Chemtrails Kondensstreifen

Chemtrails-Verschwörung: Sind Kondensstreifen am Himmel gefährlich?

Flugzeuge hinterlassen oft Kondensstreifen am Himmel. Sind die wirklich harmlos oder ein perfider Plan, die Menschen mit sogenannten Chemtrails zu vergiften? Letzteres ist nur eine Verschwörungstheorie, aber die künstlichen Wolken sind tatsächlich schädlich: Sie tragen zur Klimaerwärmung bei.
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Das Wichtigste zum Thema Chemtrails

  • Kondensstreifen heißen die weißen Streifen, die manchmal hinter Flugzeugen am Himmel erkennbar sind.

  • Sie setzen sich vor allem aus gefrorenem Wasserdampf und Aerosolen wie Ruß zusammen. Kondensstreifen entstehen nur in einer bestimmten Höhe - zwischen 8.000 und 12.000 Metern.

  • Manche sprechen bei dem Phänomen auch von Chemtrails. Der Glaube daran gehört zu den am meisten verbreiteten Verschwörungstheorien.

  • Die Anhänger*innen sind überzeugt, dass Flugzeuge gezielt Chemikalien versprühen, um Menschen auf der Erde zu manipulieren. Beweise dafür gibt es nicht.

  • Der Name Chemtrail setzt sich aus den englischen Begriffen chemicals für Chemikalien und contrails für Kondensstreifen zusammen.

  • Kondensstreifen sind zwar für Menschen weitgehend ungefährlich - aber nicht für die Umwelt. Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass die Streifen zum Treibhauseffekt beitragen, also zur Klimaerwärmung.

So entstehen Kondensstreifen

Kondensstreifen sind künstliche Wolken, die in der Regel lang und dünn sind. Meteorologen nennen sie menschengemachte Zirruswolken oder Zirren.

Kondensstreifen erscheinen meist in der oberen Troposphäre. Diese untere Schicht der Erdatmosphäre befindet sich in 8 bis 15 Kilometern Höhe. Zum Vergleich: Der höchste Berg der Erde, der Mount Everest, ist 8.848 Meter hoch.

Flugzeuge werden mit Kerosin betrieben. Verbrennt dieser Kraftstoff, bleiben vor allem Wasserdampf und Kohlendioxid (CO2) zurück, aber auch Aerosole wie Ruß. Die Wasserteilchen lagern sich an den Rußpartikeln an und verwandeln sich in Tröpfchen.

Treffen sie auf die kalte Luft der Umgebung, entstehen Eiskristalle. Es muss aber sehr kalt sein, damit das passiert. In der Reiseflughöhe von Langstreckenjets kann die Außentemperatur bei minus 40 bis minus 50 Grad Celsius liegen.

In trockener Luft lösen sich Kondensstreifen schnell wieder auf. Ist die Umgebung aber relativ feucht, können die künstlichen Wolken wachsen und mehrere Stunden bestehen bleiben.

Die Schichten der Erdatmosphäre und die Flughöhe von Fliegern

Was die Chemtrails-Verschwörungstheorie behauptet

  • Die Anhänger*innen der Chemtrails-Verschwörungstheorie glauben, dass Flugzeuge gezielt schädliche Chemikalien versprühen, um Menschen zu schaden.

  • Die Flieger haben angeblich auf der Unterseite Klappen, hinter denen sich geheime Sprühvorrichtungen verbergen.

  • 💻

    Der Ursprung der Theorie ist unklar. Sie existiert seit ungefähr Mitte der 90er-Jahre im Internet und hält sich hartnäckig, obwohl es keinerlei Beweise gibt.

  • 🤒

    Hinter Chemtrails soll angeblich „die Elite“ stecken. Ihr Ziel laut Verschwörungstheorie: die Bürger*innen krank machen oder kontrollieren.

  • 🌡

    Manche glauben, dass mit Chemtrails bereits das Klima verändert wird. Der UNO-Weltklimarat IPCC soll dafür ein geheimes Projekt namens „Shield“ ins Leben gerufen haben.

  • Bestätigt fühlen sich Verschwörungsgläubige, weil Kondensstreifen auch am wolkenlosen Himmel erscheinen, sich oft lange halten, nur bei manchen Flugzeugen entstehen und häufiger zu sehen sind als früher.

  • 🛡

    Manche Chemtrails-Anhänger*innen wollen sich mit Kupferrohren schützen, die angeblich Schadstoffe in den Boden ableiten können - oder mit einem Aluhut.

