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Die verlassene U-Bahn-Station von Omsk: Ein Besuch im schaurigen Untergrund

Die Metro von Omsk führt ins Nirgendwo: Hier erfährst du, warum die Bauarbeiten nach über 25 Jahren eingestellt und Hunderte Millionen Euro verbrannt wurden. Aber in der sibirischen Metropole gibt es auch noch mehr zu entdecken.

Das Wichtigste zum Thema Metro Omsk

  • Der Bau der Metro im Südosten von Omsk begann 1992. Geplant war ein U-Bahn-Netz aus 4 Linien, doch es wurde nie fertiggestellt.

  • 2011 eröffnete die mit Marmor verkleidete Station "Puschkin-Bibliothek", die nun als Fußgängerunterführung dient. Drumherum liegt alles brach, die Bauten werden nur noch konserviert.

  • Finanzkrisen und Korruption sollen das Mega-Projekt zum Scheitern gebracht haben. Man schätzt, dass bislang rund 650 Millionen Euro in den sibirischen (Alb-)Traum investiert wurden.

  • Betreten auf eigene Gefahr! Wer in die Schächte hinabsteigt, trifft auf düstere Tunnel, Wasser, Müll und in der kalten Jahreszeit auf Eis.

  • Untergrund-Fans, sogenannte Digger, erkunden immer wieder die Welt unter Omsk. Einige von ihnen stellen ihre Fotos und Videos hinterher ins Internet.

  • 2016 führte Russland allerdings ein "Anti-Digger-Gesetz" ein. Seither kann das Eindringen in ein unterirdisches Objekt mit Geld- und Haftstrafen geahndet werden.

Hier sind die Digger in der Geister-Metro unterwegs

City-Trip: Wenn du (mal) nach Omsk kommst, solltest du das hier nicht verpassen

Kunst gucken im "Vrubel"
Das Museum der Schönen Künste, benannt nach dem in Omsk geborenen Maler Mikhail Vrubel (1856 - 1910), beherbergt die größte Kunstsammlung Sibiriens. Unter den rund 30.000 Exponaten sind berühmte Werke von Vrubel, Lewitan, Makowski und Kandinsky, aber auch antikes Schlossmobiliar und seltenes Porzellan.

Durch den Botanischen Garten spazieren
Die grüne Oase in Omsk punktet mit über 1.300 Pflanzenarten. Im "Glashaus" präsentieren sich etwa 300 Vertreter aus verschiedenen Ländern und Klimazonen: darunter die Japanische Faserbanane, der kalifornische Mammutbaum, südamerikanisches Zuckerrohr, Dattelpalmen, Wasserlilien.

Am Stadtstrand chillen
Ja, in der sibirischen Metropole gibt's einen Sandstrand. Im Sommer sonnt man am Ufer des Flusses Irtysch. Tipp für Entdecker: Es werden auch Bootsfahrten angeboten.

Eine Dostojewski-Tour buchen
Ab 1850 verbüßte Fjodor Dostojewski eine 4-jährige Haftstrafe in Omsk. Der russische Schriftsteller war wegen seiner Kontakte zu revolutionären Kreisen verurteilt worden. Touren führen durch das Gefängnis und die Backsteinfabrik, in der er einst Zwangsarbeit leisten musste.

Shoppen auf der Leninstraße
Auf dem zentralen Boulevard finden sich Mode-, Bücher-, Lebensmittel-, Kunsthandwerks- und Souvenir-Läden. Dazu prachtvolle Gebäude wie das Schauspielhaus (Omskiy Akademicheskiy Teatr Dramy) von 1905.

Omsk


Ostalgie in Omsk: Mittendrin thront das Schauspielhaus im sibirischen Barock-Stil.
© picture alliance / Alexey Malgavko/Sputnik/dpa

Der eisige Halbmarathon in Omsk - ein Rennen für die Harten

Als würde man in einem Gefrierschrank laufen: Der "Sibirian Ice Half Marathon" startet jedes Jahr am 7. Januar in Omsk und ist eines der kältesten Rennen der Welt.

Auf einer Distanz von 21 Kilometern geht es bei frostigen Temperaturen - mitunter auf Eis und Schnee - durch das historische Zentrum der Stadt, vorbei an der Kathedrale und entlang am Fluss Irtysch. Der Kälterekord wurde 2001 aufgestellt, als das Thermometer -42 °C anzeigte.

Ganz toughe Teilnehmer*innen tragen Shorts, manche Männer laufen mit nacktem Oberkörper. Andere wappnen sich mit Funktionskleidung, speziellen Gesichtsmasken aus Gummi, Mützen, Handschuhen und Schuhen mit Spikes.

Omsker Spezialitäten (nicht nur kulinarische)

  • 🌡️

    Im Winter sinken die Temperaturen in der sibirischen Stadt auf bis zu -30 °C, manchmal auch darunter. Am wärmsten ist es im Juli bei Höchstwerten von rund 25 °C.

  • 🍣

    Das sibirische Sushi nennt sich "Stroganina" und besteht aus gefrorenem Fisch. Die dünnen Filetstücke werden in Salz und Pfeffer gewälzt und roh serviert. Bekannt für die Speise ist das Omsker Restaurant "Lugovskaya Sloboda" (Ulitsa Lenina, 20).

  • 🚐

    Um in Omsk von A nach B zu kommen, stehen private Minibusse bereit, die "Marschrutkas". Die Fahrer sind Superhelden: Sie können einhändig steuern, dabei das Geld der Fahrgäste einsammeln und mit der Schwiegermama telefonieren.

  • ⚗️

    Auch die Omsker trinken gern Wodka, das inoffizielle Nationalgetränk. Der "Pyat Ozer" ("Five Lakes") stammt aus Sibirien. Für seine Herstellung wird "kristallklares" Wasser verwendet, Honigklee- und Bisongras-Extrakte sorgen für eine milde Note.

  • 🏘️

    Omsk zählt zu den niedrigsten Städten Russlands. Höchstes Gebäude ist mit 55 Metern das Hotel "Continental".

Veröffentlicht: 02.08.2020 / Autor: Heike Predikant