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Affenpocken-Labor-Ergebnis

Affenpocken in Deutschland: Was du über das Virus wissen musst

Weltweit infizieren sich immer mehr Menschen mit Affenpocken. Festivals und Veranstaltungen werden die Ausbreitung über den Sommer noch weiter verstärken - so die WHO. Warum häufen sich die Fälle aktuell und gibt es wirksame Impfstoffe gegen das Virus? Alle Fragen und Antworten im Überblick. Im Clip: Wie wirkt ein Virus?
Affenpocken in Deutschland: Was du über das Virus wissen musst
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Das Wichtigste zum Thema Affenpocken

  • Eben noch Corona, jetzt Affenpocken: Weltweit sorgt das Affenpocken-Virus für Schlagzeilen. Die Krankheit verbreitet sich aktuell vermehrt unter anderem in den USA, Australien, Spanien - und Deutschland.

  • Droht uns bald also die nächste Pandemie? Nein! Fachleute geben ganz klar Entwarnung. Der Grund: Eine Ansteckung ist im Gegensatz zum Corona-Virus nicht so einfach über die Luft möglich. Die Verbreitung lässt sich deshalb mit Kontakt-Verfolgungen gut eindämmen.

  • Dennoch rechnet die Weltgesundheits-Organisation (WHO) mit einem Anstieg über die Sommer-Monate. Denn das Virus überträgt sich vor allem über engen Körper-Kontakt. Festivals, Konzerte und andere Groß-Veranstaltungen könnten die Infektionszahlen deshalb in die Höhe treiben.

  • Laut der WHO ist der Pocken-Impfstoff auch gegen eine Infektion mit den Affenpocken hochwirksam. Eine Impfung empfiehlt die STIKO aktuell nur Risikogruppen.

  • Welche Symptome gibt es, wie gefährlich ist das Affenpocken-Virus, wie steckt man sich an? Wir haben die Antworten für dich zusammengefasst.

❓ Warum heißt die Krankheit Affenpocken?

  • 🦠

    Das Affenpocken-Virus ist eine sogenannte Zoonose. Das sind Erkrankungen, die sowohl bei Menschen als auch bei Tieren vorkommen können.

  • Über einen Biss oder engen Kontakt mit den Tieren springt das Virus auf den Menschen über.

  • 🐀

    Die Krankheit könnte eigentlich auch Rattenpocken heißen - denn Fachleute nehmen an, dass sich die Viren auf kleine Nagetiere wie Ratten spezialisiert haben.

  • 🐒

    Zum ersten Mal nachgewiesen wurde der Erreger allerdings 1958 in einem dänischen Labor bei einem Affen - daher auch der Name.

❓ Warum verbreitet sich das Affenpocken-Virus aktuell?

Ursprünglich sind die Affenpocken vor allem in West- und Zentralafrika verbreitet. Die nigerianische Gesundheitsbehörde zählt im Schnitt bis zu 3.000 Infektions-Fälle pro Jahr. Seit einigen Wochen häufen sich die Fälle allerdings weltweit. Betroffen sind nach WHO-Angaben 28 Länder außerhalb Afrikas. Warum sich das Virus verbreitet, versuchen Wissenschaftler:innen aktuell nachzuvollziehen.

In Deutschland wurde der erste Fall von Affenpocken am 20. Mai in München nachgewiesen. Aktuell sind fast knapp 190 Infektionen aus elf Bundesländern bekannt. Ein möglicher Grund für den weltweiten Anstieg der Zahlen könnte die zunehmende Reiselust vieler Menschen nach der Corona-Pandemie sein.

Aber auch der sinkende Impfschutz gegen die Pocken könnte ein Faktor sein. Der Impfstoff ist nämlich auch gegen die Affenpocken wirksam. Weil das Pocken-Virus aber seit 1980 als ausgerottet gilt, werden viele seitdem nicht mehr gegen die Pocken geimpft.

Was macht eigentlich die WHO?

Was macht eigentlich die WHO?

Seit der Corona-Krise steht sie oft im Mittelpunkt: Die Weltgesundheits-Organisation der Vereinten Nationen, kurz WHO. Aber was macht sie eigentlich?

❓ Welche Symptome sind typisch?

🖐 Bläschenartiger Ausschlag an Händen, Füßen und im Gesicht

🤒 Fieber

😣 Kopfschmerzen

🥶 Schüttelfrost

😷 Geschwollene Lymphknoten

Affenpocken-bläschenartiger-Haut-Ausschlag-Symptome


Ein bläschenartiger Haut-Ausschlag zählt zu den klassischen Symptomen der Affenpocken.
© Institute of Tropical Medicine Antwerp/dpa

❓ Wie wird das Affenpocken-Virus übertragen?

Das Virus überträgt sich durch Körperflüssigkeiten. Vor allem die aufbrechenden Pusteln sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) besonders ansteckend. Übertragungen von Mensch zu Mensch sind aber eher selten - denn dafür ist sehr naher Körperkontakt nötig. Laut RKI könnten viele Fälle aktuell mit sexuellen Übertragungen in Verbindung stehen.

