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Teil-Lockdown wird bis Januar verlängert: Die Regeln im Überblick

Bundeskanzlerin Merkel und die Länderchefs haben über das weitere Vorgehen im Kampf gegen Corona beraten. Klar ist: Wir müssen uns auf weitere strenge Auflagen im Dezember einstellen - vor allem was die Zahl der Kontakte angeht. Für Weihnachten und Silvester gibt es Zwischen-Regeln. Was gilt jetzt? Der Überblick.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), zu Beginn der Videokonferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder sowie Mitgliedern der Bundesregierung über den Kurs im Kampf gegen die Corona-Pandemie bis zum Jahresende.

Das Wichtigste zum Thema Corona-Gipfel

  • Wie geht es weiter im Kampf gegen Corona? Dazu haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch (2. Dezember) beraten. Der Teil-Lockdown wird bis zum 10. Januar verlängert.

  • Merkel verwies bei den Beratungen darauf, dass man im Durchschnitt noch weit vom Ziel entfernt sei, zu einer Inzidenz von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen 7 Tagen zu kommen.

  • Die Gesundheitsämter hatten innerhalb eines Tages nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstag in Deutschland 22.046 neue Fälle übermittelt. Die Zahl ist nur knapp unter dem Niveau eine Woche zuvor.

  • Welche Regeln gelten aktuell? Wie sieht's an Weihnachten und Silvester aus? Weiter unten findest du den Überblick.

  • Am 4. Januar wollen Bund und Länder dann darüber beraten, wie es weitergehen soll.

Verlängerung der Corona-Maßnahmen

Seit 2. November gilt in Deutschland der Teil-Lockdown - Kneipen, Restaurants oder Kultur- und Freizeiteinrichtungen müssen eine weitere Zwangspause einlegen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilte nach den Beratungen mit den Ministerpräsidenten der Länder mit, dass der geltende Teil-Lockdown verlängert wird.

"Im Grundsatz bleibt der Zustand, wie er jetzt ist, mit Ausnahme natürlich der Weihnachtsregelungen, die noch extra getroffen wurden", sagte Merkel nach den Beratungen.

Verlängerung - bis wann?

  • 📅

    Der geltende Teil-Lockdown wird bis zum 10. Januar bundesweit verlängert.

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    Ab einer Inzidenz über 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen soll es zusätzliche Einschränkungen geben. Dazu zählen zusätzliche Regelungen im Bereich der Schulen sowie weitergehende Kontakt-Beschränkungen.

Feiern und Freunde treffen: Wo die Grenzen sind

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    Alle sind aufgerufen, jeden nicht notwendigen Kontakt zu vermeiden und möglichst zu Hause zu bleiben.

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    Private Zusammenkünfte mit Freunden, Verwandten und Bekannten sind auf den eigenen und einen weiteren Haushalt - in jedem Fall auf 5 Personen zu beschränken. Eine Ausnahme gilt für Kinder bis 14 Jahren.

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    Auch auf nicht notwendige private Reisen oder touristische Tagestouren sollen die Bürger verzichten.

  • 🚄

    Für Menschen, die dennoch reisen müssen, sehen Bund und Länder mehr Platz in den Zügen vor. Dafür sollen die Kapazitäten um mehr als 20 Millionen Platz-Kilometer pro Tag erhöht werden. Als denkbar gilt es, mehr Züge einzusetzen. Die Reservierbarkeit der Sitzplätze soll parallel dazu beschränkt werden.

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    Zur weiteren Vermeidung von Kontakten werden die Arbeitgeber gebeten, unbürokratisch Home-Office zu ermöglichen. Außerdem sollen Arbeitgeber prüfen, ob Betriebe durch Betriebsferien oder großzügige Homeoffice-Lösungen vom 23. Dezember bis 1. Januar schließen können.

Was ist für Weihnachten und Silvester geplant?

Weihnachtstage 🎄

Vom 23. Dezember bis 1. Januar sind Treffen "im engsten Familien- oder Freundeskreis" möglich - unabhängig davon, aus wie vielen Haushalten sie kommen, aber mit maximal zehn Personen insgesamt.

