Afroamerikanerin jubelt nach dem Urteil gegen Chauvin

Prozess zum Tod von George Floyd: Warum das Urteil Hoffnung macht

Derek Chauvin, Ex-Polizist und verantwortlich für den Tod von George Floyd, wurde in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Warum dieses Urteil Hoffnung macht - und historisch einzigartig ist.

Das Wichtigste zum Thema Urteil gegen Derek Chauvin

  • Er soll mit einem gefälschten 20-Dollar-Schein bezahlt haben - kurze Zeit später war er tot: Am 25. Mai 2020 kam der 46-jährige Afro-Amerikaner George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis ums Leben.

  • Laut Aussage der Polizei habe er bei der Festnahme physischen Widerstand geleistet. Zeugen berichten allerdings anderes. 4 Polizisten drückten ihn zu Boden. Einer der Beamten, Derek Chauvin, kniete dabei fast 9 Minuten auf Floyds Nacken. Der rief mehrfach: "Ich kann nicht atmen." Die Polizisten reagierten nicht.

  • Kurz nach Floyds Tod kam es in Minneapolis zu Demonstrationen gegen rassistische Polizeigewalt. Innerhalb weniger Tage weiteten sich die Proteste aus - vor allem in den USA, aber auch in anderen Teilen der Welt.

  • Die 4 Polizisten wurden gefeuert, Derek Chauvin wegen Totschlags angeklagt und festgenommen. Jetzt wurde dem Ex-Polizisten und Mörder der Prozess gemacht.

  • Er wurde in allen Anklage-Punkten schuldig gesprochen. 10 als Zeugen geladene Polizisten brachen den Schweige-Pakt (kein Polizist belastet einen anderen) und sagten gegen ihren Ex-Kollegen Chauvin aus.

  • Ein Blick auf die traurige Chronik der Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA zeigt: Chauvins Verurteilung steht für einen Sinneswandel der amerikanischen Justiz. Weiter unten zeigen wir dir, welche früheren Fälle für Proteste sorgten.

  • Das Urteil macht Hoffnung im langen Kampf gegen Polizeigewalt, unter der in den USA vor allem die Black Community leidet. "Justice for Floyd": In den USA feiern Millionen Menschen die Verurteilung Chauvins.

"Justice for George Floyd": ein Prozess, der in die Geschichte eingeht

Welche Strafe erwartet Derek Chauvin?

  • ⚖️

    Das Urteil gegen Chauvin lautet: Schuldig für Mord 2. und 3. Grades sowie Totschlag 2. Grades an George Floyd.

  • 🏛️

    Sein Strafmaß steht aber noch aus. In absteigender Reihenfolge stehen auf die 3 Anklagepunkte Höchststrafen von 40, 25 und 10 Jahren.

  • 📜

    Für Täter ohne Vorstrafen - wie auch Chauvin - sieht der US-Staat Minnesota Strafen von je 12,5 Jahren für Mord 2. und 3. Grades und 4 Jahre für Totschlag 2. Grades vor.

  • 👨🏼‍⚖️

    Im Fall Chauvin kündigte die Staatsanwaltschaft jedoch ein höheres Strafmaß an. Eine Entscheidung des Richters Peter Cahill wird bis Ende Juni erwartet.

Rückblick: George Floyd war nicht der erste Fall

"Racism is not getting worse. It’s getting filmed." - Will Smith

"Rassismus wird nicht schlimmer. Er wird nur gefilmt", sagte Schauspieler Will Smith 2016 nach dem Tod Keith L. Scotts durch einen US-Polizisten. Durch grausame Handy-Videos könne niemand mehr wegsehen - auch nicht die Justiz.

Neben belastendem Beweis-Material wächst auch der Druck von außen: Dank Social Media gehen Proteste wie "Black Lives Matter" um die Welt. Die große mediale Aufmerksamkeit erhöht die Chance, dass rassistische Gewalt-Verbrechen zurückgehen und verhältnismäßig bestraft werden.

Hier liest du, wie du im täglichen Kampf gegen Rassismus aktiv wirst.

Tausende Menschen demonstrierten im Frühjahr 2020 weltweit gegen Rassismus und Polizeigewalt - und zwar friedlich. Was die Proteste damals bewirkten, siehst du im Video.

Veröffentlicht: 22.04.2021 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau