Digitaler Impfpass auf Smartphones angezeigt

Digitales Impfzertifikat: So soll Urlaub in der EU möglich sein

Die EU will Urlaub innerhalb der eigenen Grenzen wieder möglich machen - mit einem "Digitalen Grünen Zertifikat". Was dahinter steckt, erfährst du hier.
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Das Wichtigste zum Thema Europäisches Impfzertifikat

  • In regelmäßigen Abständen besprechen sich die Staats- und Regierungs-Chefs der 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) mit dem Präsidenten des Europäischen Rats und der Präsidentin der Europäischen Kommission beim sogenannten EU-Gipfel.

  • Am 17. März stellte Kommissionschefin Ursula von der Leyen ein Konzept in Brüssel vor, das Hoffnung auf Urlaub im Sommer macht: Reisen in der EU soll wieder möglich sein - mit einem "Grünen Zertifikat" als Nachweis von Impfungen, Tests oder einer überstandenen Covid-Erkrankung. Wie genau das aussehen soll, erfährst du weiter unten.

  • Üblicherweise dauert es Jahre, bis ein EU-Gesetz im Alltag ankommt. Dieses Mal ging es schneller: Das Europaparlament hat sich am 28. April für die Einführung ausgesprochen - mit großer Mehrheit. Das Zertifikat soll bis Juni eingeführt werden und in allen EU-Ländern gelten.

Mehr Bewegungsfreiheit mit dem "Grünen Zertifikat"

Innerhalb Europas wieder reisen können - das wünschen sich viele in den harten Corona-Monaten. Die Einreise-Regeln beschließen die Länder bislang selbst, daher sind sie aktuell recht unterschiedlich. Das soll sich künftig ändern: Mit dem "Digitalen Grünen Zertifikat" sollen die Regeln ein Stück weit vereinheitlicht werden.

Das Konzept hat Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, am 17. März vorgestellt. Es soll den EU-Mitgliedstaaten helfen, verantwortungsvoll und sicher die Reise-Freizügigkeit wiederherzustellen.

Ursula von der Leyen (CDU), Präsidentin der Europäischen Kommission, schlägt ein "Grünes Zertifikat" als Nachweis von Impfungen, Tests oder einer überstandenen Covid-Erkrankung vor. Damit sollen Reisen innerhalb der EU im Sommer wieder möglich sein.


Ursula von der Leyen (CDU) stellt das Konzept des "Grünen Zertifikats" vor. Das Ziel: Bewegungsfreiheit in der EU.
© John Thys/dpa

Am Mittwoch hat nun eine große Mehrheit im Europa-Parlament für die Einführung des EU-weiten Impfzertifikats gestimmt. Kommissionspräsidentin von der Leyen sprach auf Twitter von einem wichtigen Schritt hin zu freiem und sicherem Reisen in diesem Sommer.

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Das "Grüne Zertifikat" soll...

  • 📝

    ... neben erhaltenen Impfungen auch die Ergebnisse von negativen PCR-Tests und Schnelltests festhalten. Zudem soll es eine durch Antikörper belegte Immunität nach überstandener Covid-19-Erkrankung vermerken.

  • 📱

    ... vor allem digital sein - als App, die auf Mobilgeräten vorgezeigt werden kann. Vorgesehen ist aber auch die Möglichkeit, den Nachweis auszudrucken.

  • 👩‍💻

    ... einen QR-Code haben, der die Sicherheit des Zertifikats garantiert und Fälschungen verhindert.

  • 💉

    ... von allen EU-Staaten anerkannt werden. Zumindest, wenn Reisende Impfstoffe erhalten haben, die in der EU zugelassen sind. Ob darüber hinaus weitere Vakzine anerkannt werden, etwa der russische Wirkstoff Sputnik V, sollen die einzelnen Staaten selbst entscheiden.

  • 💸

    ... kostenlos erhältlich sein und solange gelten, bis die WHO die Corona-Pandemie für beendet erklärt.

  • ... laut Gesetzes-Entwurf Geimpfte oder negativ Getestete bei Grenz-Übertritten innerhalb der EU von Quarantäne- oder Testpflichten befreien. Das könnte bei den jetzt anstehenden Verhandlungen mit den EU-Mitgliedstaaten noch für hitzige Diskussionen sorgen, denn die wollen sich dies nicht vorschreiben lassen. 

Der digitale Impfpass für Deutschland kommt

In Anlehnung an diesen EU-Ansatz, der den EU-weiten Anerkennungs-Rahmen für digitale Zertifikate für Impfungen, Tests und Genesene regelt, arbeitet das Bundesministerium für Gesundheit aktuell schon an einem digitalen Impfpass für Deutschland. Dieser soll in einigen Wochen starten.

