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Handfläche oder Chip-Implantat: So zahlen wir in Zukunft

Bargeld - was war das noch mal? Heute ist das Handy unser elektronischer Geldbeutel. Und bald zahlst du deinen Kaffee per Iris-Scan oder Handfläche, einem Ring am Finger oder deiner Jacke. Wie das geht, erklären wir dir hier.
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Das Wichtigste zum Thema Bezahlsysteme der Zukunft

  • Cash, Baby - obwohl man schon vielerorts mit dem Smartphone bezahlen kann, setzen die Deutschen beim Bezahlen noch immer am liebsten auf Bargeld.

  • Andere Länder haben Bares schon beinahe abgeschafft - und zahlen fast nur noch übers Smartphone. In China bezahlt man sogar Straßenmusiker per App.

  • Mach mal buchstäblich die Augen auf: Was die großen Tech-Konzerne mit Iris-Scans und Mikrochip-Implantaten zum Bezahlen alles vorhaben, erfährst du hier.

Kontaktlos mit dem Handy zahlen, so geht’s:

© Getty Images

 

Genau wie bei kontaktlosen Geldkarten überträgt NFC-Technik (Near Field Communication) die Zahlungs-Daten von einem Gerät (Smartphone) aufs andere (Kartenlesegerät). Dem ist nämlich schnuppe, ob du eine Geldkarte oder ein Smartphone über den Sensor hältst.

Aber: Dein Handy muss eine NFC-Schnittstelle haben, und der Abstand zwischen den Geräten sollte nicht größer als 20 Zentimeter sein.

Die großen Tech- und Social Media-Giganten konkurrieren mit verschiedenen Bezahl-Apps auf dem Markt:

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    Apple-Pay, Google-Pay: In Deutschland wird der Bezahl-Service der Megakonzerne schon fleißig genutzt - unter anderem in Supermärkten (Aldi, Rewe und Co.), aber auch bei IKEA, Tankstellen und Modegeschäften.

  • 📱

    Facebook-Pay, Whatsapp-Pay, Instagram-Pay: In den USA kann man schon über Facebook-Pay zahlen - und bald wohl auch bei uns. In Brasilien können Anwender auch schon über WhatsApp Geld senden oder bei lokalen Shops damit bezahlen, ohne ihren Chat verlassen zu müssen. Andere Länder sollen bald folgen. Wie genau das Feature funktionieren soll, erfährst du hier. Übrigens: In Zukunft sollen identische Kartendaten in der gesamten App-Familie von Facebook verwendet werden, also vielleicht auch auf Instagram.

  • 💰

    Amazon Go: Alles rein in die Tasche und raus aus dem Shopping-Paradies. Klingt wie ein Raubüberfall? Ist aber Amazon Go. Dein Smartphone registriert den Einkauf und bucht ihn vom Konto ab. In den USA und Großbritannien gibt es schon einige dieser kassenlosen Märkte ("Future Stores"). Nun denkt Amazon darüber nach, ihn auch nach Deutschland zu bringen.

  • 👀

    Alipay: Die Bezahl-App der Alibaba Group ist in China auf dem Vormarsch. PIN, Fingerabdruck? Das war gestern. An der Kasse bitte einmal konzentriert in die Selfie-Cam blicken - schon scannt Alipay die Adern deiner Iris - und alles ist beglichen.

  • 💬

    WeChat Pay: ebenfalls sehr groß in China. Und das nicht nur als Bezahlmethode, sondern als "Super App" für den Alltag - mit vielen Service- und Zusatzleistungen wie Chat-Funktion, sozialem Netzwerk oder Dating-Plattform. In Deutschland kann man auch schon mit den chinesischen Apps bezahlen - zum Beispiel bei Rossmann oder dm.

Ist dein iPhone bald ein Kartenlese-Gerät?

In Zukunft sollst du über NFC auch Geld empfangen können - zumindest mit dem iPhone. Möglich machen soll das eine neue Technologie des kanadischen StartUps Mobeewave, das Apple nun Insidern zufolge für 100 Millionen Dollar aufgekauft haben soll.

So soll's funktionieren

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    Nutzer laden sich die Mobeewave-App herunter.

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    Dann brauchen sie lediglich den zu zahlenden Betrag eingeben und ihre EC- oder Kreditkarte hinten an das iPhone zu halten.

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    Per NFC kann die App die EC- oder Kreditkarte auslesen - andere Hardware ist nicht nötig.

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    Noch ist das Feature nicht verfügbar - vorher müssen noch Sicherheitsfragen geklärt werden. Interessant wird es vor allem für Gastronomie und Einzelhandel sein. Aber auch im Privaten könnte es nützlich sein: Die Ausrede "Ich hab' leider nix kein Bares" dabei, funktioniert dann nicht mehr!

Bezahlen mit der Handfläche

Der Online-Riese Amazon startet ein neues Verfahren zum kontaktlosen Bezahlen - mit der Handfläche. Kunden halten dafür einfach ihre Hand über einen Scanner. Dieser liest die Handinnenfläche ab und identifiziert sie - ähnlich wie beim Fingerabdruck.

