1942 auf mysteriöse Weise verschollenes Pärchen im Gletscher wieder aufgetaucht
Kantonspolizei Wallis

1942 auf mysteriöse Weise verschollenes Pärchen im Gletscher wieder aufgetaucht

vor 4 Wochen

Vor über 70 Jahren verschwand ein Paar spurlos in den Schweizer Alpen. Was ist nur mit ihnen passiert? Nun sind in einem Gletscher zwei Leichen gefunden worden, die das Rätsel um ihren Verbleib lüften.

Die heute 79 Jahre alte Marceline Udry-Dumoulin stellte sich seit dem Sommer 1942 immer wieder dieselbe Frage: Wo sind meine Eltern und was ist mit ihnen passiert? Am 15. August dieses schicksalhaften Jahres brachen ihre Mutter Francine, eine 37-jährige Lehrerin, und ihr Vater Marcelin, ein 40-jähriger Schuhmacher, auf. Sie wollten von ihrem Dorf Chandolin im Kanton Wallis zu Fuß zu einer Alm in den Alpen wandern.

„Sie wollten das Vieh füttern und am gleichen Abend zurück sein“, erinnert sich ihre Tochter. Es war das erste Mal, dass ihre Mutter ihren Vater auf dem Weg begleitete – es sollte auch das letzte Mal bleiben. Die beiden kehrten nie zurück. Damit brachen sie ihren sieben Kindern das Herz. „Wir haben unser ganzes Leben unermüdlich damit verbracht, sie zu suchen“, erzählte ihre Tochter Marceline der Schweizer Zeitung Le Matin. Sie war erst vier Jahre alt, als sie ihre Eltern zum letzten Mal sah.

Trotz mehrerer Suchmannschaften gab es fast 75 Jahre lang keine einzige Spur der beiden Vermissten – bis jetzt. Am 14. Juli machte ein Angestellter einer Skistation auf 2600 Metern Höhe im schmelzenden Tsanfleuron-Gletscher nämlich eine grausame Entdeckung. Er war als Pistenbully-Fahrer unterwegs, als er vor sich etwas auftauchen sah, das er aus der Ferne für einen Haufen Steine hielt. Beim Näherkommen wurde ihm klar, dass er etwas ganz anderes gefunden hatte: zwei mumifizierte Leichen. Sie lagen mitten in einem eisigen Gletscher. Auf einem Weg, der früher benutzt wurde, um vom Wallis nach Bern zu gehen:

Eisiger Tod
Auf diesem Gletscher wurden die Überreste eines Paares gefunden. Jetzt wurden sie identifiziert.
© Kantonspolizei Wallis

Es wurden unter anderem die Überreste von Haaren, gut erhaltene Kleidung aus der Zeift vor dem Zweiten Weltkrieg, ein Buch und ein Rucksack gefunden:

Außerdem fand man eine Flasche Wein und Schuhe, die echte Unikate sind:

Weinflasche
Bei den menschlichen Überresten wurden gut erhaltene Gegenstände gefunden.
© Kantonspolizei Wallis

Schuhe
Die Tochter der Vermissten erkannte sofort die Schuhe ihrer Eltern wieder.
© Kantonspolizei Wallis

Als Marceline Udry-Dumoulin diese Schuhe sah, wusste sie sofort, zu wem sie gehörten: ihrer Mutter. „Mein Vater war Schuhmacher, niemand anders machte diese Schuhe“, erklärte sie. Seitdem gibt es für sie keinen Zweifel mehr. Jetzt gibt ihr die polizeiliche Untersuchung Recht.

Eine der beiden Leichen gehört klar zu einem Mann, die andere zu einer Frau. Sie wurden mit dem Helikopter vom Gletscher geflogen und dann im Institut für Rechtsmedizin in Lausanne untersucht. Die Kantonspolizei hatte DNA-Tests angeordnet, um sie formell zu identifizieren. Dabei kam am Mittwoch das heraus, was Marceline Udry-Dumoulin schon seit dem Fund vermutet hatte: Die beiden Verstorbenen sind tatsächlich Francine und Marcelin Dumoulin.

Wahrscheinlich fielen die beiden in eine Gletscherspalte und sind entweder an dem Sturz gestorben oder erfroren. Der Gletscher gab sie erst jetzt wieder frei, weil mittlerweile ein großer Teil davon weggeschmolzen ist.

Marceline Udry-Dumoulin ist froh, ihre Eltern endlich bestatten zu können. Während der letzten Jahrzehnte ist sie immer wieder selbst auf den Gletscher gegangen, um sie zu finden. Jetzt sind die beiden Vermissten endlich aufgetaucht. Zum Begräbnis werde sie darum kein Schwarz tragen. Das erscheine ihr unpassend. Lieber trüge sie Weiß – als Symbol für die Hoffnung, die sie all die Jahre daran glauben ließ, dass sie ihre Eltern wiederfinden würde.

Leider ist es keine Seltenheit, dass Menschen als vermisst gemeldet werden. Auch Maurice und Maralyn Bailey erging es so. Sie waren auf dem Pazifik unterwegs, als ihr Boot von einem Wal gerammt wurde und unterging. 117 Tage harrten sie auf offener See aus. Doch wie überlebt man so eine Situation? Das sind die Überlebenstipps, die man dafür unbedingt kennen sollte:

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