Forscher wollen jetzt unseren achten Kontinent näher untersuchen
via pixabay / CC0

Forscher wollen jetzt unseren achten Kontinent näher untersuchen

vor 3 Monaten

Zealandia wurde erst vor Kurzem als Kontinent anerkannt, obwohl es schon lange direkt vor unseren Augen lag. Jetzt wollen Forscher an sechs verschiedenen Stellen in den zum Großteil überfluteten Kontinent bohren. So wollen sie herausfinden, was genau mit Zealandia passierte, als es fast ganz unterging.

Diese Sensationsmeldung verblüffte im Februar die ganze Welt: ein neuer Kontinent. Dabei war es schon länger bekannt, dass es Zealandia gibt. Allerdings erfüllte es nicht alle Kriterien eines Kontinents. Man dachte nämlich, dass dessen Kruste nicht komplett zusammenhängend ist. Erst dieses Jahr zeigte eine Forschung, dass sie das doch ist – und machte Zealandia damit zu unserem achten Kontinent. Das könnt ihr hier genauer nachlesen. Die zu 93 Prozent unter Wasser liegende Landmasse erstreckt sich unter Neuseeland und Neukaledonien über zwei tektonische Platten und ist etwa halb so groß wie Australien:

Kontinent

Zealandia
Der Kontinent zieht sich über zwei tektonische Platten hinweg.
© N. Mortimer et al./GSA Today

Wenn man von unseren sieben ursprünglichen ausgeht, ist Zealandia der achte geographische Kontinent. Für Geologen ist er allerdings der siebte, weil Europa und Asien für sie ein großer Kontinent namens Eurasien ist. Das liegt daran, dass ihre Erdkruste zusammenhängt.

Forscher vermuten, dass Zealandia vor 100 bis 80 Millionen Jahren eine eigenständige Landmasse wurde. „Vor rund 100 Millionen Jahren waren die Antarktis, Australien und Zealandia ein und derselbe Kontinent. Vor rund 85 Millionen Jahren spaltete sich Zealandia ab“, meint Gerald Dickens, ein Professor der University Rice und Experte für Ozeanographie. Laut ihm wurde die Landmasse durch die Abspaltung stark gedehnt. Dadurch verdünnte sie sich und ging großteils unter.

Nun will Dickens mit anderen Wissenschaftlern des International Ocean Discovery Program (IOPD) genauer herausfinden, was damals passiert ist und wieso sich Zealandia so stark dehnte. Am 27. Juli setzt sein Team in Townsville, Australien, Segel und startet die Expedition 371. Es ist die erste Forschung dieser Art. An Bord des riesigen Forschungs-Bohrschiffs JOIDES Resolution, das ungefähr 9100 Meter tief bohren kann, werden die Wissenschaftler sechs verschiedene Stellen über dem fast ganz versunkenen Kontinent abklappern. Die könnt ihr hier sehen:

Die Ziele der Expedition 371
An allen sechs Positionen östlich von Australien soll gebohrt werden, um an wertvolle Proben des untergegangenen Kontinents zu kommen.
© International Ocean Discovery Program

Das Team wird zwei Monate unterwegs sein, um bis zu 800 Meter tief zu bohren und so Proben von Zealandia zu nehmen. Im besten Fall finden die Forscher Mikrofossilien, begrabene Riffe und Sedimente aus verschiedenen Zeitspannen. Vor allem letzteres kann darüber Aufschluss geben, wie Zealandia unterging und wann einzelne Gebiete noch oder wieder aus dem Wasser hervorragten. Damit wären auch neue Erkenntnisse über PlattentektonikSubduktion und die Entstehung von Vulkanketten möglich.

Außerdem kann die genaue Analyse der Gesteinsschichten zeigen, welche klimatische Entwicklung die Erde erlebte. Seit Jahren rätseln Wissenschaftler, wie die Welt im fühen Eozän, also vor 50 bis 53 Millionen Jahren, aussah. Während dieser Zeitspanne waren die Temperaturen auf der Erdoberfläche nämlich ungefähr zehn bis zwölf Grad Celsius wärmer als heutzutage. Bisher erklärte man sich das immer mit viel COin der Atmosphäre, aber kein einziges Klimamodell konnte mit Sicherheit sagen, wie so hohe Temperaturen möglich waren. „Es ist möglich, dass Zealandias tektonische Geschichte direkt mit dem hohen CO2-Gehalt zusammenhängt.“, meint Gerald Dickens. Erst Gesteinsuntersuchungen werden zeigen, ob er damit Recht hat.

Wir haben über die Geschichte unseres Planeten noch längt nicht alles herausgefunden, was es zu wissen gibt. Darum haben wir uns selbst auf Erkundungstour begeben und für euch die extremsten Orte besucht:

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