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Corona-Impfstoff: Galileo-Reporter Peter testet ihn

Die Zulassung eines Corona-Impfstoffs rückt näher. Die US-Firma Moderna startete bereits in die 3. Testphase mit 30.000 Probanden. Wie so eine Studie bei uns aussieht? Galileo-Autor Peter Krainer hat in München als einer der ersten einen Test-Impfstoff erhalten. Im Clip: So war es für ihn.

Das Wichtigste zum Thema Corona-Impfstoff

  • Erst wenn es einen Impfstoff gegen das Corona-Virus gibt und rund 70 Prozent der Bevölkerung immunisiert sind, ist die Pandemie vorbei. Die WHO hofft aktuell auf ein Pandemie-Ende bis 2022. Aktuell laufen über 150 Forschungsprojekte weltweit, und immer mehr Impfstoffe werden an Menschen getestet.

  • Hoffnung machte zuletzt Klaus Cichutek, Präsident des deutschen Paul-Ehrlich-Instituts, das in Deutschland für die Zulassungen von Impfstoffen verantwortlich ist. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland sagte er, er rechne in der Zeit von Ende 2020 bis Anfang 2021 mit Zulassungen für einen Impfstoff.

  • Normalerweise durchläuft ein möglicher Impfstoff verschiedene Testphasen. Hier werden zuerst an Tieren, dann an Menschen die Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen geprüft. Bis zur Zulassung, dauert es Jahre bis Jahrzehnte. Im Falle einer Pandemie kann es aber schneller gehen, wenn Auflagen abgeschwächt und verschiedene Phasen kombiniert werden.

  • Die Entwicklung von Impfstoffen ist sehr komplex und aufwändig. Der Wirkstoff muss dem schädlichen Virus ähnlich sein, damit der Körper dagegen Antikörper bildet. Gleichzeitig darf das Viren-Material im Impfstoff nicht krankmachen.

Ziel Nummer eins: Ein Impfstoff gegen Covid-19

Wie ein COVID-19 Impfstoff entstehen kann

Ziel Nummer eins: Ein Impfstoff gegen Covid-19

Wissenschaftler weltweit eint derzeit das gleiche Ziel: einen Impfstoff gegen das neuartige COVID-19-Virus zu finden. Warum es so schwierig ist, ein Impfstoff zu entwickeln, erfährst du im Video.

US-Firma Moderna testet Impfstoff an 30.000 Menschen

Der Corona-Impfstoff mRNA-1273 wurde als erster an Menschen getestet. Am 16. März bekam ihn die 43-jährige Jennifer Haller als erste Versuchsperson injiziert. Die Tierversuche wurden aufgrund des Zeitdrucks übersprungen.

Gute Nachrichten: Der klinische Test mit Jennifer Haller und weiteren 44 Probanden, die innerhalb von 28 Tagen 2 Dosen des RNA-Impfstoffs bekamen, zeigte gute Ergebnisse. Die Nebenwirkungen waren gering und alle Teilnehmer haben Antikörper gegen Sars-CoV-2 entwickelt.

Auch die Phase-2-Studie mit 600 Probanden verlief erfolgreich. Ende Juli startete deshalb die 3. Testphase mit 30.000 Teilnehmern in den USA. Es ist der erste Corona-Impfstoff-Versuch in solch einer Größenordnung.

Entwickelt wurde die Impfung von der Firma Moderna in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID).


Jennifer Haller ist zweifache Mutter und Betriebsleiterin in einem Software-Unternehmen. Als sie den Aufruf zur Studie sah, bewarb sie sich sofort - sie wollte selbst etwas gegen das Virus tun.
© picture alliance / AP Images

Probanden entwickeln Antikörper

Corona-Impfstoff: Probanden entwickeln Antikörper

Probanden entwickeln Antikörper

Die Biotech-Firma Moderna hat nach der ersten Testphase eines Corona-Impfstoffs gute Nachrichten zu verkünden. Was das nun für uns bedeuten könnte, siehst du im Video.

Impfstoff-Test in Deutschland

Galileo-Autor Peter Krainer war bei einer Phase-1-Studie dabei, in der der neu entwickelte m-RNA-Impfstoff des Pharma-Unternehmens CureVac erstmals in Deutschland an Menschen getestet wurde. Man wollte herauszufinden, wie verträglich der Impfstoff ist, welche Immun-Antwort er hervorruft und welche Dosis nötig ist.

Auch Corona-Patienten waren dabei

Den neuartigen Impfstoff bekamen sowohl Leute, die noch kein Corona hatten, als auch ehemalige Covid-19-Patienten wie Peter verabreicht.

Der Grund: Es gibt Hinweise darauf, dass bei Menschen nach einer Covid-19 Erkrankung die Zahl der Antikörper schnell sinkt. Damit haben sie möglicherweise keinen wirksamen Schutz mehr vor einer erneuten Infektion und bräuchten ebenfalls eine Impfung. Also muss man wissen, wie sie auf den Impfstoff reagieren.

So läuft eine Studie ab

  • Nur gesunde Menschen dürfen teilnehmen. Vorerkrankungen, Rauchen, Medikamenten-Einnahme, Allergien, aber auch Über- und Untergewicht sind Ausschluss-Kriterien.
  • Die Teilnehmer müssen eine 19-seitige Einverständniserklärung unterschreiben. Zusätzlich erklären ihnen die Ärzte, was geplant ist, und beantworten Fragen.
  • Nach der Impfung müssen die Probanden 4 Stunden zur Beobachtung vor Ort bleiben - üblich bei einer Phase-1-Studie, da man noch nicht genau weiß, wie die Test-Substanz wirkt.
  • Nach 4 Wochen bekommen die Teilnehmer eine zweite Impfung. Insgesamt gibt es 10 Kontroll-Termine innerhalb von 13 Monaten.
  • Um herauszufinden, welche Nebenwirkungen auf den Wirkstoff zurückzuführen sind sowie Verträglichkeit und Immunantwort mit ausreichender Sicherheit zu bestimmen, bekommen manche Teilnehmer ein Placebo (Kochsalzlösung).