Das Bundesland Berlin macht hier nicht mit. Wegen der hohen Infektions-Zahlen könne es über Weihnachten und Silvester keine Lockerungen der Kontakt-Beschränkungen geben: Es bleibt bei maximal 5 Personen - Kinder unter 12 Jahren zählen nicht mit.

In Baden-Württemberg und Brandenburg werden die Corona-Maßnahmen unmittelbar nach den Weihnachtstagen wieder verschärft, also am 27. Dezember.

Um die Gefahr von Corona-Infektionen im Umfeld der Feierlichkeiten so gering wie möglich zu halten, wird eine mehrtägige Selbstquarantäne vor Weihnachtsbesuchen empfohlen. Die Ministerpräsidenten schlagen vor, das Zeitintervall einheitlich auf eine Regelzeit von 10 Tagen festzulegen. "Mit den nunmehr in größerer Zahl zur Verfügung stehenden Antigen-Schnelltests ist eine testgestützte Verkürzung der Quarantänezeit möglich", heißt es in der Beschluss-Vorlage.

Mit den Kirchen sollen Vereinbarungen für die anstehenden Feierlichkeiten getroffen werden. Als Leitlinie gilt: große Gottesdienste vermeiden.

Silvester 🎆

Silvester-Feuerwerk auf belebten öffentlichen Plätzen und Straßen wird untersagt, um größere Gruppen-Bildungen zu vermeiden. Welche Plätze das sind, bestimmen die örtlich zuständigen Behörden.

Grundsätzlich wird "empfohlen", zum Jahreswechsel auf Böller zu verzichten - ein Verkaufs-Verbot ist aber nicht vorgesehen.

Groß- und Einzelhandel bleibt geöffnet - mit strengeren Auflagen

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    In Geschäften mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern darf sich höchstens eine Person pro 10 Quadratmetern aufhalten.

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    In Geschäften mit einer Verkaufsfläche ab 801 Quadratmetern darf sich höchstens eine Person pro 20 Quadratmeter aufhalten.

  • 🎁

    Aufruf an alle: Weihnachts-Einkäufe sollten wir möglichst auch unter der Woche tätigen.

  • 😷

    Die Maskenpflicht gilt künftig auch vor Einzelhandels-Geschäften und auf Parkplätzen.

Maskenpflicht in Bus, Bahn und

In Bus und Bahn, im Handel sowie in öffentlich zugänglichen Gebäuden gilt eine generelle Maskenpflicht. Genauso auch an Orten unter freiem Himmel, an denen sich Menschen auf engem Raum oder für längere Zeit aufhalten. Welche Orte das sind, legen die zuständigen Behörden fest.

Auch in Arbeits- und Betriebsstätten muss eine Maske getragen werden. Am jeweiligen Arbeitsplatz gilt das nicht, wenn ein Abstand von 1,5 Metern zu einer weiteren Person eingehalten werden kann.

Welche Masken taugen wirklich was?

G-Testet: Maskenpflicht - Welche Masken taugen wirklich was?

Welche Masken taugen wirklich was?

Die Auswahl an Masken ist groß. Doch worin unterscheiden sie sich, wie werden sie geprüft - und welche Maske ist für welchen Zweck die Beste? "Galileo" hat verschiedene Modelle getestet.

Was ist an Schulen geplant?

  • Ein großflächiger Wechsel-Unterricht ist nicht geplant. Die Entscheidung darüber soll weiterhin vor Ort fallen. "Weitergehende Maßnahmen für die Unterrichtsgestaltung" sollen, bei einem Infektions-Geschehen mit einer Inzidenz oberhalb von 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern pro Woche "schulspezifisch" umgesetzt werden, heißt es in dem Beschluss.

  • 🏫

    Sogenannter Hybrid-Unterricht wird nicht verpflichtend, sondern nur als Beispiel für etwaige Zusatzmaßnahmen genannt. Zudem sollen solche Maßnahmen auf Schüler ab der 8. Klasse - ausgenommen der Abschlussklassen - beschränkt bleiben.

