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Proteste in China: Mit weißen Blättern gegen die Zensur

Immer mehr Menschen gehen in China gegen die strikte Null-Covid-Politik auf die Straße. Die kommunistische Regierung reagiert mit Gewalt und Zensur. Wie Demonstrant:innen mit weißen Zetteln und Codewörtern für ihre Freiheit kämpfen.
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Worum geht es bei den Protesten in China?

  • 📈

    Mehr als 30.000 neue Corona-Fälle verzeichnet China aktuell pro Tag. Bei 1,4 Milliarden Einwohner:innen sind die Zahlen immer noch verhältnismäßig niedrig.

  • Trotzdem: Diese Infektions-Zahlen sind ein neuer Rekord in der Volksrepublik. China fährt von Beginn an eine strikte Null-Covid-Politik.

  • 😷

    Jeder einzelne Ausbruch hat Lockdowns, Quarantäne und Massentestungen zur Folge - und das seit Beginn der Pandemie im März 2020. Während andere Länder die Maßnahmen lockern oder ganz fallen lassen, hält die chinesische Regierung an den strengen Maßnahmen fest.

  • 🚪

    In der Mega-Metropole Chongqing dürfen die rund 30 Millionen Menschen nur noch in dringenden Angelegenheiten die Stadt verlassen. Die Hauptstadt Peking gleicht einer Geisterstadt - Schulen, Geschäfte und Restaurants sind geschlossen.

  • 😠

    In der Bevölkerung wächst die Frustrationen gegen die strikten Corona-Maßnahmen bereits seit Monaten.

  • 🔥

    Auslöser für die aktuellen Proteste war ein Wohnungsbrand in Urumqi, bei dem nach offiziellen Angaben zehn Menschen gestorben sind. Feuerwehr und Notärzte sollen wegen Corona-bedingten Straßensperrungen nicht rechtzeitig zur Brandstelle gekommen sein.

Proteste in China: Warum die Menschen dabei ihre Freiheit risikieren

Shanghai, Chengdu, Chongqing, Wuhan, Peking: In den Millionenstädten Chinas kommt es seit Tagen zu immer größeren Protestmärschen. Die Menschen forderten die Aufhebung der Lockdowns und Einschränkungen - und riskieren damit ihre eigene Freiheit.

In China herrscht keine Demonstrations-, Rede- und Pressefreiheit. Jeder Widerspruch zur Haltung des Regimes wird zensiert - oder mit Gewalt unterdrückt. Die Polizei geht im Auftrag der Regierung gegen Demonstrierende vor. Zahlreiche Menschen wurden festgenommen, darunter auch Pressevertreter:innen.

Aus diesem Grund sieht man bei aktuellen Protesten keine bunten Schilder mit Parolen - sondern weiße Blätter. Ein Schlupfloch mit Wirkung: Denn damit machen sich die Demonstrierenden nicht strafbar und setzen gleichzeitig ein Zeichen gegen Zensur. Denn ihre Forderungen sind auch ohne Schriftzug klar. 

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Mit weißen Blättern gegen die Zensur: Kein neues Zeichen

  • 🏳

    In sozialen Medien zeigen sich User:innen solidarisch mit den Demonstrierenden in China und posten Bilder von sich mit weißen Blättern. Das Zeichen gegen Zensur ist aber nicht neu.

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    Schon in Hongkong wurde 2020 mit weißen Blättern gegen das neue Sicherheits-Gesetz protestiert. Die Demonstrierenden konnten damit vermeiden, dass verbotene Slogans zensiert wurden.

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    Auch in Russland kamen weiße Blätter bei Demos als Protest-Symbol gegen den Ukraine-Krieg zum Einsatz.

Wie Demonstrierende die Zensur im Netz umgehen

Auch im Internet greift das chinesische Regime hart durch. Videos, Bilder und Info-Beiträge von den Aufständen verschwinden so schnell wieder aus dem chinesischen Netz wie sie auftauchen. Der Hashtag #whitepaperexercise wurde auf dem chinesischen Twitter-Pendant Weibo direkt blockiert.

Auch hier werden die User:innen kreativ, um die Zensur auszutricksen. Sie posten möglichst unverfängliche und scheinbar kontextlose Wörter wie zum Beispiel "Gut".  Wer versteht, was gemeint ist, zieht mit. Damit wächst der stille Protest im Netz.

Schon seit Jahren betreiben chinesische Aktivist:innen ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Zensur-Behörden. Sie nutzten beispielsweise als Protest gegen die Corona-Maßnahmen das chinesische Schriftzeichen für "Einölen". Denn das Zeichen wird in der Übersetzung genau wir das englische Wort "run" geschrieben. Gemeint war damit: Vor den Corona-Regeln sollte man am besten davonlaufen.

Auch mit Zahlen tricksen die Chines:innen das System. Der "35. Mai" steht symbolkräftig als Anspielung auf das Tiananmen-Massaker 1989, eine Demokratie-Bewegung, die vom chinesischen Militär gewaltsam niedergeschlagen wurde. Als die Zensur-Behörden auf den Trick aufmerksam wurden, wurde die Schreibweise einfach in römische Ziffern umgestellt.

Was können die Proteste bewirken?

  • 🇨🇳

    Die Ausschreitungen richten sich nicht nur gegen die Null-Covid-Politik, sondern gegen das komplette kommunistische Regime in China.

  • 🙅‍♂️

    Auch Forderungen nach einer Absetzung des umstrittenen Regierungschefs Xi Jingping werden lauter.

  • Welche weitreichenden Auswirkungen die Proteste letztendlich haben werden, ist aktuell noch spekulativ. Dennoch haben erste Behörden leichte Lockerungen bei den Corona-Maßnahmen angekündigt.

  • Laut der Nachrichtenagentur AP kündigte beispielweise Pekings Stadtverwaltung an, den Zugang zu Wohnanlagen nicht weiter blockieren zu wollen. In der Handelsmetropole Guangzhou sollen außerdem nicht mehr alle Einwohner:innen zu Massentests verpflichtet werden.

Veröffentlicht: 28.11.2022 / Autor: Nicole Lemberg