Amazon startet eine neue Technologie, die die Handfläche als Identifikationsmerkmal nutzt.


Amazon startet eine neue Technologie, die die Handfläche als Identifikationsmerkmal nutzt.
© Amazon/AP/dpa

Wie sicher ist das Bezahlen per Handfläche?

Die Handfläche biete laut Amazon gegenüber etwa der bereits etablierten Gesichtserkennung einen wichtigen Datenschutz-Vorteil: Niemand kann eine Person einfach an ihrer Handfläche erkennen - am Gesicht aber schon. Und: "Keine 2 Handinnenflächen sind gleich", erklärt Amazon-Vizepräsident Dili Kumar.

Wer den neuen Dienst künftig nutzen will, müsse nicht einmal ein Amazon-Konto besitzen. Aber: Die Telefonnummer und eine Kreditkarte müssen zur Registrierung angegeben werden.

Zunächst kommt die Technologie in Amazon-Go-Lebensmittelgeschäften in Seattle/USA zum Einsatz. In Zukunft will der Konzern sie aber auch an andere Unternehmen verkaufen - zum Beispiel als Zugangskontrolle für Stadien oder Büros. Es gibt wohl schon mehrere Interessenten ...

"Face to Pay": Bezahlen via Selfie

Noch nicht abgefahren genug? Dann trag deinen Geldbeutel doch als smartes Wearable am oder IM Körper

Bezahlen in Zukunft: Hier per Wearable.

  • Smartwatches: Wer laufen geht, muss nicht unbedingt Geld dabei haben, um im Anschluss eine Flasche Wasser zu kaufen - nicht einmal das Handy. Über die Payment-Dienste Google Pay, Apple Pay, Samsung Pay, Garmin Pay und Fitbit Pay ist das schon möglich.

  • 🧥

    Smarte Kleidung: Das Geld einfach aus dem Ärmel schütteln? In Großbritannien ist das schon möglich. Die britische Modefirma Lyle & Scott hat gemeinsam mit der Barclays Bank eine Jacke vorgestellt, die sich auch zum kontaktlosen Bezahlen nutzen lässt. Das Prinzip: Im rechten Ärmelaufschlag ist ein Chip für NFC-Zahlungen integriert.

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    Chip-Implantate: Diese Bezahlmethode geht unter die Haut. Schon jetzt bietet die deutsche Firma "I am Robot" Chip-Implantate zum Bezahlen an. Mehr noch: Du kriegst magische Hände. Plötzlich gehen die Türen deines Smart Home oder Autos auf, und durch eine einfache Berührung speicherst du deine Kontaktdaten im Smartphone eines Freundes.

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    Pay Ring: Die ersten Pay-Ringe sind schon auf dem Markt. Das Aufladen erfolgt - natürlich - online. Bald könnten die Ringe gleichzeitig der elektronische Schlüssel zum Smart Home und Auto sein.

Bereits bei den Olympischen Spielen vor 4 Jahren durften die Athleten einen Pay-Ring von Visa ausprobieren. Einmal in die Nähe des Lesegeräts halten - fertig!

R2-D2 wäre stolz, aber wie sicher ist das Bezahlen der Zukunft?

Laut den großen Anbietern ist Bezahlen über smarte Technik sehr sicher. Dank der Prüfung durch PIN-Abfrage, Finger-, Gesichts- oder Augen-Scan können Unberechtigte bei Diebstahl oder Verlust deines Smartphones nicht damit bezahlen. Manche Anbieter wie Google Pay tätigen Zahlungen zwar ohne Verifizierung – aber nur bis 25 Euro.

Anders sieht es mit den Daten aus. Die werden von den meisten mobilen Bezahldiensten getrackt. Welche Milch kaufst du wann und wo? Google, WeChat und Co. wissen es. Fazit: Die neuen Bezahlmethoden sind sicher, aber auch hungrig auf deine Daten.

Und: Studien zufolge verlierst du leichter den Überblick, wenn du online bezahlst. Dadurch gibst du meistens mehr aus als mit Cash.

Stirbt das Bargeld jetzt aus?

Vorerst nicht, zumindest nicht bei uns. Bisher zahlen nur die wenigsten Deutschen mit dem Smartphone. Bis sich die Technik im Tante-Emma-Laden und bei allen Nutzern durchsetzt, dauert es. Solange kannst du weiter mit dem Kleingeld klimpern - und bist dabei vielleicht sogar schneller als mit dem Smartphone.

Fun Fact: Cash geht schneller als Karte oder Smartphone

Die neue Technik müsste den Bezahlvorgang an der Kasse doch beschleunigen, oder? Tut sie aber gar nicht, zeigen Tests der Deutschen Bundesbank und des Handelsinstituts EHI: Eine Barzahlung dauert rund 22 Sekunden, eine Kartenzahlung 29 Sekunden - oder sogar 38 Sekunden, wenn noch eine Unterschrift dazu kommt.

Veröffentlicht: 30.09.2020 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau