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Intensivbetten sind jetzt wichtig: Wie viele es gibt und was sie auszeichnet

Die Zahl der Corona-Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, nimmt seit Anfang Oktober wieder zu. Stehen in Deutschland heute genug Intensivbetten zur Verfügung? Und: Was unterscheidet eine Intensivstation eigentlich von einer normalen.
Intensivstation

Das Wichtigste zum Thema Intensivstationen

  • Patienten auf Intensivstationen brauchen besondere Pflege. Oft schweben sie in akuter Lebensgefahr, zum Beispiel nach einem Unfall oder aufgrund einer Krankheit. Auch Corona verläuft bei einigen Patienten, vor allem bei Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen, so schwer, dass sie auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Im Vordergrund steht hier die künstliche Beatmung.

  • Andere Patienten werden auf der Intensivstation vorsorglich beobachtet und überwacht. Das kann zum Beispiel nach großen Operationen der Fall sein. Das Personal kann bei einer Verschlechterung des Zustand umgehend reagieren.

  • Typische Erkrankungen von Patienten auf Intensivstationen sind: Störung der Atmung, des Herz-Kreislaufsystems, des Wasser- und Elektrolythaushalts oder der Nierenfunktion. Lebensgefahr muss dabei nicht akut bestehen, es reicht, wenn sie zu erwarten ist.

  • Auf interdisziplinären Intensivstation werden Patienten aus allen Fachbereichen behandelt. Es gibt aber auch fachspezifische Intensivstationen wie zum Beispiel die pädiatrische Intensivstation (Patienten im Kindesalter oder Neugeborene) oder neurochirurgische Intensivstationen.

Auslastung der Intensivbetten in Deutschland (Stand: 22.10.2020)

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    Aktuell gibt es 29.657 Intensivbetten in Deutschland.

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    16.012 Behandlungsplätze sichern eine einfache Versorgungsstufe und 13.645 eine hohe. Nur auf letzteren ist eine intensive Beatmung der Patienten möglich.

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    Betten frei: 8.184

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    Betten belegt: 21.473 (14.371 einfache Versorgungsstufe; 7.102 hohe Versorgungsstufe)

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    Covid-19-Patienten: 1.030

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    Von den Covid-19-Patienten intensiv beatmet: 459

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    Gut zu wissen: Innerhalb einer Woche könnten rund 12.600 weitere Intensivbetten zur Verfügung gestellt werden.

Quelle: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin

10 Fragen an eine Krankenschwester

Donnerstag: 10 Fragen an eine Corona-Krankenschwester

10 Fragen an eine Krankenschwester

Gerade in Corona-Zeiten arbeitet das Personal im Krankenhaus extra hart. Die besonders schweren Fälle landen auf der Intensivstation. Wie ist es dort im Moment und hast du Angst, dort zu arbeiten? Wir haben einer Krankenschwester gefragt.

Das Personal auf einer Intensivstation

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    Ärztliches Personal: Auf der Station sollte ein leitender Arzt mit der Zusatzbezeichnung "Intensivmediziner" vorhanden sein. Dieser soll hauptamtlich auf der Intensivstation beschäftigt sein. Für 8 bis 12 Betten sind mindestens 7 Arztstellen zu besetzen.

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    Pflegekräfte: Für zwei Behandlungsplätze ist pro Schicht eine Pflegekraft erforderlich. Der Anteil an qualifizierten Intensiv-Pflegekräften sollte bei etwa 30 Prozent liegen.

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    Sonstiges medizinisches Personal: Physiotherapie, Mikrobiologe (für Infektionskrankheiten), klinischer Apotheker (Medikamente), Fachärzte in der Klinik (auf Abruf).

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    Reinigungskräfte: Hygienebeauftrager, Spezialreinigungspersonal (pro Zimmer sind diese mindestens eine Stunde beschäftigt. Alles muss nass mit Desinfektionsmittel abgewischt werden.)

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    Betreuung von Angehörigen/Patienten: Sozialdienst, Psychologen und Seelsorger bei Sterbefällen, schweren Diagnosen oder schlechten Nachrichten.

Nach Empfehlung des DIVI (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin)

Das braucht das Personal um Patienten zu behandeln

Wie ist eine Intensivstation gebaut?

In Deutschland haben Intensivstationen meistens zwischen 8 und 12 Betten.

Dabei wird zwischen Einzel- und Doppelzimmern unterschieden. Ein Einzelzimmer sollte mindestens 25 Quadratmeter groß sein, ein Doppelzimmer sogar 40 Quadratmeter. So bleibt dem Personal genug Platz, um zu arbeiten.

Die Betten sind häufig nah an anderen wichtigen Einrichtungen in den Krankenhäusern platziert. So kann gewährleistet werden, dass die Patienten im Notfall schnell in den OP gelangen oder auf dem Weg zum Röntgen nicht unnötig lange unterwegs sind.

Außerdem gibt es immer ein Wartezimmer, einen Eingriffsraum (für kleine Eingriffe oder wenn die Zeit für den Weg bis in den OP nicht mehr reicht), Arbeits- und Lagerräume, Büros (zum Beispiel für Ober- oder Stationsärzte) und einen Aufenthaltsraum für das Personal, sowie eine Küche.

Krankenpfleger bekleiden sich mit Schutzkleidung vor dem Besuch in einem Krankenzimmer.

Wie ist die medizinische Ausstattung?

Die medizinischen Geräte sind in 3 Kategorien eingeteilt. Die erste Kategorie beinhaltet Geräte, die an jedem Bett verfügbar sein müssen. Dazu gehören Monitore für verschiedene Anzeigen (siehe Grafik oben), ein Beatmungsgerät mit Überwachungsfunktion, Absaugpumpen für Flüssigkeiten oder Luft und der berühmte Fingerclip.

Außerdem gibt es Geräte, die auf der Station verfügbar und an jedem Bett sofort einsetzbar sind. Die Liste der Empfehlungen ist lang, deswegen hier eine kurze Zusammenfassung: verschiedene weitere Geräte, um bei der Atmung zu helfen, ein Ultraschallgerät, ein mobiles Röntgengerät sowie ein sogenannter Notfallwagen, der unter anderem einen Defibrillator enthält.

Neben den medizinischen Geräten gibt es auch Wärmedecken, Spezialmatratzen und Kühlvorrichtungen. Für verschiedene Fachbereiche kommen noch etliche Geräte dazu.

Eine vollständige Liste mit Empfehlungen findest du hier.

Berlin: Ein Zimmer auf der neu umgebauten Intensivstation der Charité Campus-Klinik für COVID-19-Patienten.

Veröffentlicht: 22.10.2020 / Autor: Alexander Chouzanas