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Impfpass mit Corona-Impfung

Corona: Warum sich manche Geimpfte infizieren und sich die Impfung trotzdem lohnt

Die Corona-Impfungen schützen sehr gut vor schweren Krankheits-Verläufen. Aber auch vollständig Geimpfte infizieren sich vereinzelt. Wie gefährlich und häufig so ein Impf-Durchbruch ist, wie ansteckend infizierte Geimpfte sind - und warum sich Impfen immer noch lohnt. Im Clip klären wir, was die Impfstoffe unterscheidet.
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Impf-Durchbruch: Das Wichtigste zum Thema

  • Die vollständige Corona-Impfung schützt extrem gut vor schweren Verläufen und Todesfällen. Aber: Wie andere Impfungen auch schützt sie nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion und Erkrankung.

  • Das heißt, vollständig Geimpfte können sich mit dem Corona-Virus infizieren. Das passiert aber sehr selten. In Deutschland betraf das bisher nur rund 0,03 Prozent der vollständig Geimpften.

  • Die infizierten Geimpften zeigen meist keine oder nur milde Symptome. Schwere Verläufe oder Todesfälle kommen bei ihnen selten vor - und wenn, betrifft es vornehmlich Menschen mit einem geschwächten Immunsystem in der Regel aufgrund hohen Alters und/oder Vorerkrankungen.

  • Impfungen bleiben ein wirksames Mittel im Kampf gegen die Pandemie. Es sollten sich zum eigenen Schutz und zum Schutz aller noch viel mehr Menschen impfen lassen.

  • Allerdings müssen zusätzlich andere Maßnahmen (Masken, Hygiene-Regeln, Kontakt-Beschränkungen, Tests) erhalten bleiben, um die Zahl der Neu-Infektionen gering zu halten.

Wie hoch ist der Impfschutz?

BioNTech und Moderna sollen laut Zulassungs-Studie zu 95 Prozent vor Corona mit Symptomen schützen, AstraZeneca zu 80 Prozent und Johnson & Johnson zu 65 Prozent. Die Werte beziehen sich auf eine vollständige Impfung und das ursprüngliche Corona-Virus.

Diese Prozent-Zahlen machen deutlich, dass die meisten Geimpften sehr gut vor Corona geschützt sind, sich aber wahrscheinlich wenige Geimpfte dennoch infizieren werden.

49,4 Millionen Menschen in Deutschland waren am 24. August 2021 vollständig geimpft - also 59,4 Prozent der Gesamt-Bevölkerung.

Die Corona-Impfstoffe im Vergleich

Corona-Impfstoffe im Vergleich

Hinweis: Eine dritte Impfung mit einem mRNA-Impfstoff ist für ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen bald geplant.

Wirksamkeit der Impfungen gegen die Delta-Variante

Die zugelassenen Corona-Impfstoffe schützen auch bei einer Infektion mit der Delta-Variante sehr gut vor einem schweren Verlauf, der im Krankenhaus behandelt werden muss. Laut Daten der britischen Gesundheitsbehörde schützt 2-mal BioNTech zu 96 Prozent und 2-mal AstraZenca zu 92 Prozent. Vor der Infektion mit Delta an sich schützen sie aber schlechter: 2-mal BioNTech nur zu 88 Prozent und 2-mal AstraZenca nur zu 67 Prozent.

Laut noch nicht wissenschaftlich geprüften Daten aus Israel soll eine zweimalige Impfung mit BioNTech - insbesondere wegen Delta - nur noch zu 39 Prozent vor einer Infektion schützen, vor einem schweren Verlauf aber immer noch zu 91 Prozent. Über 60-Jährige sollen jedoch nur zu 81 Prozent vor einem schweren Verlauf geschützt sein - ihnen bietet Israel aktuell eine dritte Impfung an.

Das Problem mit der Delta-Variante

Aktuell steigen die Corona-Zahlen weltweit und auch in Deutschland wieder. Dafür verantwortlich ist in erster Linie die hierzulande mit 99 Prozent dominierende Delta-Variante.

