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Junger Mann mit Long Covid

Long Covid: Mögliche Ursachen, Symptome und was dagegen hilft

Genesen, aber nicht gesund? In der Forschung zu Long Covid gibt es neue Erkenntnisse. Was hinter dem Post-Covid-Syndrom steckt und welche Behandlungen es gibt. Im Clip erzählt Kickbox-Weltmeisterin Marie Lang, wie sie sich nach ihrer Infektion zurück ins Leben kämpfte.
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Das Wichtigste zum Thema Post-Covid-Syndrom

  • Nach 2 Wochen ist eine Corona-Infektion meistens überstanden - doch was, wenn auch danach noch Beschwerden bleiben? Einige Menschen, die eine Covid-19-Erkrankung eigentlich überstanden haben, klagen über bleibende Symptome.

  • Die Spätfolgen einer Corona-Erkrankung werden auch Post-Covid-Syndrom oder Long Covid genannt. Es verursacht unterschiedliche Beschwerden, etwa Müdigkeit oder eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Weiter unten findest du den Überblick.

  • Was können Betroffene tun? Welche Behandlungs-Möglichkeiten gibt es? Wir haben mit einem Experten gesprochen.

Post-Covid-Syndrom: Was ist das?

Bei einem milden Verlauf dauert eine Corona-Infektion im Schnitt 2 bis 3 Wochen, bei schwereren Verläufen auch schon mal doppelt so lange.

Wenn Wochen oder Monate nach der akuten Corona-Erkrankung noch immer Symptome festgestellt werden oder überhaupt erst auftauchen, sprechen Wissenschaftler:innen vom Post-Covid-Syndrom. Im englischen Sprachraum wird der Begriff "Long Covid" genutzt.

Dieser Begriff deckt einen Zeitraum von ungefähr 9 Monaten ab. Zum Vergleich: Chronische Erkrankungen gehen über viele Jahre. Ob Patientinnen und Patienten mit Post-Covid-Syndrom auch noch in ein paar Jahren darunter leiden, ist noch nicht bekannt.

Die Post-Covid-Symptome und ihre Ursachen sind bislang nur wenig erforscht - es gibt aber viele Berichte aus der Praxis.

Führen veränderte Blutzellen zu Long Covid?

  • 🔎

    Forschende des Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin in Erlangen konnten in einer Studie womöglich die Ursache für Long Covid entschlüsseln.

  • 🩸

    Der Verdacht der Wissenschaftler:innen: Covid-19 verändert die biomechanischen Eigenschaften - also die Größe und Steife - der roten und weißen Blutkörperchen. Teils sogar über Monate.

  • 🤔

    Die Verformung der Zellen deutet laut den Forschenden auf eine Schädigung der Blut-Zellen hin.

  • Das könnte auch erklären, warum Covid-19 teils die Blut-Zirkulation beeinflusst, gefährliche Gefäß-Verschlüsse entstehen können und der Sauerstoff-Transport im Blut eingeschränkt ist.

  • 🧪

    Für die Studie wurden rund 4 Millionen Blut-Zellen von akut Erkrankten, Genesenen und Gesunden untersucht. Da insgesamt nur 55 Menschen Teil der Studie waren, bedarf es weiterer Forschung.

  • 💡

    Dennoch könnten die Erkenntnisse bei der Vorsorge, beim Verstehen und der Behandlung von Long Covid helfen.

Post-Covid-Symptome: Diese sind bekannt

Die häufigsten Symptome, die Patientinnen und Patienten nach einer Corona-Infektion angeben, sind laut Prof. Dr. Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am Uniklinikum Jena (UKJ):

  • chronische Müdigkeit, auch "Fatigue" (frz.) genannt
  • Schlafstörungen
  • Konzentrations-Mangel
  • eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit
  • Atemnot bei körperlicher Belastung
  • Beschwerden im Magen-Darm-Trakt 
  • Depressionen
  • Kopfschmerzen
  • Geschmacks- und Geruchsverlust

Befunde eines 6-Minuten-Gehtests - also wie weit ein Mensch in 6 Minuten altersabhängig gehen kann - würden zeigen, dass ein Viertel der Post-Covid-Patient:innen in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt sind. Das würde man beispielsweise schon beim Treppensteigen merken.

Bist du betroffen? Das kannst du tun

Solltest du auch von Corona-Langzeitfolgen betroffen sein, reicht in der Regel ein regulärer Termin bei der Hausärztin oder dem Hausarzt, um sie zu behandeln. Denn: Hausärztin oder Hausarzt sind die besten Vermittler.

Alternativ kannst du dich direkt an Post-Covid-Ambulanzen wenden.

Lediglich bei akuten Beschwerden wie beispielsweise Bewegungs- oder Sprachstörungen geht's direkt in die Notaufnahme eines Krankenhauses.

