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Superspreader: Wie sie die Corona-Ausbreitung beschleunigen

Feiern trotz Quarantäne - der Fall im bayrischen Garmisch-Partenkirchen zeigt: Ansteckung ist nicht gleich Ansteckung. Welche Rolle "Superspreader" spielen und welche rechtlichen Konsequenzen beim Verstoß gegen Quarantäne drohen, liest du hier.
Menschenmenge in einem Durchgang

Darum geht's genau

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    Bei der Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie Covid-19 spielen sie eine große Rolle: die Superspreader. Das sind einzelne Personen, die den Erreger besonders stark verbreiten.

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    Während die meisten Infizierten die Viren oder Bakterien nur in einem begrenzten Rahmen, wie an Freunde oder enge Verwandte übertragen, führen Superspreader zu viel mehr Ansteckungen und beschleunigen die Ausbreitung einer Krankheit enorm.

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    Das passierte auch im bayrischen Garmisch-Partenkirchen: Eine 26-jährige US-Amerikanerin war trotz Symptomen und angeordneter Quarantäne im Nachtleben unterwegs - und steckte mehr als 30 Personen mit dem Corona-Virus an.

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    Aber wie das? Der Dispersionsfaktor k gibt dabei Aufschluss: Während der Reproduktionsfaktor r die durchschnittliche Verbreitung angibt, bezeichnet der k-Wert das Ungleichgewicht der Weitergabe.

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    Es gilt: Je niedriger k ist, desto kleiner ist die Gruppe, auf die die Verbreitung zurückzuführen ist.

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    Bei vielen Krankheiten, wie etwa der Grippe, spielen Superspreader kaum eine Rolle, und der k-Wert liegt dementsprechend um 1. Bei dem Wert 1 verteilen alle Infizierten den Erreger gleich stark.

Frage des Tages: Welchen Effekt haben Superspreader? Das sagt die Forschung weltweit

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    Laut dem Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité spielen Superspreader womöglich eine entscheidende Rolle bei der Corona-Pandemie. Während viele Infizierte gar keine oder nur eine Person anstecken, geben Superspreader das Virus oftmals an 10 oder mehr Menschen weiter.

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    Ein Forscher-Team der University of Califonia in Los Angeles ermittelte bei dem Sars-Virus von 2002/2003 einen k-Wert von 0,16. Dieser Erreger ist eng mit dem aktuellen Corona-Erreger Sars-Cov-2 verwandt - und bei ihm spielten Superspreader also eine große Rolle.

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    Bei der aktuellen Pandemie lösten einer Studie aus Hongkong zufolge etwa 20 Prozent der Infizierten 80 Prozent der Erkrankungen aus - und gehörten somit zur Gruppe der Superspreader.

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    Noch laufende Studien aus anderen Ländern deuten sogar einen k-Wert von nur 0,1 an. Dann wäre der Einfluss von Superspreadern noch größer.

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    So lässt sich der k-Wert 0,1 verdeutlichen: Von 10 Infizierten stecken 9 nur jeweils eine weitere Person an. Der Zehnte jedoch infiziert 10 weitere Menschen.

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    Das Weltwirtschafts-Institut in Kiel vermutet, dass die rasche Verbreitung von Covid-19 in Europa maßgeblich auf eine Après-Ski-Party im österreichischen Ischgl zurückzuführen ist.

Feiern trotz Quarantäne - was passiert, wenn du dich nicht an die Regelungen hältst?

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    In Garmisch-Partenkirchen wurde eine junge Frau zur Superspreaderin. Als Reise-Rückkehrerin aus Griechenland - und aufgrund ihrer Symptome - wurde sie auf das Virus getestet.

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    Bis das Testergebnis da ist, musste sie in Quarantäne, war stattdessen aber in verschiedenen Bars unterwegs. Kurze Zeit später kam das Testergebnis: positiv - genau wie bei über 30 weitere Menschen, die sie angesteckt hatte.

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    Jetzt droht der Superspreaderin eine Strafe. Die Höhe steht noch nicht fest, doch es wird teuer - das zeigt ein Blick ins Gesetzbuch:

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    Die Quaratäne-Bestimmungen fallen unter § 30 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG). Verstöße können rechtlich als (versuchte) Körperverletzung eingestuft und mit Bußgeldern bis zu 25.000 Euro sowie Freiheitsentzug bis zu 5 Jahren geahndet werden.

Für Superspreading bei Corona sind mehrere Faktoren entscheidend

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    Viruslast: Die Erreger sind bei jedem Menschen anders verteilt. So stoßen manche Menschen mehr Viren aus und sind somit ansteckender als andere.

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    Zeitpunkt: Die Forschung geht aktuell davon aus, dass eine infizierte Person circa einen Tag vor den ersten Symptomen am ansteckendsten ist - in diesem Zeitraum ist eine Infektion besonders wahrscheinlich.

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    Verhalten spielt eine entscheidende Rolle: Wer die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie befolgt, kann nicht zum Superspreader werden, deshalb: soziale Kontakte meiden, Hygiene-Vorschriften beachten und bei Verdacht in häusliche Isolation begeben.

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    Beruf: Je nach Tätigkeit ist das Ansteckungsrisiko verschieden. Menschen, die beruflich viele Kontakte haben, sind besonders gefährdet, sich anzustecken oder selbst zum Superspreader zu werden.

Tipps gegen das Superspreading

  • Schütze dich und andere: Achte auf die aktuellen Vorschriften, um dich nicht zu infizieren oder zum Ansteckungsrisiko zu werden.

  • Wenn du Symptome feststellst, bleib lieber zu Hause, lasse dich testen und informiere dein Umfeld.

  • Vermeide Menschenansammlungen, vor allem in geschlossenen Räumen. Situationen, in denen viel gesprochen oder gesungen wird, bedeuten erhöhtes Infektions-Risiko.

  • Wenn du beruflich viel mit Menschen zu tun hast, achte besonders auf die Abstands- und Hygiene-Regeln.

Das solltest du dir merken

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    Superspreader stecken überdurchschnittlich viele Menschen an und sind ein entscheidender Faktor bei der Verbreitung des Corona-Virus. Prinzipiell kann jeder zum Superspreader werden. Halte dich deshalb immer an die Abstands- und Hygieneregeln.

Veröffentlicht: 14.09.2020 / Autor: Nanouk Hoepner