Chilis

Chilis: Die Geheimnisse der scharfen Wunderwaffe

Chilis sorgen nicht nur für Feuer im Mund – sie haben auch jede Menge Vitamin C, heben die Stimmung und verlängern das Leben. Aber warum brennen sie so sehr? Alles, was du über die scharfen Schoten wissen musst, findest du hier.

Das Wichtigste zum Thema Chilis

  • Chili, Peperoni, Jalapenos, Habaneros, Cayenne: Sie alle gehören zur Familie der Paprika - und zu den schärfsten Lebensmitteln der Welt.

  • Das Brennen im Mund verursacht der Stoff Capsaicin. Dieser steckt in allen Paprika, aber immer in unterschiedlicher Konzentration.

  • "Scharf" ist aber ist im Gegensatz zu süß, sauer, salzig, bitter und umami keine Geschmacksrichtung. Etwas schmeckt scharf, wenn es Schmerz auslöst.

  • Wie höllisch die Schoten brennen, lässt sich mit der Scoville-Skala messen. Der schärfste Chili der Welt ist laut Guinness Buch der Rekorde "Carolina Reaper". Er wurde 2013 in den USA gezüchtet.

  • Niemand weiß, wie viele unterschiedliche Chilis es gibt, Expert:innen gehen von mehr als 3.000 Sorten aus.

  • Chilis verleihen nicht nur Lebensmitteln Würze. Sie sind auch sehr gesund: Unter anderem machen sie glücklich, stärken das Immunsystem, helfen beim Abnehmen und verlängern sogar das Leben.

Woher kommen Chilis und welche Sorten sind bekannt?

Chilis sind ein Teil der Pflanzengattung "Paprika" (Capsicum). Die am meisten verbreitete Art ist Capsicum annuum. Zu den Sorten gehören milde Gemüsepaprika, aber auch Jalapenos, Serrano oder Cayenneschoten.

Es gibt noch vier andere Chili-Arten: Capsicum baccatum, Capsicum chinese, Capsicum pubescens und Capsicum frutescens. Bekannt sind zum Beispiel Habanero und Scotch Bonnet, die zu Capsicum chinese gehören, oder Tabasco (Capsicum frutescens).

Die Früchte haben unterschiedliche Größen, Formen und Farben: Sie können klein und spitz, groß und rund sowie gelb, rot, orange, gelb, braun oder violett sein.

Wir sagen zwar Chilischoten, das ist aber botanisch nicht richtig. Chilis und andere Paprika sind keine Schoten, sondern eigentlich Beeren.

Chilis stammen ursprünglich aus Süd- und Mittelamerika. Sie gehören zu den ältesten Lebensmitteln des Kontinents: Mindestens um 7.000 vor unserer Zeitrechnung wurden sie dort schon gegessen.

Christoph Kolumbus brachte 1493 nicht nur die Kartoffel nach Europa, sondern auch den Chili. Er glaubte aber, dass es sich um einen speziellen Pfeffer handelte. Deshalb heißen Chilis manchmal auch Roter Pfeffer oder Spanischer Pfeffer.

Feueralarm: Die schärfste Chili der Welt

Schärfekollaps? Zwei Australier haben mit ein paar Tricks die schärfste Chili der Welt erschaffen. Aber wie scharf ist diese Teufelsschote? Und was kann alles passieren, wenn man eine davon wirklich isst?

Was passiert, wenn du Chili isst?

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    Wenn du Chilis isst, brennt es im Mund. Daran sind die Stoffe Capsaicin und Dihydrocapsaicin schuld: Sie reizen die Nervenenden (Nozizeptoren) in der Schleimhaut.

  • Diese Nozizeptoren sollen eigentlich davor warnen, wenn du dir den Mund verbrennst.

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    Als Folge weiten sich die Gefäße, die Durchblutung wird angekurbelt und die Haut färbt sich rot. Du kannst auch ins Schwitzen geraten: Der Körper versucht sich mit all diesen Reaktionen abzukühlen.

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    Weil das Gehirn ein Schmerzsignal empfangen hat, schüttet es Endorphine aus, damit du das vermeintlich unangenehme Gefühl nicht mehr spürst. Das macht glücklich und kann sogar einen euphorischen Zustand auslösen.

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    Zugleich werden die Geschmacksnerven empfindlicher und du schmeckst Speisen intensiver.

