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Was hinter der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) steckt und wie sie wirken soll

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) wird mittlerweile gerne als Ergänzung zur Schulmedizin verwendet. Als ganzheitliche Heilkunde überzeugt sie immer mehr Menschen. Wir zeigen dir, was dahinter steckt, welche Mittel sie verwendet und was Kritiker sagen.
Teaserbild: Was hinter der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) steckt und wie sie wirken soll

TCM: Was ist das überhaupt?

  • Ziel jeder TCM-Behandlung ist die Erhaltung oder Wiederherstellung des inneren Gleichgewichts.

  • Philosophische Lehren bilden die Grundlage der TCM. Yin und Yang oder auch die Lebensenergie Qi beherrschen laut der TCM die gesamte Natur.

  • Die Lebensenergie Qi fließt laut TCM in bestimmten Leitbahnen - auch Meridiane genannt - durch den Körper. So verbindet sie alle Organe miteinander.

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    Deshalb wird bei der TCM auch der ganze Körper analysiert: Körperhaltung, Zähne, Haut, Fingernägel - ja, sogar der bloße Gesichtsausdruck.

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    Gewusst? Die TCM soll auch eine Diät oder Raucherentwöhnung unterstützen können.

Die 5 Säulen der TCM

Die TCM basiert auf 5 Säulen:

  1. Akupunktur
  2. Arzneimittel
  3. Koordinationsübungen
  4. Massage
  5. Ernährung

Meistens besteht eine TCM-Therapie aus einer Kombination dieser Therapieverfahren. Mehr zu den einzelnen Verfahren, erfährst du unten.

TCM: Kritik und Nebenwirkungen

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    Vertreter der westlichen Medizin bemängeln, dass es zur Traditionellen Chinesischen Medizin keine ausreichende wissenschaftliche Datenlage gibt.

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    Bei schweren Erkrankungen wie etwa Krebs sollte die Traditionelle Chinesische Medizin niemals allein, sondern immer in Kombination mit Schulmedizin zum Einsatz kommen, denn dafür ist die TCM nicht geeignet.

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    Die TCM-Arzneimittel standen oft in der Kritik, weil sie verunreinigt waren und Schwermetalle enthielten. Wichtig: Auf eine gute Qualität und seriöse Quellen achten. Produkte mit Inhalten von seltenen Tieren wie etwa von Tigern, Nashörnern oder Seepferdchen solltest du nicht kaufen.

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    Die Traditionelle Chinesische Medizin ist nebenwirkungsarm. Sprich aber mit einem Arzt vor einer Anwendung. Auch bei pflanzlichen Präparaten können Wechselwirkungen auftreten.

Prof. Gustav Dobos, Direktor der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin an den Evang. Kliniken Essen-Mitte, über Anwendung von TCM und Kritik:

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    Häufig wird bei TCM eine nicht ausreichende wissenschaftliche Datenlage kritisiert. Dennoch ist es heutzutage das umfassendste und weltweit am meisten verbreitete traditionelle Medizinsystem. Und es gibt sehr wohl Metaanalysen und Studien zur Traditionellen Chinesische Medizin. Viel Aufmerksamkeit bekam zum Beispiel die Vergabe des Nobelpreises für den Wirkstoff Artemisinin, der zur chinesischen Kräutertherapie gehört, bei therapieresistenter Malaria im Jahr 2015 an Frau Prof. Youyou Tu.

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    Grundsätzlich kann die TCM ergänzend (komplementär) fast immer angewendet werden. Besonders geeignet ist die TCM aber bei chronischen und funktionellen Erkrankungen. Ein klar positiver Nutzen für Akupunktur liegt für postoperative Schmerzen und Brechreiz, Migräneprophylaxe, Spannungskopfschmerz, Rückenschmerz, Knieschmerzen und chemotherapieinduzierte Übelkeit vor.

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    Als Hauptargument für die Nichterstattungsfähigkeit führen die Krankenkassen die bisher nicht ausreichend belegte Wirksamkeit der TCM-Methoden auf. Im Nachbarland Schweiz wurden im Jahre 2009 durch einen Volksentscheid Methoden der Komplementärmedizin, darunter TCM, in den Leistungskatalog der Grundversicherung aufgenommen.

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    Ein generelles einheitliches Gütesiegel für TCM-Therapeuten existiert bislang nicht, jedoch verfügen die großen Ausbildungsgesellschaften (DGfAN, DÄGfA, SMS, AGTCM, u.a.) über Adressenlisten Ihrer Mitglieder, verknüpft mit deren Ausbildungsstand. Selbstverständlich kann auch eine Weiterempfehlung durch Freunde und Bekannte ein wichtiges Indiz für einen guten TCM-Therapeuten sein.

