Ausgrabung einer dunklen Vergangenheit: Unter einer früheren Irrenanstalt wurden 7.000 Leichen entdeckt
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Ausgrabung einer dunklen Vergangenheit: Unter einer früheren Irrenanstalt wurden 7.000 Leichen entdeckt

vor 5 Monaten

Unter dem University of Mississippi Medical Center (UMMC) liegt eine dunkle Vergangenheit begraben. Vermutlich befinden sich unter der Einrichtung rund 7.000 Leichen. Das ergaben Radar-Scans des Campus-Geländes.

Bereits 2012 fanden Bauarbeiter nicht identifizierte menschlichen Überreste unter der Universität. Damals sollte eine neue Straße am Campus gebaut werden. Im April 2013 veröffentlichte die Universität eine offizielle Erklärung. Die Bauarbeiter hatten damals 66 Leichen in Särgen aus dem 19. und 20. Jahrhundert ausgegraben.

Es wird davon ausgegangen, dass es sich bei den Leichen um ehemalige Patienten einer „Irrenanstalt“ – ein „Insane Asylum“  – handelt, die von 1855 bis 1935 an diesem Ort betrieben wurde.

Nach und nach wurden weitere düstere Details des Geheimnisses offengelegt, das sich unter dem Boden des UMMC befindet. Im Jahr 2014 wurden durch Radar-Scans weitere 2.000 Leichen entdeckt. „The Clarion-Ledger“ berichtete darüber.

Neue Scans haben nun ergeben, dass unter dem heutigen Universitätsgelände wahrscheinlich rund 7.000 Tote begraben liegen; verteilt auf 20 Hektar Land. Das erklärte die Universität in einem kürzlich veröffentlichten Statement.

Ausgrabung
Hier öffnen zwei Archäologen eines der Gräber unter der Mississippi State University.
© umc.edu

Zwischen 1855 und 1935 waren rund 35.000 Menschen in der Anstalt untergebracht. Und rund 9.000 Patienten sind während der 80-jährigen Geschichte des „Insane Asylums“ gestorben. Wie „The Clarion-Ledger“ berichtet, befanden sich zwischen 1855 und 1877 1.376 Patienten in Behandlung und einer von fünf Patienten starb an Ursachen wie „Erweichung des Gehirns“, „nervöser Erschöpfung“ und „chronischer Durchfall“. Nachdem die Anstalt 1935 schloss, wurden die verbleibenden Patienten ins Mississippi State Hospital verlegt. Die Friedhöfe blieben, bis sie schließlich vergessen und überbaut wurden.

Nun wird entschieden, wie mit dem Massengrab umgegangen werden soll. Die Exhumierung der Körper wäre auf jeden Fall mit hohen Kosten verbunden. Es wird von etwa 3.000 Dollar pro Leiche ausgegangen. Daraus ergäben sich insgesamt 21 Millionen Dollar, die es kosten würde, jeden Körper auszugraben. Derzeit wird überlegt, eine Gedenkstätte und ein neues Labor für die Analyse der Körper zu errichten.

„Irrenanstalten im späten 19. Jahrhundert oder Anfang des 20. Jahrhunderts waren wohl keine heilsamen Orte, um dort zu leben. Also ist es uns wichtig, diese Leute in einer sehr respektvollen und ethischen Weise ausgraben zu können“, sagte Molly Zuckerman Professorin an der Mississippi State University.

Eine „Irrenanstalt“ war modern

Was uns heute wundern mag. Selbst das „Insane Asylum“ mit seinen hohen Sterblichkeitsraten galt damals als modern. Dank der Unterstützung der Reformatorin Dorothea Dix, die auch „der Engel der Wahnsinnigen“ genannt wurde, wurde die Irrenanstalt im Jahre 1855 erbaut, um Menschen mit psychischen Erkrankungen auch menschlich behandeln zu können. Vorher saßen sie in Gefängnissen oder wurden in Kellern und Dachböden eingesperrt.

Bevor es Irrenanstalten gab,geschah die Beaufsichtigung der „Irren“ durch „Irrenschließer“, die „Versorgung“ durch sogenannte „Zuchtmeister“ und durch Strafgefangene. Geisteskranke wurden  häufig angekettet und mit Folterwerkzeugen gequält, weil man sie so „zur Vernunft bringen“ oder „von ihren Tollheiten heilen“ wollte.

Die Einrichtung von Irrenhäusern und Irrenanstalten war unter diesem Gesichtspunkt ein Fortschritt – aus dem ausgegrenzten „Irren“ wurde ein Kranker mit einem Rechtsanspruch auf ärztliche Hilfe.

Damals besaß der Begriff „Irrenanstalten“ übrigens noch nicht seinen heutigen negativen Klang. Und auch wenn die Behandlung von damals aus heutiger Sicht in den meisten Fällen als menschenunwürdig zu betrachten ist, kämpften Psychiater damals um die Anerkennung ihres Faches. Und das hat schließlich dazu geführt, dass wir heute psychiatrische Kliniken haben, in denen Menschen mit psychischen Störungen auf bestmögliche Art geholfen werden kann.

Depression ist eine weit verbreitete Erkrankung. Viele Menschen leiden darunter. Diese App soll Erkrankten einen Weg aufzeigen, um aus dem Gefühl von Verunsicherung und Isolation herauszukommen:

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