  • 😊

    Du kannst dich an Capsaicin gewöhnen: Wenn du öfter Chilis isst, empfindest du sie mit der Zeit gar nicht mehr als so scharf.

Die Heilkräfte der Chili

Mit Chili wird jedes Essen gesünder. Italienische Forscher haben herausgefunden, dass Chili das Herzinfarktrisiko um 40% und das Schlaganfallrisiko sogar um 50% senken kann. Einzige Bedingung: Die Schote muss mindestens 4 Mal pro Woche verzehrt werden.

Wie scharf ist scharf: Die Scoville-Skala

  • Den Schärfegrad messen Forscher in der Einheit Scoville. Korrekt heißt sie SHU für "Scoville Heat Units".
  • Die Skala reicht von 0 bis 16 Millionen. So scharf wie letzteres ist reines Capsaicin. Es brennt so sehr, dass du es nicht ertragen könntest.
  • Der US-Pharmakologe Wilbur Scoville erfand die Skala 1912: Er löste verschiedene Mengen an Chilipulver in Zuckerwasser auf. Versuchspersonen sollten die Mischung trinken. Dann verdünnte er das Wasser immer weiter, bis es nicht mehr brannte.
  • Für 1 Milliliter reines Capsaicin sind 16 Millionen Milliliter Wasser nötig, damit es nicht mehr scharf ist. Das sind 16.000 1-Liter-Flaschen Wasser.
  • Die Scoville-Skala gibt es zwar noch. Heute wird das Capsaicin aber exakter gemessen, mithilfe der analytischen chemischen Methode "Hochleistungs-Flüssigkeits-Chromatographie" (HPLC).

Chili und Co. auf der Scoville-Skala

Wunderwaffe Chili: Wie gesund die Schoten sind

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    Wenn du Chilis isst, hebt sich deine Stimmung. Aber nicht nur das. Wissenschaftler:innen haben noch mehr positive Effekte entdeckt.

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    Scharfe Speisen wie Chilis helfen bei Erkältungen. Sie regen die Durchblutung der Nasenschleimhaut an. Damit verflüssigt sich der Schleim und löst sich leichter.

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    Die bessere Durchblutung regt den Kreislauf an und hilft gegen kalte Füße.

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    Chilis haben außerdem dreimal mehr Vitamin C als Zitronen, das stärkt die Abwehrkräfte und schützt den Körper vor Infektionen.

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    Capsaicin kurbelt den Stoffwechsel an: Magen und Darm bekommen mehr Blut ab und es bilden sich mehr Speichel und Verdauungssäfte.

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    Chili zügelt den Appetit und hilft damit beim Abnehmen.

  • Menschen, die viel Chili-Pfeffer essen, könnten länger leben, fand eine Studie in Cleveland/USA heraus. Die Proband:innen starben seltener an Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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    Nicht zuletzt sollen scharfe Speisen und damit auch Chili aphrodisierend wirken.

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    Aber Vorsicht: Taste dich langsam an die scharfen Chilis heran und nimm nicht zu viele. Hast du einen empfindlichen Magen oder einen Reizdarm, solltest du erst recht sparsam sein. Auch Kinder sollten nicht scharf essen.

Scharfe Fakten: Mythen über Chilis und was du noch nicht über sie wusstest

Der Chili brennt im Mund? So löschst du den Brand

  • Ein Glas Wasser hilft nicht gegen Schärfe, weil Capsaicin nicht wasserlöslich ist. Du machst sogar alles noch schlimmer, wenn du das Capsaicin mit dem Wasser im Mund verteilst.
  • Besser ist Fett: Trinke Milch, Pflanzenmilch oder Lassi, iss Käse, Eis oder einen Klecks Sour Creme.
  • Auch Reis und heißer Tee mildern das Brennen - und Öl.
  • Die beste Löschmethode ist aber offenbar ein Stück Brot mit Mascarpone. Der Grund: Mit dem Brot schabst du Capsaicin ab, und der Frischkäse enthält viel Fett. Das haben Ernährungswissenschaftler:innen der Hochschule Fulda herausgefunden.
  • Vergiss nicht, bei der Zubereitung besonders scharfer Chilis Handschuhe anzuziehen.
  • Ist doch etwas auf die Hände gekommen? Es hilft, ein paar Tropfen Öl auf der Haut zu verteilen und sie dann mit Wasser und Seife zu waschen.
Veröffentlicht: 12.06.2021 / Autor: Claudia Frickel