Aber auch Bisse von infizierten Tieren können zu einer Übertragung führen. Das könnte der Grund sein, warum Kinder anfälliger für eine Infektion sind - denn diese spielen häufiger und intensiver mit kleinen Nagetieren.

Eine Übertragung über die Atemwege ist nach aktuellem Stand nur auf sehr kurze Distanz und mit größeren Tröpfchen möglich.

Welche Quarantäne- und Isolations-Regeln gelten bei den Affenpocken?

  • 🚪

    Das RKI empfiehlt bei einer Infektion mit den Affenpocken eine Isolation von mindestens 21 Tagen.

  • 😷

    Die Erkrankten sollten außerdem darauf warten, bis die Krusten der Pusteln vollständig abgefallen sind.

  • Das liegt daran, dass die Inkubations-Zeit des Virus zwischen sieben und 21 Tagen betragen kann. In einigen Fällen kann die Isolation - wie auch bei Corona - behördlich angeordnet werden. Hier liegt die Verantwortung aber bei den Bundesländern.

  • 🚫

    Wer engen Körperkontakt mit einer infizierten Person hatte, sollte sich für 21 Tage in Quarantäne begeben.

❓ Wie gefährlich sind Affenpocken für Menschen?

Die Affenpocken-Variante, die in West-Afrika auftritt, ist vor allem für Kinder gefährlich. Bei etwa einem Prozent der Infizierten führt die Krankheit zum Tod. Die zentral-afrikanische Variante ist laut RKI noch gefährlicher für Kinder und Jugendliche - hier sterben nach Angaben der afrikanischen Gesundheitsbehörden bis zu 11 Prozent der Erkrankten.

Bei der aktuellen Ausbreitung weltweit handelt es sich nach bisherigem Stand um die west-afrikanische Variante. Generell ist das Affenpocken-Virus im Gegensatz zu den seit 1980 ausgerotteten Pocken deutlich milder. In der Regel erholen sich Menschen meistens innerhalb von wenigen Wochen, so das RKI.

Bislang sind außerhalb Afrikas noch keine Todesfälle im Zusammenhang mit dem Affenpocken-Virus gemeldet. Zudem gibt es einen wirksamen Impfstoff gegen das Virus - mehr dazu weiter unten.

❓ Wie hoch ist das Risiko einer weiteren Pandemie?

Führende Expert:innen schätzen das Risiko einer flächendeckenden Ausbreitung als sehr gering ein. Denn im Vergleich zu anderen Infektions-Krankheiten ist das Affenpocken-Virus nicht leicht auf größere Distanz übertragbar.

Bei den aktuellen Fällen waren die Übertragungen durch sehr engen Kontakt nachweisbar. Wissenschaftler:innen gehen deshalb davon aus, die Infektionen über Kontaktverfolgung gut einzugrenzen. Zudem gibt es Medikamente und wirksame Impfstoffe gegen das Virus.

Die anlaufende Festival-Saison könnte die Ausbreitung allerdings noch weiter anfachen - so die WHO. Festivals und große Partys finden dieses Jahr größtenteils wieder ohne Schutzmaßnahmen statt. Die Veranstaltungen böten aber auch die Möglichkeit, bei jungen und sexuell aktiven Menschen das Bewusstsein für Infektions-Krankheiten zu stärken, erklärte der WHO-Regionaldirektor Hans Henri Kluge.

❓ Gibt es Impfstoffe gegen die Affenpocken?

  • 💉

    Aktuell gibt es zwei Impfstoffe, die gegen die Affenpocken wirksam sind.

  • 💉

    Das nah verwandte Variola-Virus - besser bekannt als Pocken - galt mit der Einführung eines wirksamen Impfstoffes seit 1980 als ausgerottet. Da sich die Erreger der beiden Infektions-Krankheiten so ähnlich sind, ist der Impfstoff auch bei Affenpocken wirksam. Das bestätigte jetzt auch die WHO.

  • 💉

    Seit 2013 gibt es den Pocken-Impfstoff Imvanex, der deutlich weniger Nebenwirkungen aufzeigt als der ursprüngliche Impfstoff. Auch dieser ist gegen Affenpocken einsetzbar.

  • 💉

    Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat Anfang Juni eine vorläufige Impf-Empfehlung für Risikogruppen ausgesprochen. Dazu zählen beispielsweise Menschen ab 18 Jahren, die engen Körperkontakt zu Infizierten hatten oder Laborpersonal, das mit dem Virus in Kontakt kommt.

  • 💉

    Auch Männer, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern haben, zählen zu der Empfehlung. Der Hintergrund ist, dass die in Deutschland aufgetretenen Fälle laut STIKO bislang ausschließlich auf diese Gruppe zurückgeführt wurden und diese deshalb besonders geschützt werden soll.

  • 💉

    Gesundheitsminister Karl Lauterbach hatte angekündigt, dass eine Impfung mit dem Impfstoff ab dem 15. Juni möglich sein soll.

So funktioniert eine Impfung

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Fluch oder Segen? Das Thema Impfen wird kontrovers diskutiert. Wir schauen uns das Ganze genauer an.

Veröffentlicht: 14.06.2022 / Autor: Nicole Lemberg