Galileo WM CopyCreated with Sketch.
  1. Galileo WM CopyCreated with Sketch.Galileo
  2. Life
Streik bei der Deutschen Bahn

Schon wieder Bahn-Streik? Das sind die Hintergründe

Viele Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) stellen aufgrund von Tarifverhandlungen erneut die Arbeit ein. Was sind die Hintergründe zum aktuellen Bahn-Streik? Was können Betroffene tun? Wer eigentlich streiken darf, klären wir im Clip.
12

Das Wichtigste zum Thema Streiks

  • Ein Streik ist als organisierte, gemeinsame und vorübergehende Arbeitsniederlegung mehrerer Arbeitnehmer:innen bestimmt. Durch das Druckmittel soll ein konkretes Ziel wie eine Lohnerhöhung erreicht werden.

  • Ab Donnerstag, 2. September, um 2 Uhr nachts streiken die Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) erneut. Es ist der dritte Streik in kurzer Zeit - und der bislang längste. 5 Tage soll der Personenverkehr bestreikt werden.

  • Für Passagiere bedeutet das viele Zugausfälle und Änderungen im Reiseplan.

  • Die kleinere GDL und die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) konkurrieren teilweise um Einfluss. Kritiker:innen werfen der GDL vor, mit den aktuellen Streiks auch für mehr Mitglieder - und damit mehr Bedeutung - zu werben.

GDL fordert bessere Arbeitsbedingungen

Kurz gesagt geht es der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) um mehr Geld für die Bahn-Beschäftigten. Sie erwarten eine Lohnerhöhung von 1,4 Prozent in diesem Jahr und 1,8 Prozent Anfang 2022 sowie eine Corona-Prämie in Höhe von 600 Euro.

Die Deutsche Bahn (DB) als Arbeitgeber will das Gehalt der Arbeitnehmer:innen zwar grundsätzlich steigern. Allerdings erstreckt sich ihr Angebot über einen längeren Zeitraum - was letztlich ein geringeres Plus bedeutet: aktuell eine Nullrunde, ab Januar 2022 winken 1,5 Prozent mehr Gehalt und ab März 2023 weitere 1,7 Prozent. Zudem bot das Unternehmen an, über eine Corona-Prämie zu verhandeln.

Auch ein neues Vertragsangebot am Abend zuvor hält die GDL für nicht akzeptabel. Daher soll ein Großteil der Züge im Personenverkehr von Donnerstagfrüh (2. September), 2:00 Uhr, bis Dienstagfrüh (7. September) stillstehen. Im August wurde bereits zweimal gestreikt. Dieser Streik ist mit 5 Tagen aber nicht nur länger, er umfasst auch ein Wochenende.

Für die Deutsche Bahn - und ihre Reisenden - kommt die Streik-Welle zur Unzeit: Die Folgen der Corona-Pandemie und der Wiederaufbau nach dem Hochwasser im Westen Deutschlands belasten das Unternehmen finanziell stark wie nie. Zudem freuten sich viele Menschen nach Monaten des Verzichts zuletzt wieder über die Möglichkeit, mehr zu reisen.

Claus Weselsky


GDL-Chef Claus Weselsky hält dagegen: Für Streik gebe es nie einen passenden Zeitpunkt.
© picture alliance/dpa | Wolfgang Kumm

Was Bahn-Fahrende wissen müssen

  • Wie die Bahn mitteilte, fallen rund Dreiviertel aller Fernzüge aus. Im Regionalverkehr sind die Einschränkungen teils besonders massiv.

  • 📑

    Die Deutsche Bahn hat einen Ersatzfahrplan entwickelt. Eine reibungslose Reise ist aber nicht garantiert. Daher sollen Passagiere alle nicht notwendigen Fahrten nach Möglichkeit verschieben.

  • 🚄

    Hast du für die Streik-Tage gebuchte Tickets, kannst du sie bis zum 4. September flexibel nutzen oder kostenlos stornieren. Für Spar-Tickets etwa entfällt die Zugbindung.