Wer ist vom Post-Covid-Syndrom betroffen?

  • 📚

    In Deutschland gibt es bislang keine verlässlichen Daten zur Zahl von Patientinnen und Patienten mit Langzeit-Folgen, dafür aber welche aus der wissenschaftlichen Literatur, etwa aus China oder Großbritannien. Demnach sind etwa 70 Prozent der zu behandelnden Personen, die schwer an Covid-19 erkrankt waren und stationär behandelt werden mussten, von Langzeitfolgen betroffen.

  • 😌

    In 80 Prozent der Fälle verläuft eine Sars-Cov-2-Infektion allerdings mild bis moderat.

  • 👨‍⚕️

    In der Post-Covid-Ambulanz in Jena schätzt Klinikleiter Prof. Stallmach: 50 bis 60 Prozent der stationär behandelten Covid-Patient:innen leiden unter Langzeitfolgen.

  • 😷

    Eine britische Studie kam zu dem Ergebnis, dass jede:r Dritte Erkrankte mit Corona-Symptomen Long Covid entwickelt.

  • 🛏

    Bei jenen, die die Infektion zu Hause überstanden haben, liege der Anteil der Langzeitfolgen bei etwa 20 Prozent

Wie können Menschen mit Langzeitfolgen behandelt werden?

Mittlerweile gibt es Post-Covid-Ambulanzen in vielen deutschen Städten. Der Vorteil: Hier arbeitet ein Netzwerk von Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, unter anderem aus der Inneren Medizin, Neurologie, Psychologie, Augenheilkunde und der Hals-Nasen-Ohren-Medizin.

So läuft eine Behandlung ab

🔍 Erstkontakt: Identifizierung des Problems.

📞Weiterleitung an eine Spezialistin oder einen Spezialisten.

📑 Entwicklung eines individuellen Behandlungsplans.

Das solltest du dir merken

  • 😮

    Angst ist ein schlechter Ratgeber. Schlagzeilen wie "Post Covid ist wie ein Waldbrand, der den Körper zerstört" machen Angst - treffen aber nur auf ganz wenige Fälle zu.

  • Das heißt aber nicht, dass du Langzeitfolgen ignorieren solltest. Höre auf deinen Körper.

  • 👩‍⚕️

    Der beste Weg: Geh bewusst mit deinen Symptomen um, wende dich an deine Hausärztin oder deinen Hausarzt und lasse dich beraten.

  • 💬

    Selbsthilfe hilft: Es gibt Selbsthilfe-Gruppen, in denen sich Post-Covid-Betroffene austauschen können.

  • Bleibe optimistisch: Versuche, die Situation anzunehmen und sie positiv zu gestalten. Es gibt schon viele medizinische Ansätze, die helfen, den Normalzustand wieder zu erreichen.

  • 👍

    Good News: Die allermeisten Covid-Patient:innen berichten, dass die Beschwerden mit der Zeit langsam nachlassen.

Post-Covid-Syndrom: Fragen und Antworten

  • ⁉️

    Muss jede Patientin/jeder Patient mit einer Corona-Infektion Langzeitfolgen befürchten?

    Nein. Betrachtet man die Gesamtzahl aller Corona-Patient:innen, liegt der Anteil der Erkrankten mit Langzeitfolgen Prof. Stallmach zufolge wahrscheinlich bei 10 bis 20 Prozent. Das ist eine relative Bezeichnung, das heißt: Je mehr sich infizieren, desto größer wird dieser Anteil.

  • ⁉️

    Wer ist besonders gefährdet?

    Je größer die Zahl von Begleit-Erkrankungen ist, desto größer ist die Gefahr für Langzeitfolgen. Das heißt: Bei einem 70-Jährigen Patienten mit einer Störung der Lungenfunktion ist das Risiko für Langzeitfolgen viel größer als bei einem gesunden Menschen.

  • ⁉️

    Sind Corona-Langzeitfolgen bei jungen Menschen unwahrscheinlich?

    Nicht unbedingt. Fälle bestätigen, dass auch junge, sportliche Menschen mit einem starken Immunsystem von Langzeitfolgen betroffen sein können.

  • ⁉️

    Verursachen auch andere Infektionen Langzeitfolgen?

    Ja, auch nach anderen Atemwegs-Infektionen, die durch Viren oder Bakterien verursacht werden, können Patient:innen chronisch erkranken, meint der schwedische Immunologe Hans-Gustav Ljunggren. Im Fall von Covid-19 sei auffällig, dass die meisten Betroffenen sehr spezielle Symptome haben - und die seien sehr unterschiedlich.

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Veröffentlicht: 29.06.2021 / Autor: Viviane Osswald