Delta ist hochansteckend, führt zu einer höheren Virus-Last, zu schwereren Verläufen, häufigeren Todesfällen - und öfter zu Impf-Durchbrüchen.

Warum schützen die Impfungen nicht jeden zu 100 Prozent? Welche Geimpften infizieren sich?

  • 👃

    Die Corona-Viren gelangen über Mund und Nase in den Körper. Sie vermehren sich dann zuerst stark in den oberen Atemwegen. Bei einigen Geimpften schafft es das Immunsystem nicht, dort die Viren vollständig zu bekämpfen. Dann können die Erreger in die tieferen Atemwege wandern und mitunter andere Organe befallen.

  • 🤒

    Generell reagiert das Immunsystem verschiedener Menschen unterschiedlich auf Impfungen - so auch bei der Corona-Impfung. Deutlich wird dies schon bei der Impf-Reaktion kurz nach dem Stich. Manche spüren gar nichts, andere haben Kopfweh, wieder andere Fieber und ein schweres Krankheits-Gefühl.

  • 📉

    Studien zeigen, dass der Impf-Schutz der Corona-Vakzine wahrscheinlich in allen Altersgruppen bereits nach einigen Monaten nachlässt. Besonders die Menge der neutralisierenden Antikörper scheint zu sinken. Deshalb ist eine dritte Impfung geplant. Die Auffrischungs-Impfung soll den Immun-Schutz wieder stärken.

  • 👴

    Kommt es trotz Impfung zu einer Infektion (und zu einem schweren Verlauf), betrifft das vornehmlich Menschen mit einem geschwächten Immunsystem: Alte, Menschen mit Vorerkrankungen wie Herz-, Lungen- oder Nieren-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, Krebs oder nach einer Organtransplantation.

  • 3️⃣

    Diese Personen-Gruppe zeigt generell eine schwächere Immun-Antwort auf Impfungen. Nach der Corona-Impfung bildet ihr Körper oft weniger schützende Antikörper und T-Zellen. Auch ist der Impf-Schutz nicht so lang anhaltend wie bei jungen, gesunden Menschen. Hinzu kommt, dass diese Gruppe schon zu Beginn des Jahres geimpft wurde und somit der Impf-Schutz aufgrund der langen Zeit bei ihnen bereits geringer ist. Deshalb sollen sie als Erstes eine dritte Impfung erhalten.

  • 👉

    Übrigens: Da die Kombination aus Vektor-Impfstoff und mRNA-Impfstoff wohl einen besseren Impf-Schutz bietet als der Vektor-Impfstoff alleine, soll allen vollständig Geimpften unabhängig vom Alter, die AstraZeneca oder Johnson & Johnson bekamen, eine weitere Impfung mit einem mRNA-Impfstoff angeboten werden. Die geringere Wirksamkeit untermauern die aktuell vermehrt gemeldeten Impf-Durchbrüche nach der einmaligen Impfung mit Johnson & Johnson.

Was bei Corona im Körper passiert

Was bei Corona im Körper passiert

Was die Corona-Viren in deinem Körper anrichten und wieso du davon krank wirst, erklären wir im Clip.

Wie häufig sind Infektionen bei Geimpften im Vergleich zu Ungeimpften?

Allgemein sind Impf-Durchbrüche nach vollständiger Impfung sehr selten. Sie traten bisher nur bei circa 0,03 Prozent der vollständig Geimpften in Deutschland auf.

13.360 Impf-Durchbrüche wurden seit 1. Februar 2021 bis zum 17. August vom Robert Koch-Institut erfasst. Zur Einordnung: Mitte August waren etwa 48 Millionen Menschen in Deutschland bereits vollständig Geimpften.