  • 🦲

    Die Chemtrail-Theorie klingt harmlos, ist es aber oft nicht. Einige Anhänger*innen haben Verbindungen zum Rechtsextremismus, wie die Bundeszentrale für politische Bildung berichtet.

Chemtrails: Was sie angeblich bewirken

Wetter auf Bestellung, ein Sonnenschutzschild für die Erde und Überflutungen auf Knopfdruck. Verschwörungstheorie oder doch nur Sience-Fiction?

Wie Wissenschaftler*innen den Chemtrails-Glaube widerlegen

  • Es gibt eine einfache Erklärung dafür, warum sich Kondensstreifen auch am ansonsten wolkenlosen Himmel bilden: Die Luft muss für ihre Entstehung weniger mit Feuchtigkeit gesättigt sein als bei natürlichen Wolken.
  • In dieser Höhe bilden sich natürliche Zirruswolken bei einer Übersättigung von 40 Prozent. Für Kondensstreifen genügen 20 Prozent.
  • Die künstlichen Wolken entstehen nur bei manchen Flugzeugen, weil moderne Maschinen kühlere Abgase ausstoßen als ältere. Deren Wassergehalt ist höher, deshalb bilden diese mit größerer Wahrscheinlichkeit Eiskristalle.
  • Flugzeuge fliegen heute außerdem höher und stoßen mehr Wasserdampf aus. Deshalb halten sich die Streifen oft länger.
  • Es gibt heute mehr Kondensstreifen als früher, weil der Flugverkehr deutlich zugenommen hat. 1980 gab es laut der Weltbank 642 Millionen Flugpassagiere weltweit. 2019, also vor Corona, waren es 4,5 Milliarden – und damit auch viel mehr Flugzeuge und Luftverkehr.
  • Das Bundesumweltamt, der Deutsche Wetterdienst und andere Experten sind sich deshalb einig: Chemtrails existieren nicht, nur Kondensstreifen.

Wieso bilden Kondensstreifen Kreise und andere merkwürdige Formen?

Beeinflussen Kondensstreifen das Klima?

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    Kondensstreifen tragen zum Treibhauseffekt bei: Sie verhindern, dass Wärme von der Erde ins Weltall abstrahlen kann. Die Folge: Die Erdoberfläche erwärmt sich.

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    Sie heizen die Erde sogar stärker auf als das CO2, das Flugzeuge freisetzen. Das haben Wissenschaftlerinnen des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) herausgefunden.

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    Zwar stimmt es nicht, dass Chemtrails das Klima künstlich beeinflussen. Manche Forscher*innen wollen das aber versuchen. Bisher gibt es dazu allerdings nur Computersimulationen.

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    Mithilfe von Geo-Engineering wollen diese Forscher*innen die Klimaerwärmung abmildern oder die CO2-Konzentration in der Atmosphäre verringern.

  • „Solar Radiation Management“ (SRM) könnte die Menge der Sonnenstrahlen begrenzen, die auf die Erdoberfläche treffen. Dazu wollen Forscher*innen Schwefeldioxid in die Stratosphäre schleudern, das sich in Sulfat-Aerosole verwandelt. Diese reflektieren anschließend die Strahlen.

  • Viele Wissenschaftler*innen warnen aber vor den unvorhersehbaren Folgen, die Geo-Engineering haben könnte, etwa auf das Wetter. Es wäre denkbar, dass Dürren oder Überflutungen gehäuft auftreten.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Chemtrails?

  • ⁉️

    Wie entstehen Kondensstreifen?

    Kondensstreifen sind **künstliche Wolken** aus Eiskristallen, die meist in der Troposphäre entstehen. Sie bilden sich, wenn die heißen und wasserdampfhaltigen Abgaspartikel aus dem Flugzeug auf sehr kalte Luft in der Umgebung treffen.

  • ⁉️

    Chemtrail-Verschwörung: Werden wir manipuliert?

    Anhänger*innen der Chemtrail-Verschwörungstheorie glauben, dass Kondensstreifen in Wahrheit **aus Chemikalien** bestehen. Angeblich versprühen die "Eliten" diese, um Menschen zu manipulieren, krankzumachen oder um das Klima zu verändern. **Beweise** gibt es dafür nicht.

Veröffentlicht: 19.05.2021 / Autor: Claudia Frickel