  • 📞

    Für Fragen während des Streiks hat die Bahn eine Sonder-Hotline eingerichtet: 08000/996633.

  • 💸

    Zusätzlich gelten die allgemeinen Fahrgastrechte: Zum Beispiel hast du bei Zugverspätungen ab 60 Minuten einen Anspruch auf Entschädigungen.

Wie du bei Verspätungen dein Geld zurückbekommst

Wie du bei Verspätungen dein Geld zurückbekommst

Bei deutlichen Zugverspätungen zahlt die Deutsche Bahn ihren Passagieren Geld zurück. Wie funktioniert das?

Machtkampf zwischen GDL und EVG?

Insgesamt setzen sich 2 Gewerkschaften für die Belange der Mitarbeiter:innen der Bahn ein: die kleinere Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mit ungefähr 37.000 Mitgliedern sowie die wesentlich größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) mit rund 184.000 Mitgliedern.

Bislang kümmert sich die GDL hauptsächlich um Tarifverträge für Lokführer:innen, Zugbegleiter:innen und Bordgastronomen. Die EVG verhandelt für alle anderen Beschäftigten, aber auch für Lokführer:innen.

Das will die GDL künftig ändern und auch Tarifverträge für Mitarbeitende abschließen, für die bisher die EVG zuständig war. Hintergrund dieses Vorgehens ist ein Kampf um Einfluss.

Eine wichtige Rolle dabei spielt das Tarifeinheitsgesetz. Das beinhaltet, dass in einem Unternehmen mit mehreren Gewerkschaften der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern im Betrieb gilt. Da in den meisten DB-Einzelbetrieben mehr EVG- als GDL-Mitglieder angestellt sind, droht die GDL an Bedeutung zu verlieren.

Fachleute sehen hinter den aktuellen Bahn-Streiks daher auch eine machtpolitische Strategie: Mit einem besseren Verhandlungsergebnis versuche die GDL, ihre Position gegenüber der konkurrierenden EVG zu stärken.

Kritiker:innen mahnen, Gewerkschaften wie die GDL und EVG müssten für eine bestmögliche Vertretung der Arbeitnehmer:innen gemeinschaftlich und nicht gegeneinander handeln.

Was ist eine Gewerkschaft?

Gewerkschaften gelten als staats-, partei- und gegnerunabhängige Vereinigungen aus freiwilligen Mitgliedern, die sich für die Interessen von Arbeitnehmer:innen einsetzen.

Ein wichtiger Tag im Jahr für Gewerkschaften ist der 1. Mai - der Tag der Arbeit.

Die Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) als größte Gewerkschaft Deutschlands stellt in einem Video ihre Sichtweise von einer Gewerkschaft dar.

Externer Inhalt

Dieses Element stammt von externen Anbietern wie Facebook, Instagram und Youtube.

Um diese Inhalte anzuzeigen, aktiviere bitte Personalisierte Anzeigen und Inhalte sowie Anbieter außerhalb des CMP Standards in den

Dürfen alle Beschäftigten streiken?

Rechtlich betrachtet kann ein Streik nur von einer Gewerkschaft ausgerufen oder fortgeführt werden. Andernfalls sprechen Fachleute von einem "wilden Streik".

Außerdem braucht ein rechtmäßiger Streik einen Tarifpartner (Arbeitgeber:innen), gegen den dieser gerichtet ist, sowie ein konkretes Ziel (Lohnerhöhung, mehr Urlaubsanspruch).

Vor einem Streik muss eine Gewerkschaft alle anderen Maßnahmen zur Problemlösung verhandelt haben.

Weitere Fragen zum Streikrecht erklärt Professorin Lena Rudkowski in einem Interview mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).

Externer Inhalt

Dieses Element stammt von externen Anbietern wie Facebook, Instagram und Youtube.

Um diese Inhalte anzuzeigen, aktiviere bitte Personalisierte Anzeigen und Inhalte sowie Anbieter außerhalb des CMP Standards in den

Veröffentlicht: 02.09.2021 / Autor: Alexander Duebbert