So wurde ein neunjähriges Kind von AIDS "befreit"
via The Blue Diamond Gallery /CC BY-SA 3.0

So wurde ein neunjähriges Kind von AIDS „befreit“

vor 3 Wochen

Neun Jahre lang begleiteten Forscher ein südafrikanisches Kleinkind. Das Mädchen wurde mit dem HI-Virus geboren und sofort behandelt. Seit mehr als acht Jahren ist das Virus nicht mehr in ihrem Körper zu finden. Ob sie ganz geheilt ist, weiß man dennoch nicht sicher.

Vor wenigen Tagen erzählten Forscher bei der neunten Konferenz der Internationalen AIDS-Gesellschaft über HIV in Paris die außergewöhnliche Geschichte eines Kindes aus Südafrika, das sie nicht identifizierten. Laut dem Stern handelt es sich dabei um ein Mädchen. Heute ist sie neun Jahre alt. Als sie einen Monat alt war, stellten Ärzte eine HIV-Infektion fest. Sie war also schon mit AIDS auf die Welt gekommen. Im Rahmen einer Studie des Viren-Spezialisten Mark Cotton von der Stellenbosch Universität in Südafrika wurde sie sofort mit Medikamenten behandelt, die das HI-Virus unterdrücken sollten. Die Behandlung dauerte nur 40 Wochen und das Virus „verschwand“ aus ihrem Körper. Seit achteinhalb Jahren kann es nicht mehr in ihrem Blut festgestellt werden. Das ist ein riesiger Erfolg für die Medizin.

Allerdings gibt es zwei Probleme. Das erste ist, dass man nie mit Sicherheit sagen kann, ob das Virus tatsächlich verschwunden ist. Wenn Medikamente richtig wirken, wird es unterdrückt. Dann ist es aber trotzdem noch im Körper. Ärzte können das inaktive Virus normalerweise im Blut finden. Bei der heute Neunjährigen ist es aber etwas anders. Die Forscher konnten in ihrem Blut seit Jahren keinen HI-Virus aufspüren, nicht einmal inaktiv. Das gibt Hoffnung, dass das Mädchen AIDS tatsächlich überwunden hat. Es kann aber auch sein, dass das Virus noch irgendwo in ihrem Körper schlummert und wieder auftaucht.

Das zweite Problem ist, dass Ärzte nicht sicher wissen, warum die Medikamente bei ihr so gut funktionierten. Sie haben dasselbe nämlich auch bei anderen Babys versucht. Bei denen hat es aber nicht geklappt – das Virus ist immer noch im Blut zu finden. Die Forscher kamen auf die Idee, dass es an ihren Genen liegen könnte. Sie untersuchten sie, konnten aber keine erklärenden Mutationen feststellen.

Eine andere Vermutung ist, dass es mit ihrem Immunsystem zusammenhängt. Das wird nun vom Team der Biologin Caroline Tiemesse untersucht. Die ist im Nationalen Institut für übertragbare Krankheiten in Johannesburg die Leiterin der Abteilung Zellbiologie. „Wir glauben, dass es zusätzlich zu der frühen Behandlung andere Faktoren gab, die in diesem Kind zu der Rückbildung von HIV beigetragen haben“, erklärt sie. Das Mädchen könnte der Schlüssel dazu sein, die Ausbreitung von HIV im Körper zu verstehen und zu verhindern.

Eine Besonderheit haben die Forscher schon festgestellt. Den weißen Blutkörperchen fehlt ein ganz bestimmte Rezeptor, der für das HI-Virus wie eine Andockstation ist. Das könnte es dem Virus schwierig gemacht haben, die Zellen zu infizieren. Warum das Mädchen diesen Rezeptor nicht hat, ist aber ein großes Fragezeichen. „Es könnte das Zeichen für etwas sein, das wir zwar nicht verstehen, aber das Ziel zukünftiger Forschungen sein kann“, meint Cotton dazu. Laut ihm liefere das neunjährige Glückskind einen weiteren Puzzlestein im Kampf gegen AIDS. „Wir sind auf dem Weg zu einer Heilung, aber wir wissen nicht, wie lange es dauern wird.“

Nicht jeder HIV-Infizierte ist mit dem Virus auf die Welt gekommen. Viele stecken sich erst im Erwachsenenalter an. Wie lange man damit überleben kann und wie es ist, von der Diagnose zu erfahren, erklärt euch hier ein Betroffener:

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