Die Anzahl der Impf-Durchbrüche bei den verschiedenen Impfstoffen:

  • 9.251 nach 2-mal BioNTech (Hinweis: Die Zahl bei BionNTech ist so hoch, weil mit Abstand die meisten Menschen in Deutschland damit geimpft wurden.)
  • 525 nach 2-mal Moderna
  • 896 nach 2-mal AstraZeneca
  • 1.936 nach Johnson & Johnson (Hinweis: Diese Zahl ist relativ hoch, da im Vergleich zu den anderen Impfstoffen wenig Menschen in Deutschland mit Johnson & Johnson geimpft wurden.)
  • 752 ohne Angabe

Die meisten Impf-Durchbrüche sind auf die Delta-Variante zurückzuführen, gefolgt von der Alpha-Variante.

Wie hoch ist die Impf-Effektivität?

  • Vergleicht man die Zahl der Corona-Fälle unter Ungeimpften und vollständig Geimpften, kann man die Wirksamkeit der Impfung abschätzen, die sogenannte Impf-Effektivität. Und die ist bei den Corona-Impfstoffen sehr hoch.
  • Zwischen Anfang Februar und Mitte August wurden etwa 1,6 Millionen Corona-Fälle gemeldet. Die Impf-Effektivität lag in diesem Zeitraum laut Robert Koch-Institut für die 18- bis 59-Jährigen bei rund 88 Prozent und für Personen ab 60 Jahren bei rund 87 Prozent.
  • Laut den RKI-Expert:innen ist das aber nur eine grobe Schätzung, weil zum Beispiel nicht alle Corona-Fälle unter Geimpften bekannt sind.

Wie gefährlich ist eine Corona-Infektion nach vollständiger Impfung?

  • Wichtig: Selbst, wenn sich ein Geimpfter infiziert, verläuft die Erkrankungen fast immer mild oder ohne Symptome. Die Symptome ähneln oft einer Erkältung inklusive laufender Nase, Halskratzen oder leichtem Husten.

  • Ist man nicht geimpft, ist das Risiko für einen mäßigen oder schweren Verlauf, Krankenhaus-Aufenthalt und Tod deutlich höher. Denn selbst wenn der Impf-Schutz aufgrund der abnehmenden Zahl an Antikörper sinkt, ist der Körper den Corona-Viren nicht schutzlos ausgesetzt. Er verfügt immer noch über Gedächtnis-Zellen, die für die Produktion neuer Antikörper sorgen. Und auch T-Zellen sind noch vorhanden. Die unterstützen das Immunsystem bei der Bekämpfung der Viren und können infizierte Zellen teils sogar direkt vernichten.

  • 🧓

    Bei älteren Geimpften, die generell oft Vorerkrankungen haben, treten Impf-Durchbrüche häufiger auf. Diese müssen dann auch öfter ins Krankenhaus. 27 Prozent der infizierten Geimpften in Deutschland mussten zwischen dem 1. Februar 2021 und dem 8. August aufgrund eines schweren Verlaufs stationär behandelt werden: 25 Prozent waren 60 Jahre oder älter und nur 2 Prozent zwischen18 und 59 Jahren.

Wie ansteckend sind infizierte Geimpfte?

Da erst seit Anfang 2021 geimpft wird, gibt es bisher wenig Daten zu Impf-Durchbrüchen. Auch wie ansteckend infizierte Geimpfte sind, ist noch nicht sicher geklärt. Anfangs vermuteten die meisten Forscher:innen, dass Geimpfte das Virus kaum übertragen.

Doch vor allem bei der Delta-Variante scheint dies nicht zuzutreffen: Laut Beobachtungen der US-Seuchenschutz-Behörde und der britischen Gesundheitsbehörde könnten Geimpfte teils so ansteckend sein wie Ungeimpfte. Ihre Virus-Last war ähnlich hoch. Auch in Israel fanden Wissenschaftler:innen bei 74 Prozent infizierter Geimpfter eine hohe Virus-Last.

Allerdings scheint die Virus-Last bei Geimpften deutlich schneller zu sinken als bei Ungeimpften. Demnach wären sie nicht lange sehr ansteckend. Um sichere Aussagen zur Infektiosität Geimpfter zu machen, braucht es noch große Studien.

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Veröffentlicht: 25.08.2021 / Autor: Larissa Melville