Corona-Situation in Europa: Wie gehen andere Länder vor?

  • 🇬🇧

    Großbritannien: Nach einem langen Lockdown und einer weit fortgeschrittenen Impf-Kampagne hat sich die Lage mittlerweile entspannt. Geschäfte, Fitnessstudios und Zoos sind wieder geöffnet. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist bereits 1 Mal geimpft, ein Viertel sogar vollständig.

  • 🇮🇹

    Italien: Hier gibt es seit kurzem ein paar Lockerungen. Für den 2. Juni peilt Italien den Start der Sommersaison an. Bislang kann man zwar anreisen - dabei gilt aber eine mehrfache Testpflicht - vor und nach der Einreise - sowie eine meist 5-tägige Quarantäne. Mehr als 22 Prozent der Bevölkerung sind mindestens 1 Mal gegen das Coronavirus geimpft.

  • 🇫🇷

    Frankreich: Hier gelten aktuell sehr strenge Regeln: Die Menschen dürfen sich nur mit triftigem Grund mehr als 10 Kilometer von ihrer Wohnung entfernen. Sofern es die Lage zulässt, soll dies Anfang Mai aber aufgehoben werden. Auch über eine Lockerung der Ausgangssperre, die aktuell um 19 Uhr beginnt, wird gesprochen. Rund ein Fünftel der Bevölkerung wurde mindestens 1 Mal geimpft.

  • 🇧🇪

    Belgien: Auch hier gibt es Lockerungen: Seit Montag haben Geschäfte hier wieder ohne Terminvergabe geöffnet, Friseure dürfen wieder arbeiten. Im Freien dürfen sich 10 Personen mit Maske treffen. Ab dem 8. Mai dürfen Restaurants und Bars nach monatelanger Zwangspause wieder ihre Außenbereiche öffnen. Auch die nächtliche Ausgangssperre fällt dann weg. Fast jeder 3. Erwachsene wurde bislang zumindest 1 Mal geimpft.

  • 🇦🇹

    Österreich: Ab 19. Mai dürfen die Gastronomie, Hotels und Co. wieder öffnen. Dabei gelten Tests beim Eintritt als Schutzmaßnahme. In Wien gilt derzeit ein noch strengerer Lockdown. Rund 28 Prozent der Einwohner ab 16 Jahren haben mindestens eine Impfung erhalten. Touristen aus Deutschland brauchen nur mehr negative Tests, Impfungen oder Genesungs-Nachweise.

  • 🇳🇱

    Niederlande: Hier gab es trotz anhaltend hoher Corona-Zahlen erste Lockerungen. So ist die Ausgangssperre abgeschafft, Geschäfte dürfen wieder Kunden ohne Termin empfangen. Rund 30 Prozent der Bevölkerung wurde mindestens 1 Mal geimpft. Von Einreisen wird derzeit aber noch dringend abgeraten. Touristen brauchen bei der Rückkehr einen negativen Corona-Test und müssen in manchen Bundesländern auch in Quarantäne.

Quelle: dpa

Deshalb warnt die WHO vor dem digitalen Impfnachweis

Ginge es nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO), würde sie den geplanten Impfnachweis nicht empfehlen. WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, sagte hierzu: "Wir verstehen, dass Regierungen mit der politischen Realität konfrontiert sind. Trotzdem gibt es ernste Bedenken." Die Gründe: Es sei unsicher, wie lange eine Immunität nach der Impfung tatsächlich anhalte. Außerdem könne ein Impfstoff nicht unbedingt die Ansteckung anderer Menschen verhindern. Weitere Risiko-Faktoren wären Mutationen und stockende Impfkampagnen.

Kluge stellte aber auch eine hoffnungsvolle Pandemie-Prognose auf: 2021 wird laut dem WHO-Regionaldirektor zwar ein weiteres Covid-Jahr mit vielen Einschränkungen. Er rechnet aber damit, dass die Pandemie immer weiter abflacht und ab Anfang 2022 keine "störenden Interventionen" mehr verursacht. Das Virus sei dann zwar nicht komplett verschwunden, der Alltag aber weit näher am früheren Normalzustand.

10 Fragen an einen Impfzentrum-Mitarbeiter

Um einen Einblick zu erlangen, wie die aktuelle Impfsituation sich auf die zuständigen Mitarbeiter:innen eines Impfzentrums auswirkt, haben wir 10 persönliche Fragen gestellt.

Veröffentlicht: 30.04.2021 / Autor: Alexander Duebbert