Akupunktur

Akupunktur in der TCM


Es piekst und zwickt - und tut gut! Akupunktur soll die Lebensenergie wieder richtig fließen lassen.
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Bei der Akupunktur werden bestimmte Punkte des Körpers mit Akupunkturnadeln stimuliert. Dabei soll die Lebensenergie, auch Qi genannt, verbessert werden.

Bei einer Krankheit ist ihr Fluss laut TCM gestört, die Nadeln lassen sie wieder fließen. Hört sich nach Hokuspokus an? Tatsächlich werden dabei Endorphine, Kortison und entzündungshemmende Substanzen im Körper ausgeschüttet.

Chinesische Arzneimittel (CAT)

Heilpflanzen in der TCM


Heilpflanzen bilden die Grundlage der Chinesischen Arzneimittel - Natur anstatt Chemie.
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Die Arzneimitteltherapie der TCM beinhaltet größtenteils Heilpflanzen. Manchmal werden auch Mineralien und tierische Bestandteile verwendet. Die Rezepturen werden jeweils individuell auf den Patienten abgestimmt.

Meistens handelt es sich um einen Tee oder einen Arzneimittelsud. Chinesische Arzneimittel gibt es jedoch auch in Form von Extrakten, Pulvern und Pillen. Besonders entscheidend sind die Geschmacksrichtungen. Sie werden nicht nur über Mund und Nase, sondern auch vom vegetativen System des Körpers wahrgenommen.

Koordinationsübungen (Qigong und Taiji)

Taiji in der TCM


Taiji erfordert eine hohe Konzentration und ein starkes Bewusstsein für Körper und Geist.
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Qigong und Taiji betiteln Bewegungsabläufe, Atem- und Koordinationsübungen. Sie sollen ein gestärktes Bewusstsein von Körper und Geist bewirken. Dabei wird laut TCM der Körper gereinigt und das Qi gelenkt.

Reflexpunkte des Körpers werden nacheinander gedehnt, wodurch Spannungen gelöst und Organfunktionen verbessert werden sollen.

Massage (Tuina)

Tuina in der TCM


Tuina ist mehr als nur eine Massage: Mit den richtigen Griffen soll das Qi wieder fließen.
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Tuina ist eine der ältesten manuellen Therapien. Durch besondere Grifftechniken ist sie intensiver als herkömmliche Massagen.

Kneten, Greifen und Klopfen sollen Energieblockaden im Körper lösen und das Qi wieder besser fließen lassen. Je nach Umfang dauert die Tuina zwischen 15 und 60 Minuten.

Wie gut kennst du dich mit alternativen Heilmethoden aus?

Ernährungslehre (Diätetik)

Diätetik in der TCM


Nahrung ist Energie. In der TCM spielt die Ernährung eine wichtige Rolle.
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Die Ernährung ist ein wichtiges Element in der TCM. Nahrungsmittel sollen nämlich laut TCM eine energetische Heilwirkung besitzen. So können auch sie das Qi beeinflussen, es heben und senken.

Verantwortlich sind - wie bei den Arzneimitteln - die Geschmacksrichtungen. Hier stimulieren unterschiedliche Geschmacksrichtungen unterschiedliche Organe. Aber auch Farbe, Geruch, Temperatur und Konsistenz sind von Bedeutung. Sogar die Zubereitung spielt eine Rolle.

Geschmack als Stimulierung

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    Bitteres Essen stimuliert dein Herz.

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    Saures Essen stimuliert deine Leber.

  • 🌶

    Scharfes Essen stimuliert deine Lunge.

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    Salziges Essen stimuliert deine Nieren.

  • 🍭

    Süßes Essen stimuliert deine Milz und Bauchspeicheldrüse.

Die 7 Stufen des Heilens

Manche sprechen nicht von 5, sondern von 7 Säulen - analog zu den sogenannten 7 Stufen des Heilens:

  1. Meditation
  2. Atmung
  3. Bewegung
  4. Ernährung
  5. Massage, Bäder
  6. Akupunktur
  7. Chirurgie

Das Wichtigste des Heilungsprozesses ist nach der TCM der Geist. Deshalb ist die Meditation auch als erste Stufe genannt. Hierbei geht es um ein bewusstes Leben im Hier und Jetzt. Man sitzt nicht nur still auf einem Kissen, sondern trainiert dabei seine Achtsamkeit.

Meditation in der TCM


In der Meditaion lenkst du dein Bewusstsein vollkommen ins Hier und Jetzt.
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Veröffentlicht: 25.10.2020 / Autor: Sophia Gumbinger