Warum ein von der NASA bezahltes Forscherteam in den 1960er Jahren Delfinen LSD gab
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Warum ein von der NASA bezahltes Forscherteam in den 1960er Jahren Delfinen LSD gab

vor 3 Monaten

In der Vergangenheit gab es kuriose Experimente. Verrückte Experimente. Die sogar finanziert wurden. Ein Beispiel: Wissenschaftler in den 1960er Jahren verabreichten Delfinen LSD, um ihnen die englische Sprache beizubringen.

Um das Ergebnis schon mal vorweg zu nehmen: Nein, Delfine können nicht mit uns reden. Auch nicht, wenn sie LSD bekommen. Die Geschichte und wie sie sich entwickelt hat, ist trotzdem ziemlich kurios, interessant und wurde später zum Skandal. Deshalb wollen wir sie euch vorstellen.

Wie fing alles an? Der Neurophysiologe John C. Lilly war schon immer davon überzeugt, dass Delfine nicht nur klug seien, sondern auch lernen könnten. Und dazu imstande wären, Sprachen zu erlernen. Diese Theorie schrieb er 1961 in seinem Buch Man and Dolphin nieder. Der Erfolg des Buchs rief Astronomen der NASA auf den Plan, die seine Ideen nutzen wollten, um mit Aliens Kontakt aufzunehmen – über Radiosignale. Also wurde Lilly zur ersten SETI-Konferenz eingeladen, gemeinsam mit berühmten Astrophysikern wie Frank Drake oder Carl Sagan.

The Order of the Dolphin

Die außergewöhnliche Gruppe nannte sich The Order of the Dolphin, die NASA unterstützte sie 1963 finanziell. Damit konnte sie sich auf einer Karibikinsel mit ihrem Vorhaben, „Delfinisch“ zu lernen, niederlassen.

Und wie stellt man sich so eine Forschungsbehausung in der Karibik vor? Nun, das Gebäude war halb geflutet, denn unter dem gleichen Dach lebten die drei Delfine Peter, Pamela und Sissy (die drei hatten übrigens bei Flipper mitgespielt). Eigentlich wollte Lilly die neuronalen Aktivitäten der Delfine mit einer Art Chip im Gehirn überprüfen, aber das Narkosemittel sorgte dafür, dass die Delfine aufhörten zu atmen. Also wurde dieser Plan verworfen.

Was Neues musste her. LSD breitete sich gerade auf dem Markt aus. Eine neue Droge, mit der viele experimentierten. Lilly war einer der wenigen Neurophysiologen, die die Lizenz hatten, mit LSD zu hantieren. Also gab er den Delfinen was. Könnte ja interessant sein, wie sich das auf ihre Wahrnehmung und Kommunikation auswirkt. Seiner Einschätzung nach hatte das einen positiven Effekt auf die „Vokalisierung“ der Delfine. Jetzt könne man ihnen das Sprechen beibringen.

Das Projekt ging aber nicht so richtig vorwärts. Die Forschungsgelder wurden knapp und es legte keiner nach. Also beschränkte sich Lilly auf non-verbale Kommunikation. Er meint, er und sein Team hätten sie zusammen mit den Delfinen entwickelt. Sie würden ihnen mitteilen, wenn sie sie im Pool haben wollten oder außerhalb. Das würden die Tiere mit Gesten wie Anstupsen oder Streicheln verdeutlichen.

Diese körperliche Sprache nahm Überhand, als dass die Delfine so darauf ansprangen, dass sich einer von ihnen, Peter, in eine Forscherin „verliebte“ – wohl eher auf sexueller Basis. Margaret Lovatt kam dem Verlangen mit gelegentlicher manueller Stimulation nach. Ja, es muss eine eigenartige Zeit gewesen sein.

Lovatt und Peter lebten 24 Stunden am Tag zusammen. Sie baute das Haus um, so dass jeder Boden mit Wasser bedeckt war. Und eigentlich wollte sie ihm doch nur die englische Sprache beibringen. Hier erzählt sie von ihrer „Kommunikation“ mit Peter:

All diese kuriosen Experimente hatten zur Folge, dass in der Zukunft lange Zeit keiner mehr finanziell Studien mit oder an Delfinen unterstützen wollte. Zu groß war der Skandal damals. Lovatt ging als das Mädchen, das Sex mit einem Delfin hatte, durch die Presse. Christopher Riley hat 2014 sogar einen Dokumentarfilm aus der Geschichte gemacht:

Mittlerweile geht man wieder davon aus, dass Delfine durchaus in der Lage sind, sprechen lernen zu können – rein von der Physis her. Zumindest würden sie sich untereinander unterhalten. Forscher sind dabei, das zu entschlüsseln. Sicher ist, dass Delfine eine Art Namen haben; einen signature whistle. Ob es Struktur oder Grammatik gibt, sei ungewiss.

Heutzutage versetzen sich Delfine sogar freiwillig in einen Rauschzustand – und das auf ganz natürliche Weise. Wir zeigen euch, wie und warum sie das machen:

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