Menschen über 50 Jahren hören überall auf der Welt dieses mysteriöse Geräusch
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Menschen über 50 Jahren hören überall auf der Welt dieses mysteriöse Geräusch

vor 2 Monaten

Ein merkwürdiger Ton, der weltweit Menschen das Leben zur Hölle macht – und keiner kennt die genaue Ursache. Überall auf der Welt hören tausende Menschen das tiefe Brummen bereits seit mehreren Jahren. Das Besondere: Anscheinend können nur Personen das Geräusch wahrnehmen, die mindestens 50 Jahre alt sind und ein extrem gutes Gehör haben.

Es soll sich anhören wie ein alter, kaputter Kühlschrank oder ein mit Standgas laufender Lkw-Dieselmotor, nur etwas dumpfer. Das Brummton-Phänomen, auch „The Hum“ genannt, ist auf der ganzen Welt bekannt. Allein in Deutschland leiden Tausende unter dem Geräusch.

Der erste Ton dieser Art wurde im Jahr 1950 in England gehört. Seitdem hat sich das Phänomen auf der ganzen Welt ausgebreitet. Mittlerweile sind 4.000 Orte bekannt, an denen der Ton schon wahrgenommen wurde – Experten sprechen von fünf bis zehn Prozent der Weltbevölkerung. Die eine Hälfte von ihnen nimmt ihn dauernd war, die andere Hälfte nur zeitweise.

Für die Betroffenen wurde eine Info-Seite und eine Facebook-Gruppe eingerichtet, an die sie sich wenden können. Es gibt sogar einen Verein zur Erforschung und Verhinderung des Brummtons.

Auch der amerikanische Forscher der University of British Columbia, Dr. Glen Macpherson, hört den Ton seit 2012 ununterbrochen. Um das Thema wissenschaftlich zu dokumentieren, entwickelte er das World Hum Database and Mapping Project. Hier können alle, die den Ton hören, zur Informationssammlung über das Geräusch beitragen.

Immer wieder haben Betroffene ihre Brummton-Wahrnehmungen mit speziellen Tongeräten nachgestellt. Das hat gezeigt, dass jeder den Ton unterschiedlich wahrnimmt. Fast alle gaben an, dass sie den Ton meistens nachts hören. Für viele Betroffene ist das Ganze ziemlich quälend, denn sie sind – zumindest zu Beginn – davon überzeugt, dass jemand oder etwas von außen in ihre Privatsphäre eindringt.

Wenn ihr wissen wollt, wie sich der Ton für manche Menschen anhört, schaut mal in dieses Video rein. Hier hat jemand den Ton mit einem Gerät nachgestellt, um zu zeigen, was er rund um die Uhr aushalten muss:

Was sagen Wissenschaftler und Ärzte dazu?

Auch Experten können das mysteriöse, tiefe Dröhnen nicht so richtig einordnen. Es gibt zwar unterschiedlichste Vermutungen – zum Beispiel ein durch Ozeanwellen verursachtes Summen der Erde oder Hochspannungs-Freileitungen an Tagen mit hoher Luftfeuchtigkeit – aber keine wirklich aussagekräftige Erklärung für den Brummton.

Die Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (LfU) hat die physikalische Nachweisbarkeit der Töne bestätigt. Laut der LfU sind die Töne also keineswegs eine Einbildung von Verrückten:

„Die Leute haben etwas gehört – und es wurde gemessen.“

Das Umweltbundesamt (UBA) glaubt, dass wir es hier mit „tieffrequenten Schallwellen“ zu tun haben. Kurz zur Erklärung: Schallwellen sind winzige Schwingungen in der Luft. Die Anzahl der Schwingungen pro Sekunde heißt Frequenz. Diese Frequenz wird in der Einheit Hertz (Hz) gemessen.

Unser Ohr kann Schall mit Frequenzen zwischen ungefähr 15 Hertz und 20.000 Hertz wahrnehmen. Niedrige Frequenzen entsprechen tiefen Tönen und hohe Frequenzen hohen Tönen.

Wir sprechen von tieffrequentem Schall, wenn der Frequenzbereich unter 90 Hz liegt. Je niedriger die Frequenz, desto länger sind die Schallwellen und desto tiefer der Ton. Ganz tiefe Töne haben also ganz lange Schallwellen. Diese tiefen Töne können sich über große Entfernungen kilometerweit ausbreiten und sogar meterdicke Betonwände durchdringen. Tieffrequente Töne sind so tief, dass sie für das menschliche Gehör eigentlich nicht wahrnehmbar sind – es sei denn, man hat extrem sensible Ohren. Und das scheint bei den Brummton-Betroffenen der Fall zu sein. Eine Untersuchung der LfU bescheinigt ihnen ein überdurchschnittlich gutes Gehör.

Je nachdem, wo man wohnt, können tieffrequente Töne besonders dann wahrgenommen werden, wenn andere Geräuschbelastungen niedrig sind, weil sie dann mehr auffallen. Die Ursache für solche tieffrequenten Schallwellen können zum Beispiel Industrieanlagen, Strommasten, große Belüftungsanlagen, Vakuumpumpen oder lange Autobahnbrücken sein.

Bei vielen Betroffenen verliert der wahrgenommene Ton nach einigen Jahren an Bedeutung und wird nebensächlich. Andere leiden täglich darunter.

Letztes Jahr haben auch viele Menschen in München, Hamburg und Köln merkwürdige Geräusche gehört. Dahinter steckten wir, die euch zeigen wollten, wie schnell eine Verschwörungstheorie entstehen kann:

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