  • 🏠

    Positiv getestete Schüler sollen gemeinsam mit ihren Mitschülern sofort in eine 5-tägige Quarantäne geschickt werden. Die Tage am Wochenende zählen mit.

  • 🤒

    Im Beschlusspapier heißt es weiter, die betroffenen Schüler sollen nach 5 Tagen Quarantäne einen Schnelltest machen. Wer negativ ist, darf wieder in die Schule. Wer positiv ist, soll alle 3 Tage erneut getestet werden, so lange bis der Test negativ ausfällt. Offen bleibt, ob es überhaupt genügend Schnelltests für ein solches Vorgehen gibt.

  • 😷

    In Regionen mit deutlich mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in 7 Tagen sollen Schüler ab der 7. Klasse künftig auch im Unterricht Maske tragen. Für Grundschüler, Fünft- und Sechstklässler soll eine solche Pflicht eingeführt werden können.

Wie werden Risikogruppen besser geschützt?

Besonders gefährdete Menschen sollen künftig vergünstigte FFP2-Masken erhalten. Dazu zählen 27,35 Millionen Menschen, darunter 23,7 Millionen Menschen ab 60, Menschen mit Vorerkrankungen, Risikoschwangerschaften oder Übergewicht. Ihnen werden laut Plan insgesamt 15 dieser Masken gegen eine geringe Eigenbeteiligung ausgehändigt. Die Kosten übernimmt der Bund.

Für Pflegebedürftige in Einrichtungen soll es ab dem 1. Dezember 30 Schnelltests pro Monat geben. Je nach Verfügbarkeit wird es noch mehr.

Besuchen solltest du gefährdete Menschen nur dann, wenn du und deine Familienmitglieder frei von Symptomen seid und du dich seit einer Woche in keine Risiko-Situation begeben hast.

Was tun bei Krankheit?

Bei Erkältungs-Symptomen und insbesondere Husten und Schnupfen solltest du dich unmittelbar nach Hause in Quarantäne begeben.

Covid 19 Symptome


Diese Symptome sind laut Robert Koch-Institut häufig bei einer Covid-19-Infektion.
© Galileo

Darauf solltest du achten: 

  • Bleibe 5 bis 7 Tage bis zum Abklingen der Symptome in Quarantäne.
  • Achte darauf, die Distanz zu anderen Mitgliedern deines Hausstandes und insbesondere zu Risikogruppen im Haushalt zu wahren.
  • Die Krankschreibung sollte telefonisch erfolgen - du musst dafür nicht in der Praxis deines Hausarztes erscheinen.
  • Mit dem Arzt sollte auch geklärt werden, ob ein Corona-Test erforderlich ist.

Und was wird aus der finanziellen Unterstützung?

Die November-Hilfen für vom Teil-Lockdown betroffene Firmen und Einrichtungen sollen im Dezember fortgeführt werden. Der Bund plant Finanzhilfen im Umfang von voraussichtlich 17 Milliarden Euro.

Vorgeschlagen wurde auch eine Verlängerung bis Mitte 2021 von Hilfsmaßnahmen für die Kultur- und Veranstaltungswirtschaft, Solo-Selbstständige und die Reisebranche - also Branchen, die absehbar in den kommenden Monaten weiterhin "erhebliche Einschränkungen" hinnehmen müssten.

Corona-Impfung: Merkel warnt vor zu hohen Erwartungen

Merkel warnt davor, anfangs zu hohe Erwartungen an Impfungen zu haben. Im 1. Quartal werde man wahrscheinlich rund 7 Millionen Impfdosen bekommen, und nötig seien 2 Impfungen in einem bestimmten zeitlichen Abstand.

Im 2. Quartal soll schon mehr Impfstoff zur Verfügung stehen und im 3. Quartal dann wahrscheinlich sehr viel.

In der EU sind Zulassungen für 2 Impfstoffe beantragt worden, einer vom Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer sowie vom US-Konzern Moderna.

Quelle: dpa

Veröffentlicht: 03.12.2020 / Autor: Viviane Osswald