Das kalte Herz der Zugspitze schmilzt gerade
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Das kalte Herz der Zugspitze schmilzt gerade

vor 3 Monaten

In den Alpen wird es immer wärmer – und das ist ein großes Problem. Bereits in 60 Jahren könnte der eisige Kern, der die Zugspitze von innen zusammenhält, komplett geschmolzen sein. Gibt es dieses stabilisierende Eis nicht mehr, dann wird Deutschlands höchster Berg „wacklig“ und bricht teilweise auseinander.

Ohne den sogenannten Permafrost würde es unsere Zugspitze gar nicht geben. Permafrost ist dauerhaft gefrorener Boden, der unter anderem die Funktion hat, als ewiges Eis alle Berge im Hochgebirge von innen zusammenzuhalten. Er entsteht dann, wenn die Durchschnittstemperatur eines Bodens in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Jahren unter null Grad liegt – und das teilweise bis in eineinhalb Kilometer Tiefe. Wenn dieser gefrorene Boden langsam auftaut, kommt es vermehrt zu Felsstürzen und der komplette Berg wird instabil. So wird Permafrost in Zeiten des Klimawandels immer mehr zu einer tickenden Zeitbombe.

An den Temperaturen, die im Permafrost herrschen, kann man zuverlässig ablesen, wie sich die Klimaschwankungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums entwickeln. Um mehr darüber zu erfahren, haben Forscher des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) 2007 an der Zugspitze eine Dauermessstation installiert. Dazu wurde eine Bohrung quer durch den Gipfelkamm gemacht. Dieses 44,5 Meter lange Bohrloch wurde dann mit 16 Messsonden ausgestattet, die die Temperatur im Inneren des Felsen messen. Seitdem schicken die Messsonden automatisch stündlich die Temperatur auf die Bildschirme des Schneefernerhauses, Deutschlands höchst gelegene Forschungsstation.

Die Ergebnisse sind erschreckend: Bereits in 25 Jahren könnten alle Gletscher auf der Zugspitze (bis auf den Höllental-Gletscher) geschmolzen sein. Bis 2080 soll dann sogar der gesamte Permafrost im Innern des Berges weg sein.

Der Grund ist die Klimaerwärmung: In den letzten 100 Jahren sind die Temperaturen in den Alpen mit 1,5 Grad Celsius extrem gestiegen – das ist doppelt so viel wie der weltweite Durchschnitt.

Stürzt die Zugspitze irgendwann ein?

Laut Inga Beck, Permafrostforscherin und Pressereferentin des Schneefernerhauses, ist es unrealistisch, dass die Zugspitze bald völlig in sich zusammenfällt. Im Interview erzählt sie uns, dass man sich den Permafrost wie eine Art Kleber vorstellen kann, der das Gestein des Berges zusammenhält. Wenn dieser Kitt nicht mehr existiert, brechen Teile des Gesteins auseinander, was zu Felsstürzen führt. Die Zugspitze wird also nicht einfach verschwinden, sondern wahrscheinlich „schrumpfen“, da sich erstmal nur Teile des Gesteins abtragen. Außerdem verschwinden die Gletscher.

Auch für Bergsteiger wird das Ganze natürlich Konsequenzen haben. Auf Grund der genauen Messungen im Inneren des Berges kann ziemlich genau erkannt werden, an welchen Stellen die höchste Felssturz-Gefahr besteht. Dort werden dann neue Gefahrenbereiche markiert, die Besucher nicht mehr betreten dürfen.


Die Zugspitze ist mit 2962 Metern der höchste Berg Deutschlands.
© Wikipedia / Kauk0r / CC BY-SA 3.0

Nicht nur für die Zugspitze ist der auftauende Permafrost eine große Gefahr – auch für uns Menschen. Auf der Nordhalbkugel nimmt der Permafrost rund ein Viertel der gesamten Landfläche ein. Und wenn er verschwindet, gibt es Probleme. Permafrost-Gebiete befinden sich größtenteils in der Polarregion, in Russland, Alaska, Kanada, Grönland und teilweise in China. In Deutschland gibt es ihn fast nur auf der Zugspitze.

In den Permafrost-Regionen sind viele Siedlungen, Straßen und Flughäfen auf den dauerhaft gefrorenen Boden gebaut. Taut das Eis im Untergrund auf, werden Verkehrswege und Gebäude unvermeidbar ihre Untergrundstabilität verlieren.

Der Klimawandel lässt also auch die eisigsten Regionen nicht kalt. Seine Auswirkungen sind enorm. Deswegen müssen wir jetzt endlich etwas dagegen tun.

„Save the Ice“ war das Motto der Green Seven Week 2017. Unser Reporter Stefan Gödde war unterwegs, um die Folgen des Klimawandels mit eigenen Augen zu sehen:

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