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Das Neuralink-Projekt: Kann ein Chip im Gehirn Lähmungen besiegen?

Geistesblitz oder Hirngespinst? Das Tech-Start-up Neuralink um Visionär Elon Musk will einen Gehirn-Chip entwickeln, der schwere Hirnerkrankungen oder Lähmungen lindern soll. Was dahinter steckt und welche Pläne andere Forscher haben.
Teaserbild: Das Neuralink-Projekt: Kann ein Chip im Gehirn Lähmungen besiegen?

Das Wichtigste zum Thema Neuralink

  • Das US-amerikanische Neurotechnologie-Unternehmen wurde zwar erst im Jahr 2016 gegründet. Trotzdem feierte es bereits im Sommer 2020 vielversprechende Erfolge bei der Entwicklung einer Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer.

  • Das Brain-Computer-Interface (BCI) von Neuralink wurde bei Schweinen erfolgreich getestet. Von Tests an Menschen oder gar einer Zulassung ist das Tech-Start-up aber noch ein gutes Stück weit entfernt.

  • Erreicht Neuralink seine ehrgeizigen Ziele, könnte das Chip-Implantat etwa Gehirnerkrankungen, Lähmungen oder Sehstörungen lindern.

Was ist Neuralink – und was sind die Ziele?

Neuralink ist ein 2016 unter anderem von Elon Musk gegründetes Tech-Start-up. Langfristig möchte das Unternehmen um den Visionär Musk dazu beitragen, dass der Mensch nicht von Künstlicher Intelligenz (KI) überholt wird.

Ein wichtiges Projekt von Neuralink ist die Arbeit an einem sogenannten Brain-Computer-Interface (BCI), also einer Schnittstelle zwischen menschlichem Gehirn und Computer.

Dazu wollen die Forscher mithilfe von OP-Robotern einen Funk-Chip gemeinsam mit feinen, elektrodenbestückten Drähten ins Gehirn verpflanzen. Die sollen neurologische Signale nicht nur messen, sondern durch die Funk-Verbindung zu einem Computer auch übermitteln und empfangen.

Eines Tages soll die Technologie mit dem Arbeitstitel "Link V0.9" etwa Hirnerkrankungen, Sehstörungen, Lähmungen oder auch Depressionen abmildern können.

Elon Musk


An großen und selbstbewussten Ideen mangelt es ihm nicht: Elon Musk. Hier siehst du ihn während einer Pressekonferenz Anfang 2020.
© picture alliance/AP Photo

 

🐷 Bei Schweinen schon erfolgreich

Nach der Präsentation eines Prototyps des Chip-Implantats im Jahr 2019 konnte Musk im Sommer 2020 erste Erfolge vorstellen.

Ein Schwein namens Gertrude trug den Funk-Chip von Neuralink im Hirn. Jedes Mal, wenn Gertrude mit ihrem Rüssel etwas berührte, wurden Signale der Nervenimpulse über Bluetooth an einen Computer übertragen.

An Menschen ist Neuralinks Chip noch nicht getestet worden. Dementsprechend ist er auch noch nicht zugelassen. Das könnte sich aber ändern: Laut Musk sieht die Lebens- und Arzneimittelbehörde der USA in dem Chip ein "bahnbrechendes Gerät".

Neuralinks erste Erfolge im Livestream

Die Fachwelt ist (noch) skeptisch

Ein wirklicher Durchbruch in der Geschichte der Medizin ist Neuralinks Chip allerdings noch nicht. Die BCI-Technologie ist weder die erste noch die derzeit einzige Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer, an der weltweit gearbeitet wird.

Manche Forscher sehen in Neuralinks Technologie zwar vielversprechende Ansätze, die vor allem innerhalb sehr kurzer Zeit entwickelt wurden. Andere Experten sehen in Musks Versprechungen jedoch bloß einen übertriebenen Hype.

Das Lesen und Senden neurologischer Signale verbessere sich zwar. Aber ob damit gelähmte Menschen einen Computer oder Rollstuhl steuern könnten, müssten Tests erst noch klären.

Würdest du dir einen Gehirn-Chip einsetzen lassen?

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Kein Vergleich zu den Anfängen, als Röntgen etwa noch ein Partyspiel war: Künstliche Intelligenz kann in der heutigen Medizin bereits Daten analysieren und teils Operationen verhindern. Wird KI auch irgendwann den Arzt ersetzen? Galileo-Reporterin Claire macht einen Selbstversuch.

Das ist in der Medizin bereits möglich

  • 👂

    Gegen den Alltag ohne Gehör kann bei Innenohrtaubheit ein Cochlea-Implantat helfen: Die Kombi aus Mikrofon, Sendespule und Sprachprozessor ersetzt das Innenohr.

  • 🦿

    Myoelektrische Prothesen funktionieren über einen Mikroprozessor, der Muskelimpulse im verbliebenen Arm- oder Beinstumpf in Steuersignale für einen elektrischen Motor umwandelt. Dadurch können Patienten die Prothesen bewegen.

  • 🦴

    Mit sogenannten Exoskeletten können querschnittsgelähmte Menschen wieder laufen lernen. Ein Computer im Körper übersetzt Nervenreize auf der Haut in Bewegungsimpulse. Voraussetzung: Teile des Nervensystems müssen noch funktionieren.

  • 👀

    Zwar noch nicht vergleichbar mit gesundem Sehen, aber trotzdem beachtlich: Mit dem bionischen Auge Argus II können Blinde wieder einen Teil sehen. Eine Videokamera leitet Bilder über einen Prozessor an eine künstliche Netzhaut weiter.

  • 🩹

    Um die Infektionsgefahr durch eine Transplantation von menschlichem oder tierischem Gewebe zu verhindern, arbeiten Forscher an einer pflanzlichen Alternative. Die soll identisch zum menschlichen Gewebe und durch spezielle Reinigung keimfrei sein.

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Muss man bei einem Infekt wirklich zum Arzt, oder können auch alternative Methoden wie eine App, Telemedizin oder der klassische Gang zur Apotheke helfen? Galileo macht den Test.

Was erwartet uns in der Zukunft?

  • 🦻

    Ein Team des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) entwickelt die Hörkontaktlinse: Sie sitzt auf dem Trommelfell, ist dadurch von außen nicht sichtbar und verbessert in den meisten Fällen das Hörvermögen.

  • 💪

    Forscher an der Universität des Saarlandes arbeiten an einem intelligenten Implantat. Es soll etwa einen Knochenbruch überwachen, sich nach Bedarf automatisch bewegen und so die perfekte Krankengymnastik ermöglichen.

  • Die sogenannte Gen-Schere räumte 2020 bereits den Chemie-Nobelpreis ab. Mit der Crispr/Cas-Technologie können DNA-Bausteine verändert werden. Dadurch werden vielleicht sogar Erbkrankheiten heilbar. Aber auch etwa genmanipulierte Babys wären durch die Gen-Schere denkbar. Daher gibt es hier noch ethische und moralische Bedenken.

Veröffentlicht: 13.11.2020 / Autor: Alexander Duebbert