einige Jahre leer, bis es sich dann 1967 der Ex-Offizier Roy Bates mit seiner Familie dort gemütlich machte und nicht mehr weg wollte. Anfangs wollte er dort einen illegalen Radiosender betreiben. Er erklärte die Plattform zu seinem neuen Reich und nannte sie Sealand. Kaum zu glauben, aber Sealand hat inzwischen sowohl eine eigene Währung, den Sealand-Dollar, als auch eine eigene Nationalhymne und eine Fahne.

Dass Sealand so abgekapselt ist, wurde oft ausgenutzt: Im Jahr 2000 gründete der damals 21-jährige Amerikaner Ryan Lackey, ein Freund von Roys Sohn Michael, mit seinen Kollegen dort das Unternehmen HavenCo. Das war ein sogenannter Datenhafen, mit dem durch Computernetzwerke ein Zugriff auf Internet-Daten ohne staatliche Kontrolle möglich gemacht werden sollte. Das Konzept eines Datenhafens kennt ihr vielleicht von der Enthüllungsplattform WikiLeaks – dessen Aktivist Julian Assange hat nämlich das Gleiche gemacht. Ihre Server brachten die Jungs von HavenCo. auf Sealand unter. Acht Jahre später scheiterte das Projekt allerdings – ohne Angabe von Gründen auf Unternehmensseite.

Seit 2003 ist Michael Bates Sealands Staatsoberhaupt – der selbsternannte Prinz Michael. Und ja, dort leben tatsächlich Menschen. Im Inneren der Betonpfeiler, die die Plattform stützen, gibt es sieben Plattformen mit je 50 Quadratmetern. Warum es überhaupt Menschen gibt, die dort wohnen wollen? Vielleicht, weil es in Sealand weder Steuern noch Zölle gibt. Oder weil die Lage so angenehm ruhig ist.

Inzwischen hat sich die britische Regierung mit Sealand arrangiert. Vor 30 Jahren wurde die Zone der Staatsgewässer von drei auf zwölf Seemeilen ausgeweitet – das heißt, Sealand befindet sich heute nicht mehr in internationalen Gewässern, sondern gehört zu England, da es rund fünf Seemeilen von der Küste entfernt liegt.

Nach dem Brexit und der US-Wahl haben plötzlich hunderte Menschen die „sealändische“ Staatsbürgerschaft beantragt – höchstwahrscheinlich, um ihre Unzufriedenheit über die Politik auszudrücken. Um diesen ganzen Anfragen nachkommen zu können, plant Prinz Michael jetzt eine Erweiterung des „Fantasiestaates“. Er überlegt, zusätzliche schwimmende Plattformen um Sealand herum aufzubauen, damit er dort alle Bewohner unterbringen kann.

Zu erreichen ist die Insel nur per Hubschrauber, Besuche von außerhalb sind allerdings verboten.

Roy Bates hat bis zu seinem Tod im Jahr 2012 dafür gekämpft, dass Sealand international als Staat anerkannt wird – ohne Erfolg. Meist wird das Eiland als Mikronation oder Scheinstaat bezeichnet.

Fun Fact: Fettes Brot haben das Musikvideo zu ihrem Song „Echo“ auf Sealand gedreht. Hier gibt’s den Clip:

Auf der Webseite des Mini-Landes verkauft Prinz Michael Sealand-Souvenirs und Adelstitel.

Apropos verrückte Inseln: In Mexiko gibt es eine Insel, die aus 150.000 leeren Plastikflaschen besteht. Das und andere merkwürdige Inseln seht ihr im Video:

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