Bakterien verschlingen gerade das komplette Wrack der Titanic
Wikipedia / F.G.O. Stuart

Bakterien verschlingen gerade das komplette Wrack der Titanic

vor 3 Monaten

Wir kennen sie alle: die Tragödie des Titanic-Untergangs. Kaum ein Schiffsunglück ging so in die Geschichte ein wie die Kollision des Luxusdampfers mit einem Eisberg auf dem Weg von England nach New York im Jahr 1912. Seitdem liegt das riesige Wrack auf dem Meeresgrund – noch. Denn schon bald wird davon wahrscheinlich nicht mehr viel übrig sein.

In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 passierte es: Die RMS Titanic, zu ihrer Zeit das größte Schiff der Welt, sank zwei Stunden und vierzig Minuten nach ihrer Kollision mit einem Eisberg auf den Meeresgrund. Wobei der Eisberg nicht der alleinige Grund für den Untergang gewesen sein soll, wie wir bereits berichtet haben.

Die Titanic-Tragödie kostete rund 1.500 Menschen das Leben – circa 700 Leute überlebten. Seit diesem tragischen Vorfall sind jetzt mehr als 100 Jahre vergangen. So lange liegt das Wrack der Titanic schon in 3.800 Metern Tiefe auf dem Grund des Atlantischen Ozeans vor der Küste der Insel Neufundland, wo es 1985 entdeckt wurde.

Und so wie es aussieht, liegt es dort nicht für immer. Schon in 20 Jahren könnten große Teile des Wracks, das inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, komplett verschwunden sein. Zumindest laut Antje Boetius, Meeresbiologin am Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) für Polar- und Meeresforschung, wie sie uns im Interview erzählt hat.

Der Grund sind stromfressende Bakterien. Die ziehen ihre Lebensenergie aus den negativ geladenen Elementarteilchen (Elektronen) im Eisen der Schiffswände. Sie leben also direkt vom Metall. Schon vor einigen Jahren entdeckten Forscher in der Rost-Schicht auf dem Wrack eine spezielle Bakterienart, die daraufhin „Halomonas titanicae“ genannt wurde. Diese Bakterien entwickeln sich eigentlich am besten bei warmen 30 Grad – was unten auf dem Grund des Atlantiks definitiv nicht der Fall ist, denn dort herrschen gerade mal eisige vier Grad.

Doch anscheinend kann die Kälte das Wrack der Titanic nicht vor den hungrigen Bakterien schützen, denn diese zersetzen ganz offensichtlich gerade dort die Schiffswände. Dabei tragen sie nicht nach und nach schichtweise die Schiffsoberfläche ab, sondern fressen richtig tiefe Löcher in das Gehäuse, und zwar so lange, bis das Wrack irgendwann zusammenfällt, weil es instabil wird. Bei dem Prozess der Zersetzung bilden die Bakterien sogenannte Rostzapfen, auch Rusticles genannt.

Allerdings schwimmen die Bakterien nicht einfach durch die Gegend und suchen sich das leckerste Stück Titanic aus. Stattdessen sind sie auf Meeresströmungen angewiesen, die sie fortbewegen. Und diese Strömungen sind dort unten, knapp vier Kilometer unter Wasser, enorm. An manchen Stellen sind sie stärker als an anderen. Deswegen ist auch die eine Schiffsseite mehr „angefressen“ als die andere, da die Bakterien dort eher hingespült werden.

Laut Malte Fiebing-Petersen aber, dem Vorsitzenden des Deutschen Titanic-Vereins von 1997, könnte uns das Wrack noch ein bisschen länger erhalten bleiben als vom AWI befürchtet.

Im Interview hat er uns erzählt, dass der Stahl, aus dem das Schiff gebaut wurde, nicht überall gleich dick ist. Im Gegensatz zu den oberen Decks, die aus eher dünnem Metall gebaut wurden, werden uns laut Fiebing-Petersen die massiven, gusseisernen Zylinder und die eigentliche Schiffshülle, die aus 80 bis 90 Zentimeter dickem Stahl bestehen, noch ein paar Jahrzehnte lang erhalten bleiben. Bis dann wirklich absolut gar nichts mehr von der Titanic übrig ist, dauert es wohl mehrere hundert Jahre.

Pläne zur Erhaltung des Wracks gibt es keine – man lässt der Natur ihren Lauf. Damit das Ganze aber nicht in Vergessenheit gerät, hat man bereits insgesamt 5.000 Objekte aus dem Schiffswrack nach oben geholt und konserviert – darunter persönliche Gegenstände aus den Koffern der Reisenden oder Schiffsmaschinen.

Damals war es die Titanic, heute ist es die „Allure of the Seas“: das größte und teuerste Kreuzfahrtschiff der Welt. Dieses Riesenschiff war eine Woche lang der Arbeitsplatz von Galileo-Reporter Thilo Mischke. Im Gegensatz zu den 6.000 Urlaubern muss er richtig hart schuften. Wie das ausgesehen hat, seht ihr im Video:

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