Würdest du dich sofort impfen lassen?

An diesen Impfstoff-Arten wird geforscht

Die meisten Unternehmen und Forschungs-Einrichtungen tüfteln an einem genbasierten oder Vektor-Impfstoff. Ebenfalls denkbar: Eine Impfung gegen Covid-19 mit einem Tot-Impfstoff. Das steckt hinter den Methoden:

1. Genbasierte Impfstoffe

Sie enthalten bestimmte ungefährliche Gene des neuartigen Corona-Virus. Die sollen den Körper dazu bringen, selbst Virus-Proteine zu produzieren - und die Antikörper dagegen gleich mit.

Vorteil: Diese Form des Impfstoffs kann schnell in riesigen Mengen hergestellt werden. Denn Forscher können das Genmaterial mit technischen Verfahren vervielfachen. Die Produktion von gängigen Lebend- oder Tot-Impfstoffen dauert hingegen Monate, da die Viren erst gezüchtet werden müssen.

Aber: Bis jetzt ist weltweit kein einziger genbasierter Impfstoff zugelassen!

2. Vekor-Impfstoffe

Bei diesem Verfahren nutzt man für den Menschen harmlose Viren. Sie vermehren sich im Körper, machen aber nicht krank.

Der Trick: Man fügt bestimmte Gene des neuartigen Corona-Virus ins Erbgut dieser Viren ein. Dadurch bilden die Vektor-Viren Strukturen, die jenen des echten Corona-Virus gleichen. Dem Körper wird so eine Covid-19-Infektion vorgetäuscht - und er produziert Antikörper.

Bisher gibt es aber nur einen zugelassenen Vektor-Impfstoff - den gegen Ebola.

3. Tot-Impfstoffe

Sie enthalten abgetötete Viren oder auch nur Teile davon. Zugelassene Präparate gibt es zum Beispiel gegen Grippe oder Hepatitis B.

Man wird nicht krank, aber der Körper produziert entsprechende Antikörper. Auch im Hinblick auf Corona gibt es hier vielversprechende Ansätze.

Vorteil: Es ist die bisher gängigste und bewährteste Methode.

Forscherin


Eine Forscherin untersucht SARS-CoV-2
© picture alliance / imageBROKER

Vom Labor in die Apotheke: Diese Phasen durchläuft ein Impfstoff

  • Genaue Untersuchung des Krankheitserregers: Wie ist er aufgebaut? Was bewirkt er in unserem Körper?
  • Design des viralen oder bakteriellen Materials: Was vom Krankheitserreger eignet sich am besten? Welche Zusatzstoffe sind nötig, damit die Impfung wirkt?
  • Vorklinische Phase mit Tierversuchen: Wie wirksam und verträglich ist der Impfstoff bei Tieren?
  • Klinische Phase mit Versuchen an Menschen: Wie verträglich und sicher ist der Impfstoff bei Menschen? Gibt es Nebenwirkungen? Wie wirksam ist der Impfstoff? Welche Dosis ist nötig?
    • Phase I - kleine Gruppe Freiwilliger
    • Phase II - mehrere tausend Menschen
    • Phase III - bis zu 20.000 Menschen
  • Zulassungsverfahren bei der europäischen Zulassungsbehörde (EMA) und dem deutschen Paul-Ehrlich-Institut (PEI).
  • Massenproduktion und Impfung.
  • Ist der Impfstoff auf dem Markt, müssen Ärzte Komplikationen melden. Wenn sich die häufen, wird dem Impfstoff die Zulassung entzogen.

Mögliche Wege, die den Prozess beschleunigen: Phasen kombiniert werden (I/II und II/III), mehrere Studien können in der klinischen Phase parallel laufen. Außerdem können Impfstoffe nach der klinischen Phase ohne Zulassung genutzt werden oder Teile der Entwicklungsphasen übersprungen werden.

Und bis es soweit ist: Hilft eine Tuberkulose-Impfung?

Den Impfstoff VPM1002 gegen Tuberkulose (bakterielle Erkrankung) wollen Forscher des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie jetzt gegen das Corona-Virus in einer großen Phase-III-Studie an älteren Menschen und Beschäftigten im Gesundheitswesen testen.

Er macht nicht gegen das neuartige Corona-Virus immun, könnte aber das Immunsystem aktivieren, sodass es die Viren besser bekämpfen kann.

Ziel: Ein geringeres Risiko für schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle. Dies würde auch das Gesundheitssystem entlasten, bis ein Corona-Impfstoff auf den Markt kommt.

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Robert Koch, Edward Jenner und Emil von Behring haben durch ihre Arbeit vielen Krankheiten ihren Schrecken genommen. Im Clip siehst du, wodurch sie unzählige Menschen gerettet haben.

Auch gegen diese Krankheiten wird aktuell ein Impfstoff gesucht

  • 🌏

    Malaria

  • 🥩

    Hepatitis E

  • 🙇‍♂️

    Helicobacter pylori

  • 🦀

    Krebs

  • 🧠

    Alzheimer

  • 👣

    Multiple Sklerose

Veröffentlicht: 24.08.2020 / Autor: Larissa Melville